Was können Bürger für Bürger tun? Mit bürgerlichem Engagement und sozialen Netzwerken hat sich die zweite Arbeitsgruppe zur Fortschreibung des Seniorenkonzeptes befasst. Heraus kamen dabei viele neue Ideen, aber auch Institutionen, die es bereits gibt oder in der Vergangenheit gab, waren Thema in der Runde.
Nachdem in der ersten Arbeitsgruppe die Wünsche der Bevölkerung zu einem möglichen Seniorenwohnheim erörtert wurden, ging es in der zweiten um die Frage, was Bürger für Bürger tun können. Mit seinem obligatorischen Fachvortrag gab Peter Beck von der Vinzenz Service GmbH einen kurzen Abriss über mögliche Formen bürgerlichen Engagements. Beck begleitet die Fortschreibung des Seniorenkonzepts aus fachlicher Sicht. Er erklärte, dass die Bereitschaft, sich zu engagieren, in Baden-Württemberg steige. Jedoch sinke gleichzeitig die Bereitschaft, dabei auch Verantwortung zu übernehmen. Seinen Vortrag fütterte er wieder mit etlichen Zahlen. So seien gerade die 14 bis 19-Jährigen sowie die 45 bis 49-Jährigen bereit, sich zu engagieren, die meisten davon in Vereinen. Als Gründe für bürgerliches Engagement nannte er das Gefühl, etwas bewegen zu können, moralische Verpflichtung und die Suche nach Kontakten. Weiterhin stellte Beck die Bedeutung der Vernetzung dar. „Netzwerk bedeutet nicht, es gibt eine Reihe von Diensten. Es bedeutet, dass diese Dienste vernetzt sein und gemeinsame Ziele haben müssen“, so Beck. Das bürgerliche Engagement sei ein Teil dieses Netzwerkes.
Dabei haben die Bürger in Herdwangen offenbar klare Vorstellungen, wie das soziale Netzwerk in der Gemeinde ausgebaut werden könnte. Von den 34 Teilnehmern sprachen sich 33 für die Einrichtung einer generationenübergreifenden Begegnungsstätte aus. Immerhin noch 23 wünschen sich künftig eine Tagesbetreuung und 21 eine kostenlose Fachberatung für Senioren. Beck überraschte das Ergebnis dieser Umfrage unter den Teilnehmern. „Bemerkenswert ist, dass die meisten dieser Trends nur wenig mit bürgerschaftlichem Engagement zu tun haben“, so Beck.
In kleinen Arbeitsgruppen sollten die Bürger anschließend die Frage beantworten, wie der Gedanke des bürgerschaftlichen Engagements weiter ausgebaut werden könnte. Die Ergebnisse ähnelten sehr denen aus der vorherigen Umfrage, gingen aber wesentlich weiter ins Detail. So berichtete Margarete Hoch von ihrer Schwester, die in einer anderen Gemeinde eine Begegnungsstätte aufgebaut habe. Die Räumlichkeiten würden durch die Gemeinde gestellt und die Arbeit durch ehrenamtliche, ausgebildete Bürger erledigt. Die Senioren könnten dort beispielsweise Probleme besprechen und bekämen Hilfe bei Formularen. Die Einrichtung diene aber auch als Anlaufstelle für Kaffeeklatsch. Andere Arbeitsgruppen schlugen eine Internetplattform zum Informationsaustausch oder eine Beratungsstelle vor.
Gerade diese gab es bereits in der Gemeinde. Die Verwaltung bot in der Vergangenheit regelmäßige und kostenlose Informationsstunden für Senioren an. Genutzt wurde dieser Service nach den Worten von Bürgermeister Ralph Gerster kaum. Auch gibt es in der Gemeinde den Nachbarschaftsverein Miteinander-Füreinander und den Seniorenkreis. „Wir haben viele dieser Sachen gehabt. Wir müssen es besser in die Öffentlichkeit transportieren“, folgerte Gerster. Trotzdem freute er sich über die Ergebnisse der Arbeitsgruppe: „Viele der Vorschläge lassen sich mit ein wenig Kreativität umsetzen.“
Am Mittwoch traf sich die dritte und letzte Arbeitsgruppe im Bürgersaal. Sie erarbeitete Ideen zum Thema „Soziale Infrastruktur der Gemeinde für Senioren und mögliche Träger- und Betriebsmodelle.“ In einer anschließenden Umfrage über das Amtsblatt ist die gesamte Bevölkerung gefragt. Danach muss die Verwaltung die Ergebnisse zusammenführen und Vorschläge ausarbeiten.
