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Kreis Sigmaringen/Zollernalbkreis

Inzigkofen Turbo-Abi: Schule als Freizeitkiller?

02.07.2009
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Im „Superwahljahr“ 2009 haben das Dekanatsteam der Katholischen jungen Gemeinde (KJG) und das Katholische Jugendbüro in einer Podiumsdiskussion die Frage aufgeworfen, ob die Schule durch das „Turboabi“ G8 zum Freizeitkiller wird. Die Diskussion moderierten Johanna Zschornak vom Dekanatsteam, die gerade ihr Abitur bestanden hat, und Jugendreferent Frank Ortolf.

Inzigkofen – Der Großteil der etwa 50 Zuhörer bei der Politveranstaltung am Dienstagabend im Rathaus bestand aus Eltern, Lehrern und Schulleitern, jedoch nur wenigen Schülern und Jugendlichen. Die Podiumsgäste: Otmar Wetzel, Gymnasiallehrer am Martin-Heidegger-Gymnasium Meßkirch und Schuldekan; Petra Selg, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg; Britta Röwer, Abiturientin und Mitglied der KJG; Volker Schebesta, Landtagsabgeordneter und Bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, und Mareike Punzel, Elternbeirätin und Gesamtelternbeiratsvorsitzende der Meßkircher Schulen.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte das Dekanatsteam mit Lehrern, Schülern und Eltern in Sigmaringen Interviews zu den einzelnen Diskussionspunkten geführt. Diese wurden auf einer Leinwand eingespielt. In der Frage, ob die Schule durch das Turbo-Abitur zum Freizeitkiller wird, konnten sich die Diskussionsteilnehmer konnten nicht einigen. Petra Selg betonte: „Das ehrenamtliche Engagement in der Freizeit ist in Zukunft mit G8 nicht mehr zu leisten.“ Dem widersprach Volker Schebesta. Als Leiterin von Gruppenstunden merkt Britta Röwer, dass es immer schwieriger wird, Termine für Gruppenstunden zu finden. „Nicht im Nachmittagsunterricht, sondern in den unkalkulierbaren Hausaufgaben“ sieht Mareike Punzel das Problem.

Lehrer Otmar Wetzel äußerte, dass das G8 zwar mehr Unterricht bedeute, er sah das aber nicht grundsätzlich als Freizeitkiller. Die Stundenzahl sei gesenkt worden. Politiker Schebesta hat den Eindruck, dass manchmal „alles auf das G8 geschoben wird“. Es sei normal, dass die Schule ab der Mittelstufe zum Ausbildungsende hin eine größere Rolle einnehme und überlegt werden müsse, was an Freizeitaktivitäten geht und was eben nicht. Elternbeirätin Mareike Punzel widersprach: „Die Kinder sind einer hohen Belastung ausgesetzt und arbeiten teilweise mehr als Ehemänner.“ Sie befürchtet, dass man den Kindern die Lust am Lernen nimmt und die Freude daran zu kurz kommt.

Das Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion. Eine Lehrerin berichtete, dass sie das Gefühl habe, manche Schüler würden den vorgezogenen Unterrichtsstoff nicht immer verstehen. Dekan Christoph Neubrand macht die Erfahrung, dass seit zwei bis drei Jahren Ministranten in den Ferien und an Sonntagen lernen. Gerald Eisen, Schulleiter an der Liebfrauenschule Sigmaringen, brachte sich ebenfalls in die Diskussion mit ein: „Die Einführung des G8 ist zu schnell und zu wenig durchdacht.“

Thema war auch die finanzielle Belastung von Familien durch das Mittagessen mehrerer Kinder in der Schule. Die von Schebesta propagierte bessere Ausbildung von Lehrern könne sie nicht sehen, erklärte eine Ausbildungslehrerin. Mit der Frage, ob sich die Podiumsgäste für G8 oder G9 entschieden hätten, endete die knapp dreistündige Diskussion. Die Frage ging anschließend ins Publikum, wobei sich mehr für das neunjährige Gymnasium entschieden hätten.

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