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12.06.2012  |  von  |  0 Kommentare

Bingen Das Mittelalter hat viele Freunde

Bingen -  „Eigentlich wäre es mir am liebsten, wenn Hornstein wieder so aussehen würde wie vor dem Verkauf“, sagt Marc Przykutta, der zusammen mit seiner Frau Nicole („90 Prozent der Arbeit macht sie“) die Belagerung der Ruine Hornstein organisiert hat. „Das wird wohl schwierig, da müssen wir wohl noch etwas Geld zusammenkratzen“, dämpft Hans Christoph Freiherr von Hornstein die Erwartungen.

Ein besonderes Schauspiel mit strengen Regeln: Wenn die Ritter mit dem Schwert aufeinander losgehen, dann möchte so mancherBesucher auf Hornstein selbst zur Waffe greifen. Doch Schwertkampf, das ist nichts für Anfänger.  Bild: Fahlbusch

Freiherr von Hornstein „Cedric of Pembroke“ (von links) – zwei Welten im Burghof.

Kämpfen macht müde: Jetzt erst mal „Speys und Gesöff“.



Ihm gehört die Ruine. Schon vor vielen Jahren hat er sie dem Förderverein Ruine Hornstein zur Nutzung überlassen. „Vor dem Verkauf“, das war 1787, als die Hornsteiner die Burg an die Hohenzollern verkauften. Die machten dann eine Strafanstalt daraus. 1873 wurde die Anlage zum Abbruch verkauft. Mittlerweile ist die Anlage wieder im Besitz der Hornsteiner und dass der Förderverein ganze Arbeit geleistet hat, das konnte man am Wochenende wieder eindrucksvoll erleben. Vorsitzender Rainer Brückner und seine Helfer hatten jede Menge zu tun, um für die riesige Besucherzahl genügend „Speys und Gesöff“ zu sorgen. Doch für die Organisation braucht man Leute wie die Przykuttas, die sich nicht nur für das Mittelalter interessieren, sondern es auch selbst immer wieder für einige Tage leben.

Der 36-jährige Marc war vor sieben Jahren erstmals als Besucher bei der Belagerung. Und das hat ihm so gefallen, dass jetzt die komplette Familie immer wieder eine Zeitreise ins Mittelalter macht. Vor drei Jahren zogen die Przykuttas beruflich bedingt nach UIm – doch der Ruine sind sie treu geblieben. Als die große Belagerung mangels Organisator auf der Kippe stand, da sprangen sie in die Bresche. Denn: „So eine tolle Sache darf man nicht sterben lassen“, sagt Marc, die auch mal ein Kettenhemd trägt. Und weil er schon im Afghanistan-Einsatz und mit der mehrere Kilogramm schweren Schutzweste im Einsatz war, hat er große Achtung vor der körperlichen Leistung der Kreuzritter, die in Palästina gegen die wesentlich leichter bekleideten Saraszenen gekämpft haben.

Die haben ihre berühmten Schwerter übrigens in glühendem Zustand durch einen Sklaven getrieben, weil das Blut und das Körperfett den Stahl konserviert haben. Marc nimmt Schweinefett. Und wenn er Zahnschmerzen hat, dann geht er zum Zahnarzt. „Früher machte das der Barbier. Der hat den Zahn einfach rausgerissen“, lacht der hauptberufliche Buchhalter, der sich an Mittelalterwochenenden „Cedric of Pembroke“ nennt. Den hat es in Wirklichkeit nie gegeben. Der Mann mit dem Schwert will aber keine Urheberrechtsklage am Hals haben, denn so etwas kann das Hobby ganz schon vermiesen. Marc und seine Familie sind keine Hardcore-Mittelalterleute. „Das Authentische mit dem Praktischen kombinieren“, lautet die Devise. Das gilt auch für das Essen. Deshalb bekommen seine Kinder auch kein in Bier eingeweichtes Brot zum Frühstück.

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