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Lieb gewonnene Erinnerung an Frauen im Dorf

05.01.2008


Ob Narrenräte, Narreneltern, Eseltreiber, Schneller, Silberschweif, Zehntfuxer und Esel oder Zimmermannsgilde - der Herdwanger Narrenverein hat sich seit seiner Gründung 1957 zu einer vielseitigen und farbigen Narrenfamilie entwickelt. 1988 bekamen die Eselohren mit der Gruppe der Griebenschmalzweible Zuwachs im Narrenstall. Das Narrenjahr 2008 ist also das Jahr ihres zweiten runden Geburtstags.

"Initiiert wurde unsere Gründung durch den damaligen Narren-Präsident Guido I.", weiß Anna Schellinger, die rund 16 Jahre die Gruppe leitete. "Er hat sogar unser Häs entworfen und selber genäht." Eine aufwändige Arbeit und reife Leistung von GuidoI., schaut man sich die Puffärmel der weißen Blusen unter dem roten Miedern und den blau-weiß gestreiften, bodenlangen Röcken der Griebenschmalzweible genauer an. Die 1991 verstorbene Anita Braun war Gruppenleiterin der ersten Stunde. Kurz nach Gründung übergab sie das Zepter an Inge Vogler. Von 1990 bis 2006 leitete Anna Schellinger die Narrengruppe. Heute teilen sich Sonja Baur und Karin Bezikofer die Aufgaben und Pflichten der Führungsrolle.

Wie viele andere Fastnachtsfiguren basiert auch die des Griebenschmalz-weibles auf einer realen Gestalt, die in ländlichen Regionen noch bis vor wenigen Jahrzehnten eine wichtige Rolle im Dorfgeschehen spielte. "Eine Funktion, die meist die ärmsten Frauen im Ort ausfüllten", erzählt Berthold Kellenberger. Im Gemeindehaus habe noch zu seiner Kinderzeit - also vor rund 50 Jahren - das letzte Griebenschmalzweible des Orts gelebt. "Sie übernahm sozusagen die Funktion, die heute das Amtsblatt erfüllt, und übermittelte anstehende Termine und Informationen rund um das Dorfleben von Haus zu Haus. Beispielsweise wann Hochzeit gefeiert, eine Beerdigung stattfinden sollte oder ein Bauer schlachten würde." Lohn der Mitteilungen waren Eier, Schnaps, Brot, zumeist aber ein Topf Griebenschmalz, das damals als Brotaufstrich oder als Bratfett in jedem Haushalt unverzichtbar war. "Daher kommt auch der Name Griebenschmalzweible", weiß Kellenberger weiter.

Die Griebenschmalzweible sind insbesondere bei den älteren Herdwangern eine lieb gewonnene Erinnerung aus ihrer Jugend. Daran wollten die Gründungsmitglieder Luise Keller, Resi Braun, Monika Eisele, Maya Kellenberger, Rita Böhringer, Gerda Reutebuch und Inge Vogler mit ihrer Fasnachtsfigur festhalten. Tradition verlangt aber auch nach Perfektion: So verteilen die 16 Frauen und vier Mädchen bei Umzügen abgesehen von Bonbons auch Griebenschmalzbrote an die Schaulustigen. Jedes Jahr zur Fastnacht richten sie auch das Kaffeekränzle im Rathauskeller aus, in diesem Jahr am 25. Januar.

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