Gut zwei Stunden freuten sich die zahlreichen Besucher der Herdwanger Dorfhockete über die Sonne. Dann mussten die Musiker und etwa 400 Mittagsgäste doch in die Bundschuhhalle umziehen. Davon ließ sich allerdings niemand die Stimmung vermiesen.
Herdwangen-Schönach – Bereits in den vergangenen beiden Jahren hatte das Wetter den Herdwangern das Gemeinde-Highlight zum Start in die Sommerferien im übertragenen Sinne „verhagelt“ – aber mitnichten die gute Stimmung. 2007 wich man gleich in die Bundschuhhalle aus. Im vergangenen Jahr wurde der Feierabendhock am Montag vom Regen regelrecht in die Halle gespült.
In diesem Jahr hatten die Verantwortlichen des Narren- und Musikvereins vorgesorgt und alle Launen himmlischer Wetterplanung in die Festplanung einkalkuliert. Nicht wie üblich zwischen Rathaus, Bundschuhhalle und Dorfladen spielte am Wochenende die Musik, sondern hinter der Bundschuhhalle. Direkt neben dem Hintereingang bauten viele Helfer eine mobile Bühne auf, eine Leihgabe der Gemeinde Wald. Das Autohaus Schneider stellte Zelte zur Verfügung, die Grill, Küche und Schänke zunächst Schatten, dann Regenschutz spendeten. Nachdem der Regen kurz nach 13 Uhr einsetzte, dauerte es gefühlte fünf Minuten, bis Musiker und Besucher in die bestuhlte Halle umgezogen waren. Eine logistisch einwandfreie Leistung der Festplaner.
Viele nutzten die trockenen Momente der Mittagszeit zu einem Streifzug durch die Auslagen der etwa 20 Flohmarkt-Stände. Manche Raritäten, aber in Summe mehr geliebter Ramsch wurden feilgeboten – und auch erstanden. Zu Marsch- und Polkaklängen wurde gefeilscht und gehandelt. Ob das die Laune der Verkäufer gehoben und die Preise gesenkt hat, sei dahingestellt. Auf alle Fälle haben Kuschelpolka und der ein oder andere derbe Witz der ersten Gastmusiker aus Unadingen für viel Unterhaltung zum Mittagstisch gesorgt. Anhaltendes Schunkeln und Klatschen brachte manch Steak und Wurst auf den Tellern zum Hüpfen oder verhalf kraftlosen Schaumkronen in den Biergläsern zu neuem Leben.
„Wir sind schon drei Jahre einen Gegenbesuch in Herdwangen schuldig und jetzt sehr gerne hier“, freute sich Stefan Kramer, Vorsitzender des Musikvereins Unadingen, dem preisgekrönten „Geraniendorf“ im Schwarzwald. Die Vereinskollegen aus Otterswang sorgten im Anschluss für die musikalische Untermalung zu Kaffee und Kuchen – und offensichtlich zu gutem Umsatz: Um 15.30 Uhr waren über 40 Torten und Kuchen der „Griebaschmalzweible“ ausverkauft. Die Mädchen der Narrengruppe Silberschweiß bespaßten die Kinder mit Schminken und einer Mohrenkopfschleuder. Letztere schleuderte die sahnegefüllten Schoko-Bömbchen eher mal ins Auge statt in die weit aufgerissenen Münder.
„Ein Fest steht und fällt mit dem Wetter“, erzählte Reiner Schmid ganz entspannt beim ersten Nieselregen. Schließlich weiß der als „Präsi“ betiltete Sprecher des Dreier-Führungsteams der Eselohren, dass sich die Herdwanger auch bei feuchtem Außenklima nicht vom Feiern abhalten lassen. Außerdem entpuppte sich der Schauer nicht als so ausdauernd wie die Feierlust der Herdwanger. So saßen ab 17 Uhr wieder einige der Festbesucher auf den Bierbänken. Der Herdwanger Musikverein begleitete die Feierlaunigen in den Abend bevor die „Heuwagen Combo“ dabei half, die tagsüber zugeführten Kalorien auf der Tanzfläche taktvoll zu bekämpfen.