Leibertingen Luchs Friedl reißt fünf Tiere auf Weide

Die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt hat das Ergebnis eines Gentests veröffentlicht: Es war Luchs Friedl, der auf einer Weide bei Leibertingen Ende Dezember drei Schafe und zwei Ziegen gerissen hat.

Nun ist es amtlich. Der Luchs Friedl hat am 27. und am 28. Dezember in zwei Nächten drei Schafe und zwei Ziegen gerissen. Das beweist der Gentest, den die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) in Freiburg durchgeführt hat. In der gestern veröffentlichten Pressemitteilung betont Pressesprecherin Kaisu Makkonen-Spiecker, dass nach dem Gentest nicht nur feststehe, dass ein Luchs die fünf Herdentiere tötete, sondern dass es sich um den Luchs Friedl handelt. Trotz dieses Vorfalls sieht Makkonen-Spiecker keinen Grund zur Besorgnis. Die Fachleute gehen davon aus, dass es sich um einen Einzelfall handelt.

Wenige Tage nach dem Überfall auf die Herde lief Fuchs Friedl dann doch in die Fotofalle von Armin Hafner.
Wenige Tage nach dem Überfall auf die Herde lief Fuchs Friedl dann doch in die Fotofalle von Armin Hafner. | Bild: Armin Hafner

Carsten Weber und Julianna Ranzmeyer sind die Besitzer der Herde, die in der letzten Dezember-Woche von Luchs Friedl heimgesucht wurde. Carsten Weber ist naturschutzfachlicher Berater und Gutachter, schreibt Expertisen und hat sich schon vor dem Vorfall intensiv mit dem Luchs beschäftigt. Für ihn ist das Verhalten des Tieres nicht nachvollziehbar. Weber erklärt: "Normalerweise reißt ein Luchs ein Tier, lässt den Kadaver liegen und kommt in der nächsten Nacht wieder, um erneut davon zu fressen."

Dem stimmt auch der Meßkircher Hegeringleiter und Luchsbeauftragte des baden-württembergischen Landesjagdverbandes, Armin Hafner, zu. Hafner erklärt das so: "Die Natur hat es so eingerichtet, dass der Luchs nur ein Tier reißt, sich davon ernährt und erst nach einiger Zeit wieder auf die Jagd nach einem neuen Opfer geht." Vorfälle wie auf der Leibertinger Wiese seien "extrem selten". Hafner kann sich an einen einzigen Fall erinnern. Damals drang ein Luchs in ein Damwildgehege ein und tötete mehrere Tiere.

Carsten Weber informierte nach dem ersten Vorfall, bei dem ein Schaf gerissen wurde, den Luchsbeauftragten. Hafner erinnert sich: "Das Spurenbild wies eindeutig auf einen Luchs als Urheber hin." Weil Hafner in der Folgenacht die Rückkehr des Luchses zu seiner Beute erwartete, installierte er eine Wildtierkamera. Als er am nächsten Morgen zurückkam, um die Kamera zu holen, fand er die Kadaver von zwei weiteren Schafen und zwei Ziegen vor. "Das kam mir seltsam vor, eben weil es gegen das übliche Verhaltensmuster eines Luchses verstößt", erinnert sich der Luchsbeauftragte. Die Spuren seien nicht eindeutig gewesen und ein nächtlicher Überfall durch wildernde Hunde habe nicht ausgeschlossen werden können. Weil der Luchs den Kadaver vom Vortag verschmäht hatte, hatte er auch die Wildtierkamera nicht ausgelöst.

Die Luchse im Land fallen in den Zuständigkeitsbereich des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart und damit seiner untergeordneten Behörde, der Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg. Daher wurden die beiden Stellen unmittelbar über den Vorfall unterrichtet. Um letzte Klarheit über den Urheber der beiden Beutezüge zu haben, wurde ein Gentest angeordnet, dessen Ergebnis nun Friedl eindeutig identifiziert.

Für die Besitzer der Herde steht der finanzielle Schaden nicht im Vordergrund. Weber erklärt: "Wir erhalten aus einem speziell für diesen Zweck geschaffenen Fonds den Schaden ersetzt." Weber, der zusammen mit Julianna Ranzmeyer den Arche-Hof Distelhummelhof aufbaut, sieht im Luchs keinen Feind, sondern ein Tier, das genauso Lebensrecht in der heimischen Natur hat wie andere Wildtiere auch. Sollte sich der Wolf bis nach Baden-Württemberg ausbreiten, könnte das für den Herdenschutz zu einer noch deutlicheren Herausforderung werden. Weber erläutert: "Es gibt große Hirtenhunde, die es leicht mit einem Luchs und sogar mit einem Wolf aufnehmen könnten." Leider mache die derzeitige Rechtslage in Deutschland den Einsatz dieser speziellen Herdenschutzhunde unmöglich.

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