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Herdwangen-Schönach Doppelnutzung-Pilotprojekt soll 2016 starten

In Heggelbach soll ein marktfähiges Agro-Fotovoltaik-Produkt entwickelt werden. Ziel des Projekts ist eine ressourceneffiziente Landnutzung.

Das Forschungsprojekt, das in Heggelbach auf den Weg gebracht wurde und voraussichtlich im September 2016 an den Start gehen wird, ist in seiner Art einmalig in Deutschland. Ziel ist es, auf dem Sektor erneuerbarer Energien ein marktfähiges, wirtschaftliches Agro-Fotovoltaik-Produkt zu entwickeln. Die Gemeinde Herdwangen-Schönach und das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme hatten nach Herdwangen eingeladen, um interessierte Bürger über das Vorhaben zu informieren.

Rund 30 Zuhörer erfuhren in der Bundschuhhalle, was es mit dem Agro-Fotovoltaik-Projekt auf sich hat. Wie Projektleiter Stephan Schindele ausführte, leistet die Doppelnutzung von Fläche zur Nahrungsmittelproduktion und Stromgewinnung einen Beitrag zur ressourceneffizienten Landnutzung. Das Motto lautet „Landwirtschaft unter Fotovoltaik“ – und „unter“ ist hier wörtlich zu nehmen. Denn unter aufgeständerten Solar-Modulen werden die Heggelbacher Landwirte den Acker weiter nutzen. Kleegras, Kartoffeln, Weizen und Sellerie sind zum Anbau vorgesehen. Die 190 kWp-Anlage wird 130 Meter lang, 40 Meter breit und etwa sieben Meter hoch. Der Reihenabstand zwischen den Solarmodulen beträgt vier Meter. Daneben wird ein Vergleichsfeld unter gleichen Bedingungen, aber ohne Fotovoltaik bewirtschaftet. Für das Projekt steht ein Budget in Höhe von 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Mit 2,8 Millionen Euro fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung das Projekt. Die restliche Summe wird finanziert durch die Projektpartner BayWa, Hofgemeinschaft Heggelbach und EWS (Elektrizitätswerke Schönau).

Meinungsaustausch und Dialog

Das Forschungsprojekt ist auf fünf Jahre angelegt. Wenn sich die Technologie bewährt, soll die Anlage mindestens 20 Jahre in Betrieb bleiben. Der erzeugte Sonnenstrom wird zunächst den Eigenbedarf in Heggelbach decken und auch Gehöfte in der Nähe mit Strom versorgen. Auf Anfrage eines Zuhörers sagte Schindele, dass es angedacht ist, die Module aus deutscher Produktion von der Firma Solarworld in Bonn zu beziehen. Jetzt muss der Flächennutzungsplan geändert und ein Bebauungsplan aufgestellt werden, sodass auch der Gemeinderat involviert ist.

Bernadette Siemensmeyer vom Büro 365 aus Überlingen erläuterte beim Informationsabend die wichtigen Punkte. Begleitet wird das Agro-PV-Projekt außerdem von der Universität Hohenheim. Für den Arbeitsschwerpunkt Agrarwissenschaft ist Petra Högy zuständig, die beim Info-Abend für Fragen aus der Bevölkerung zur Verfügung stand. Hohenheim erforscht beispielsweise die Auswirkung von Verschattung auf die Fotosynthese, kontrolliert Wachstum, Qualität und Ertrag der angebauten Feldfrüchte. Auch die Auswirkungen auf Flora und Fauna im Umfeld der Anlage werden beobachtet. Was den Themenschwerpunkt Gesellschaft anbelangt, ist das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) mit Stefanie Seitz im Boot. Unlängst wurden über 2000 Bürger angeschrieben, ob sie Interesse an einer Bürgerbeteiligung haben. Die erste Bürgerwerkstatt mit rund 40 Teilnehmern findet kommende Woche statt. „Es geht um Meinungsaustausch und Dialog, auf das Genehmigungsverfahren haben die Bürgerwerkstätten keinen Einfluss“, erklärte Seitz.

 

Das Projekt

Das Fraunhofer ISE mit Sitz in Freiburg ist mit rund 1200 Mitarbeitern das größte Solarforschungsinstitut Europas. Es erforscht technische Voraussetzungen für eine effiziente und umweltfreundliche Energieversorgung. Ein Agro-Fotovoltaik-Projekt, wie es in der Gemeinde Herdwangen-Schönach realisiert werden soll, ist in Deutschland so noch nicht da gewesen. International gibt es vergleichbare Anlagen in Frankreich an der Universität Montpellier und in Japan. In Italien wurde 2011 eine Anlage in Betrieb genommen, die fast 40 Mal so groß ist wie die in Heggelbach geplante. (kaj)

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