Beuron Mit Esel und Hund gegen den Luchs

Noch liegt keine offizielle Bestätigung aus Stuttgart vor, aber auch der Luchs-Beauftragte der Kreisjägervereinigung geht davon aus, dass der Luchs "Friedl" eindeutig als Verursacher des zweiten Risses am 21. April in Beuron-Thiergarten verantwortlich ist. Bereits in der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr hatte "Friedl" in Leibertingen mehrere Schafe und Ziegen gerissen. Wie stehen die beiden Schafhalter nun zu der Frage, wie man mit dem Luchs umgehen soll. Sprechen sie das Wort für die Bejagung?

Zur Beantwortung dieser Frage ist zunächst ein Blick auf die beiden Schafhalter und ihre völlig unterschiedlichen Hintergründe wichtig. Alois Klett aus Beuron-Neidingen führt die Schafhalterei als professionellen Betrieb. Das bedeutet, die Schafe werden geschlachtet, das Fleisch verkauft. Anders bei Carsten Weber und Julianna Ranzmeyer vom Distelhummelhof in Leibertingen. Sie haben ihr Anwesen zu einem Archehof erklärt, auf dem vom Aussterben bedrohte Haustierrassen gehalten und gezüchtet werden. Dazu gehören neben den Schafen und Ziegen auch Pferde, Esel und einige Kühe, die hier ihr Gnadenbrot bekommen. Die Schafe werden allerdings auch kommerziell eingesetzt. Ihre Rolle besteht darin, auf Naturschutzflächen als lebende Rasenmäher zu arbeiten. Eines der Prinzipien auf dem Archehof ist, dass kein Tier geschlachtet werden darf.

Alois Klett vertritt die Meinung, dass zumindest Luchs "Friedl" gejagt werden sollte. Er befürchtet sonst weitere Überfälle auf seine Herden, zu denen derzeit 350 Tiere gehören. Anders Ranzmeyer und Weber vom Distelhummelhof. Sie lehnen eine Bejagung der Luchse ab. Aber auch sie sehen, dass der Luchs gefährlich für ihre Schafe werden kann.

Carsten Weber tritt deshalb für die Lockerung der "Hundeschutzverordnung" ein. Sie mache durch ihre Vorschriften die Haltung spezieller Herdenschutzhunde in der Praxis unmöglich. Julianna Ranzmeyer: "So ein Hund kann es erfolgreich mit einem Luchs, aber auch mit einem Wolf aufnehmen." In der Schweiz beispielsweise werden solche Hunde eingesetzt. In Deutschland und speziell in Baden-Württemberg macht die Hundeschutzverordnung diesen Einsatz unmöglich. Das bestätigte schon vor einiger Zeit der Staatssekretär im Stuttgarter Umweltministerium Dr. Andre Baumann im SÜDKURIER-Gespräch: "Das Umweltministerium wäre mit einer Lockerung einverstanden, das CDU-geführte Ministerium für den Ländlichen Raum ist allerdings dagegen." Unterdessen werben Julianna Ranzmeyer und Carsten Weber für eine Online-Petition, mit deren Hilfe eine Lockerung der Bestimmungen erreicht werden sollte. Unter anderem geht es darum, dass derzeit keine Versicherung bereit ist, Policen für die Halter von Herdenschutzhunden zu vergeben.

Im Grunde gefällt Alois Klett das Ansinnen: "Ich hatte selbst schon einen Herdenschutzhund. Die Haltung dieser Tiere ist sehr aufwendig. Ich hatte schon einen solchen Hund, möchte aber in meinem Betrieb aufgrund des Aufwandes keinen mehr haben."

Der Beuroner setzt aber auch jetzt schon auf tierische Hilfe. Er hält die drei Jahre alte Eselstute Lilly für durchaus in der Lage, der räuberischen Großkatze mit einem gezielten Hieb mit der Hinterhand den Appetit auf frisches Lamm- oder Schaffleisch zu nehmen. Außerdem bringt er jede Nacht um den mobilen Pferch in der Natur rot leuchtende Blinklichter an. Auch sie sollen den Luchs fernhalten.

 

Online-Petition zu Herdenschutzhunden

Julianna Ranzmeyer und Carsten Weber vom Distelhummelhof in Leibertingen sind Initiatoren einer Online-Petition, mit deren Hilfe eine Lockerung der Bestimmungen für den Einsatz von Herdenschutzhunden erreicht werden sollte.

Die Petition richtet sich an den Bundestag. Es geht um die "Tierschutz-Hundeverordnung", speziell darum, dass die Bestimmungen so weit geändert werden, dass unter bestimmten Voraussetzungen Herdenschutzhunde zum Schutz von Weidetieren eingesetzt werden können. Es geht dabei vorwiegend um den Schutz vor Wölfen, betrifft aber auch Luchse. Derzeit ist es beispielsweise verboten, dass sich Herdenschutzhunde innerhalb es Elektrozauns aufhalten. Wer sich an der Petition beteiligen möchte, findet weitere Details unter https://epetitionen.bundestag.de. Die Petition hat die Nummer 71176.

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