Illmensee – Gut besucht war am Sonntag die Gedenkfeier zu Ehren des Erzbischofs Wendelin Rauch. Der Geistliche war vor 60 Jahren, am 7. September 1951, zum Ehrenbürger Illmensees ernannt worden. Dem Leben und Wirken dieses mutigen und aufrechten Mannes, der 1954 nach schwerer Krankheit gestorben war, wurde im Rahmen der Feierlichkeiten gedacht. Auftakt bildete ein Orgelkonzert des Rottenburger Domorganisten a. D., Professor Wolfram Rehfeldt, unter Mitwirkung dessen beider Töchter und des Kirchenchors Illmensee in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt. Im Anschluss wurde das für den Ehrenbürger erstellte Denkmal mit der Wendelin-Rauch-Plakette am Rathaus enthüllt und eingeweiht. Wer sich einen weiteren Einblick in das Leben Wendelin Rauchs verschaffen wollte, hatte dazu nach der Einweihung des Denkmals durch eine Ausstellung im Pfarrheim Gelegenheit. Hier waren Exponate zu sehen, die mit Rauchs Leben in Verbindung standen, sowie Bilder der Stationen seines Lebens. Die Ausstellung wird auch am kommenden Sonntag, 18. Dezember, nochmals geöffnet sein.
Bürgermeister Bernhard Stadler hob hervor, dass Gemeindearchivar Olaf Brandt der Motor dieser Gedenkfeier gewesen sei. Immer wieder sei er auf den Bürgermeister zugekommen mit dem Anliegen, diesem Mann Ehre zu erweisen. Schließlich haben Kirchengemeinde und politische Gemeinde sowie die Familie Rauch gemeinsam diese Gedenkfeier organisiert. Der Illmenseer Bürger, Josef Rauch, der lange Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender war, ist ein Großneffe des Geehrten und auch mit dem Organisten der Veranstaltung verwandt. Die Stationen des Lebens von Rauch, die von Pfarrgemeinderätin Monika Weiß vorgetragen wurden, zeigen, dass die Illmenseer stolz auf ihren Ehrenbürger sein können und diesem auch heute noch zu Recht Ehre erweisen.
Der hochbegabte Sohn eines Landwirts hatte im „Dritten Reich“ standhaft gegen das Nationalsozialistische Regime Stellung bezogen und dafür mehrfach berufliche Nachteile in Kauf genommen und nicht zuletzt sein Leben riskiert. Beispielsweise stellte er sich in seinem Freiburger Vortrag über die „Probleme der Eugenik im Lichte der christlichen Ethik“ im Jahr 1933 entschieden gegen die Erbgesundheitspolitik, Zwangssterilisation und Euthanasie des Hitler-Regimes. Auch schon im Ersten Weltkrieg bewies Wendelin Rauch seine Tapferkeit, indem er sich freiwillig für den Seelsorgedienst an der Front meldete und die „brutalen Kämpfe und die sterbenden Soldaten hautnah miterlebte“.
Geboren wurde der bedächtige und kluge Mann am 30. August 1885 in Zell am Andelsbach. Bereits im Alter von fünf Jahren wurde die Weichen für seinen beruflichen Werdegang gelegt, denn als er an einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung erkrankte, gelobten seine Eltern, ihn Theologie studieren zu lassen, wenn er wieder gesund werde. Nach dem frühen Tod seines Vaters verbrachte Rauch seine Jugend in Illmensee bei seinem Onkel Bürgermeister Thomas Braun und dessen Frau. Wendelin Rauch schloss bereits mit 22 Jahren sein Theologiestudium in Freiburg ab. 1910 wurde er in Rom zum Priester geweiht, nachdem er den Doktortitel der Philosophie erworben hatte. 15 Jahre später erhielt er die Professur für Moraltheologie und Ethik am Priesterseminar in Mainz. Er lebte stets nach seinem Leitspruch „vi veri“, „die Wahrheit tun“.
Im Oktober 1948 trat er die Nachfolge des Erzbischofs von Freiburg, Conrad Gröber, an. Der jetzige Erzbischof Robert Zollitsch wurde von Rauch gefirmt. Dies las Christoph Neubrand, Dekan des Dekanats Sigmaringen-Meßkirch, im Grußwort Zollitschs zur Gedenkfeier vor. Früh habe Rauch seine Liebe zur Seelsorge entdeckt, verkündete er weiter. Es sei ihm wichtig gewesen, das Firmsakrament soweit möglich selbst zu spenden. So handelte er auch 1951 in seinem Heimatort Illmensee entsprechend und firmte 31 Mädchen und 29 Jungen.
Die Musik, die vorgelesenen Worte, die Bilder an der Leinwand konnten die Besucher auf sich wirken lassen und mit nach Hause tragen. Das Denkmal, das von Kunstschmied Peter Klink und dessen Helfer Dominik Wendler entworfen und erstellt worden war, soll nun dafür sorgen, dass die Erinnerung an diesen Menschen wach bleiben wird.
