Königinnen der Antike haben darin gebadet und die Steppenvölker haben daraus "Kumys", einen vergorenen Milchwein gemacht, der als Volksnahrung diente, gegen Tuberkulose schützte und bei vielen anderen Krankheiten half. Gemeint ist die Stutenmilch. Die findet man allerdings nicht beim Discounter um die Ecke und auch beim Milchwerk wird man auf Nachfrage nur Kopfschütteln ernten.
Das gilt nicht für das Gestüt Gut Gründelbuch bei Buchheim. Denn dort gibt es tatsächlich jeden Tag frische Stutenmilch. Zumindest, so lange die Haflinger-Stuten gemolken werden, die in den Stallungen am Rande des Oberen Donautals stehen.
Die beiden Diplomagrar-Biologen Angela Küttner und Roland Hördt-Küttner betreiben dort den ersten Bioland-Stutenmilchbetrieb Deutschlands. Seit über zwanzig Jahren produzieren sie die qualitativ hochwertige Milch. "So ganz stimmt das allerdings nicht", schmunzelt Angela. "Produzieren tun die Stuten die Milch. Wir verarbeiten sie nur weiter."
Weiterverarbeiten bedeutet filtern, abpacken und einfrieren. Das geht prima, weil die Milch der Pferde einen sehr niedrigen Fettgehalt hat. Deshalb schadet das Einfrieren der Milch nicht. In handlichen Viertel-Liter-Beuteln lagert das hochwertige Produkt in Gefriertruhen, ehe es auf die Reise geht. Die Küttners verschicken die Stutenmilch nur auf Bestellung. Das geschieht mit einem Paketdienst, der eine Zustellung innerhalb von 24 Stunden garantiert. Denn frische oder aufgetaute Stutenmilch sollte möglichst bald verbraucht werden.
Stutenmilch wird immer häufiger bei Heilbehandlungen eingesetzt. Seit langem findet Stutenmilch auf Grund ihrer natürlichen Wirkstoffe auch in der Herstellung von Kosmetika Verwendung. Sie enthält etwa ein Prozent Fett, sechs Prozent Milchzucker (Laktose), zwei Prozent Eiweiß (unter anderem Albumin/ Globulin), 0,3 Prozent Mengen- und Spurenelemente sowie Vitamine und Enzyme. "Ein absolut hochwertiges Produkt", sagen die Küttners. Stutenmilch wird nicht ganzjährig gemolken, von Dezember bis zum Abfohlen im Frühjahr ist Pause. Dank des Einfrierens steht die Milch jedoch ganzjährig für die Kunden zur Verfügung. Vier bis fünf Liter Pro Tag können abgemolken werden. Diese Menge verteilt sich aber auf drei bis vier Melkgänge. "Melken, filtern, abpacken, einfrieren", lautet dann der Arbeitsablauf.
Im Gegensatz zur Kuh, wo die Kälber oft keine Muttermilch, sondern einen Milchaustauscher bekommen, können die Fohlen von morgens bis abends an ihrer Mutter "nuckeln". Etwa 75 mal pro Tag geht der Nachwuchs ans Euter. Für den Laien kaum zu glauben: Erst wenn die Mutter ihre Fohlen in der Nähe weiß, schießt die Milch ein. Dann kann die Milch ganz herkömmlich mit Hilfe einer Maschine abgemolken wird.
Der Aufwand, bis die Milch in der Gefriertruhe liegt, ist riesig - und die hygienischen und Bioland-Vorschriften sind streng. Peinlichste Sauberkeit muss in der Milchküche herrschen. Darin unterscheiden sich die Küttners nicht von einem Vorzugsmilchbauern. Nur das Produkt ist wirklich was Besonderes - und dementsprechend teuer. 3,20 Euro kostet ein Viertelliter. "Reich werden kann man damit aber nicht", sagt Roland und legt Hand an das Euter von Haflingerstute Linse. Dafür gibt es jede Menge Arbeit. Denn die Pferde bekommen nur selbst angebautes Futter. Hafer sehen die Stuten nur, wenn es ans Melken geht.
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