Mein

Mit Fäusten und Kalaschnikow

08.07.2008


Ein Pfarrer mit dem Herz auf dem rechten Fleck und ein kommunistischer Bürgermeister, der seine katholischen Wurzeln nicht verleugnen kann. Dass so ein unterschiedliches Paar im täglichen Umgang Probleme miteinander hat, das versteht sich von selbst. Und wenn dann Fäuste und auch ein Maschinengewehr sprechen, dann ist das der Stoff, aus dem beste Unterhaltung gemacht ist.

Und genau diesen boten die Laienschauspieler der Waldbühne Sigmaringendorf am Samstag mit "Don Camillo und Peppone" einem begeisterten Publikum. Es war die 100. Premiere, die in der wunderschönen Kulisse des Naturtheaters stattfand. Der Theaterverein Sigmaringendorf mit seinem Vorsitzenden Johannes Speh ist seit Jahrzehnten der Garant, für die Fortführung einer Theatertradition, wie sie im Landkreis Sigmaringen ganz bestimmt einmalig ist. Und: Auch diesmal mangelte es nicht an der Kreativität des Regisseurs. Joachim Link hatte bereits 1959 mit dem gleichen Stück, aber in einer anderen Bearbeitung debütiert und erbrachte auch diesmal eine Glanzleistung. Die charmante Unterstützung durch Regieassistentin Esther Rebholz hatte da bestimmt keinen kleinen Anteil.

Doch für das Publikum lebt das Theater vor allem durch das, was auf der Bühne zu sehen ist. Und das vor allem durch die schauspielerische Glanzleistung von Armin Sauter als Don Camillo und Alexander Speh als sein raubauziger Widersacher Peppone Botacci.

In einem kleinen Dorf in Norditalien leben der Pfarrer Don Camillo und der kommunistische Parteiführer Peppone. Die beiden sind in alter Feindschaft freundschaftlich miteinander verbunden: Hier Hochwürden Don Camillo, der temperamentvolle Pfarrer mit den lockeren Fäusten,dort sein nicht weniger streitbarer Erzfeind Peppone, Bürgermeister und Anführer der "Roten". Beide Männer verfolgen das gleiche Ziel, nämlichihr Dorf glücklich zu machen. Nur sind ihre Vorstellungen von Glück leider grundverschieden. Aus diesen Charakteren entwickelt sich Eine turbulente Komödie des Romanautors Giovannino Guareschi.

Den Ort Brescello gibt es übrigens tatsächlich. Eine Bar heißt dort "Don Camillo" und eine Bierstube "Peppone". Wie in der Geschichte liegen Kirche und Bürgermeisteramt an der Piazza Matteotti auf Steinwurfweite gegenüber. Nur die alten Kommunisten, die gibt es kaum noch. Hier, in der Emilia Romania hat im Herbst 1951 der Regisseur Julien Duvivier den ersten weltberühmten Film "Don Camillo und Peppone" gedreht. Er hätte genauso gut auf der schwäbischen Alb spielen können, wenn es dort jemals Kommunisten gegeben hätte. Denn die Charaktere unterscheiden sich nur durch die Namen. Es ist wohl die Abgelegenheit der ländlichen Gegenden, die die Menschen miteinander leben, streiten -und auch lieben lässt.

Auch um Liebe geht es in der herrlichen Komödie in der Bearbeitung von Gerold Theobaldt. Dass das Paar Mariolino (herrlich impulsiv Mario Schlopschnat) und Gina (liebreizend: Lea Speh) dann endlich doch zusammen findet, das ist eine lange Entwicklung. Intrigen, Beleidigungen, der Streik der Landarbeiter und schließlich sogar die Verbannung des streitbaren Don Camillo müssen zuerst bewältigt werden. Doch auch hier ist die Moral eindeutig: Oft erkennt man den Wert einer Person erst dann, wenn sie nicht mehr da ist. So ergeht es auch Peppone und seiner kommunistischen Sturmtruppe. Ohne Don Camillo gibt es keine Lebensqualität im Dorf -und diese wird eben durch die vielen Reibereien zwischen den Christen und den Atheisten (der im Grunde seines Herzens doch katholisch ist) bestimmt.

Die Zuschauer erlebten einen Priester, der mit Wortgewalt und Schlagkraft den Glauben und die heilige Mutter Kirche verteidigte. Armin Sauter bewies nicht nur Textsicherheit und ein bemerkenswertes Komödiantentum. Er verstand es prächtig, die Person des liebenswerten Priesters so richtig in die Herzen der Theaterfreunde zu legen. Doch ganz ehrlich: Auch den Bürgermeister Peppone dürften die Premierenbesucher in ihr Herz geschlossen haben. Und das liegt auch an der tollen Leistung von Alexander Speh.

Keine Frage: Dem Theaterverein Waldbühne ist einmal mehr ein großer Wurf gelungen. Das gilt nicht nur für die Auswahl des Stückes (Komödien kommen beim Publikum einfach besser an, als Dramen), sondern auch für die glückliche Hand des Regisseur bei der Besetzung der Rollen. Dass da bei manchem "Italiener" der schwäbische Dialekt doch noch etwas durchdringt, das mag man der engagierten Schauspielertruppe verzeihen. Auch wenn die Stimme des Herrgotts (Benjamin Speh) noch etwas "väterlicher" sein könnte (ältere Zuschauer sind da von den Fernandel-Filmen verwöhnt), es war mal wieder ein Theaterabend mit Klasse, Witz und Humor. Einfach Bravissimo!

Weitere Aufführungen am 12., 19. und 26. Juli jeweils um 20.30 Uhr und im August.

Bildergalerie im Internet:

www.suedkurier.de/bilder

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