Erst am Montag hatte Ralph Gerster die Rathausschlüssel offiziell in Empfang genommen. Gestern, beim Sturm der Narren auf das Rathaus, musste er sie wieder abgeben. Hubert Baur vom Elferrat sprach gar von der „wohl kürzesten Amtszeit der Kommunal-Geschichte“. Vor der Entmachtung stand zunächst die Vereidigung nach Narrenbrauch an. So schwor der neue Rathauschef, genötigt vor gut 150 Feierlustigen Zeugen im Narrenkeller des Rathauses, bei den anstehenden Generalversammlungen anwesender Vereine Freibier mitzubringen, sie zu achten und zu ehren, bei allen Mitglied zu werden und sie immer finanziell zu unterstützen. Zur Bekräftigung des Schwurs wurde gemeinsam die erste Strophe des Badenerlieds intoniert.
Dann war es soweit: „Nun wollen wir regieren dieses Haus“, kündigte Konrad Jäger die Entmachtung an. „Deine Arbeit werden wir beobachten mit Adleraugen, das kannst du uns beileibe glauben, und wehe dir, wir finden was, dann hast nächstes Jahr nicht du, sondern wir unseren Spaß“, drohte der Expräsidenten der Eselohren lachend weiter.
Werner Möhrle schlug „Bruder Ralph“ vor den Augen von Edelleuten und gemeinem Volk zum Knappen. Der Präsident der Dreizipfelritter ermahnte den neuen Rathauschef, Humor und Geselligkeit zu pflegen sowie den Most und Schnaps nie zu verschmähen. Möhrle riet dem neuen Knappen weiter, sich unter die Narrenschar zu mischen und den 100- Tage-Bürgermeister Markus Blender mitzunehmen, „nicht, dass dieser in deiner Abwesenheit wieder die Macht an sich reißt“.
Markus Glöckler kam mit Berggeistern und Apfelweible und lies die „Puppen“ und den abgesetzten Bürgermeister tanzen und singen. Ganz quadratisch, närrisch, gut regten die Aftholderberger unter schallendem Gelächter an, Gerster möge doch den Bauplatz in der Lindenstraße sparen und eine Wohngemeinschaft mit Ellen Riebsamen in Erwägung ziehen, die nun sehr viel Platz im Hause hätte.
„Do sitzt ma im Büro und denkt, was isch los, des send nur die Narra, sagt Moni Joos“, machte sich Ralph Gerster seinen Reim auf das Narrenspektakel. „Oh ihr Narra, was glaubet ihr au, hr ziaht mi oifach durch dr Kakao“, wehrte er sich zunächst. Doch letztlich ergab sich der neue Rathauschef, der als Hausmeister mit Putzkolonnen-Team verkleidet optisch das Fasnachtsmotto im Rathaus „neue Besen kehren gut“ unterstrich. „Auch meine Rathausputzen sollen diese Feier nutzen“, gestand er dem Team zu und sagte schmunzelnd in die Narrenschar: „Doch heute ist nicht alle Tage, ich komm' wieder, keine Frage.“
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