Etwa 80 Bürger kamen in die Bundschuhhalle, um sich mit dem Leben im Alter zu befassen. Bei der Auftaktveranstaltung zur Fortschreibung des Seniorenkonzepts verdeutlichte Bürgermeister Ralph Gerster mit eindrucksvollen Grafiken den demographischen Wandel in der Gemeinde. „Sie können sehen, dass in Zukunft die größte Bevölkerungsgruppe in unserer Gemeinde die Gruppe der 65- bis 70-Jährigen sein wird“, erläuterte Gerster seine Darstellungen. „Die Gemeinde liegt an der Spitze bei den 40- bis 65-Jährigen in Baden-Württemberg“, ergänzte Peter Beck von der Vinzenz von Paul Service GmbH. Das kirchliche Unternehmen berät Städte und Gemeinden bei der Erstellung von Seniorenkonzepten. Beck ging in seinem Vortrag ausführlich auf die Auswirkungen des Wandels ein, insbesondere auf den Wegzug der Menschen aus dem ländlichen Raum.„Der ländliche Raum blutet regelrecht aus“, so Beck. Auch die Vereinsamung spiele nach seinen Worten eine große Rolle: „Die Vereinsamung ist die größte Sorge unserer Wohlstandsgesellschaft.“
Den demographischen Wandel erkannte die Gemeinde auch schon im Jahr 2005 unter dem damaligen Bürgermeister Lothar Riebsamen. Zwei Jahre lang erarbeitete eine Arbeitsgruppe ein Seniorenkonzept. Als Ergebnis entstand unter anderem die Bürgerstiftung Miteinander-Füreinander. Auch ein ambulant betreutes und gemeinschaftliches Wohnen wurde konzipiert und geplant, jedoch mangels öffentlicher Mittel nie umgesetzt.
Nun soll das Konzept fortgeschrieben werden. Grund dafür seien neue Rahmenbedingungen, berichteten Gerster und Beck unisono. „Das Netz der häuslichen Demenzbetreuung und der Tagesbetreuungsgruppen soll erweitert werden“, so Gerster. Laut Beck seien vor allem die neuen Leistungen im Bereich der betreuten, ambulanten und kleinräumigen Wohnformen für die Gemeinde interessant. Genau dieser Punkt konnte 2007 nicht umgesetzt werden. Mit dem neuen Konzept sollen laut Gerster Informationen zu veränderten Angeboten zugänglich gemacht werden, die Standortfrage für ein Senioren- und Gemeinschaftsprojekt überprüft sowie ein funktionierendes Netzwerk zur häuslichen Unterstützung geschaffen werden. Zentrales Ziel sei es, älteren Mitbürgern einen möglichst langen Verbleib im vertrauten Wohnumfeld zu ermöglichen. Im Mittelpunkt des Prozesses steht die Bürgerbeteiligung. In drei Arbeitsgruppen können die Bürger Vorschläge für Verwaltung und Gemeinderat ausarbeiten.
Am 4. Oktober befasst sich eine Arbeitsgruppe mit den neuen Wohn- und Lebensformen.
Um bürgerliches Engagement und soziale Netzwerke geht es in der zweiten Arbeitsgruppe am 8. Oktober.
Die Infrastruktur ist Thema am 10. Oktober.
Beck möchte dabei lediglich den fachlichen Impuls geben, die Ideen sollen von den Bürgern kommen. Das sieht auch die Gemeindeverwaltung so. „Ein solches Projekt kann nur mit breiter Bürgerbeteiligung gelingen“, so Gerster. Anschließend wertet der Gemeinderat die Ergebnisse aus und zieht die politischen Konsequenzen daraus. Erste greifbare Ergebnisse sind schon im Januar 2013 zu erwarten. „Das Konzept soll keine langfristige Vision sein“, erläutert Gerster bezugnehmend auf die Zeitrahmen. Zunächst sind jedoch die Bürger am Zug.
