Beuron Manager, Geld und das Streben nach Anerkennung
13.12.2008
Macht Geld süchtig? Die 17. Beuroner Tage für Fragen der Wirtschaftsethik untersuchten dieses aktuelle Thema unter der Leitung von Bruder Jakobus Kaffanke und Petra Sonne-Neubacher. Einführend erläuterte Sonne-Neubacher das Streben des Menschen nach Geld aufgrund seiner unterschiedlichen Bedürfnisse, die im modernen Wirtschaftssystem meist auf dem Weg über Geld als Tauschmittel gedeckt werden. Im Mittelpunkt der Betrachtung stand der (angestellte) Manager, der einerseits nach gesellschaftlicher Anerkennung strebt und andererseits dem Druck der Eigentümer und der Börse ausgesetzt ist. Die Analyse der möglichen Folgen seines Schaffens, wenn entsprechenden Anreizen nachgegeben wird, bis hin zur Gefährdung der Existenz des Unternehmens, führte zu dem Ergebnis, dass auf Langfristigkeit angelegtes Wirtschaften neben unternehmerischem Denken Solidarität mit den Abhängigen und dem gesellschaftlichen Umfeld, Rückgrat und eigene Mäßigung voraussetzt.
Klaus Bockslaff betrachtete die Frage vom juristischen Standpunkt. Die Grundlage des Geldmarktes sei das Vertrauen in die Leistungsbereitschaft des Schuldners. Die momentane Finanzkrise hat dieses Vertrauen zerstört und paralysiert damit die gesamte Weltwirtschaft. Den Funktionen des Zinses als Weg zur persönlichen Geldvermehrung stellte Dr. Bockslaff das Geldsystem des Islam gegenüber, in dem Zinsen verboten sind.
Oft wird der Ruf laut, der Gesetzgeber solle juristische Grenzen setzen um zukünftige Finanz- und in der Folge Wirtschaftskrisen zu verhindern. Dabei existieren die entsprechenden Gesetze schon längst. Sie werden aber selten in vollem Umfang angewandt.
Christian Weisbach stellte die Frage „Wie viel ist genug?“ aus psychologischer Sicht. Geld an sich macht nicht süchtig, sondern wirkt indirekt über andere Süchte wie der Kaufsucht – vier Millionen Menschen in Deutschland sind wegen Kaufsucht in Behandlung – oder der Sucht nach Anerkennung. Süchte haben ihren Ursprung jeweils in Verhalten, das kurzfristig über belastende Situationen hinweg hilft. Stoffe oder Handlungen aktivieren die Belohnungszentren im Gehirn und man fühlt sich wieder wohl. Zur Sucht wird das jeweilige Verhalten, wenn der Betreffende die Ausführung nicht mehr willentlich beeinflussen kann – er ist abhängig geworden.
Sucht kann eine genetische Komponente haben, ist oft Folge traumatischer Erfahrungen im Kindesalter (Liebesentzug, Trennungsschmerz) und kann durch das soziale Umfeld begünstigt werden. Externe Risikofaktoren sind Verfügbarkeit der Suchtmittel und gesellschaftliche Akzeptanz – die ja beim Geld gegeben sind – sowie Angst oder Stress.
Zum Abschluss der Vortragsfolge ging Bruder Jakobus zurück zu den Quellen des Mönchtums. Er interpretierte die Phylagyria – die Geldgier, das dritte Laster in den Hauptsünden des Evagrius Ponticus, eines der frühen Wüstenväter des christlichen Mönchtums (etwa 345 bis 399): „Die Geldgier ist die Wurzel aller Übel und nährt wie böse Zweige die übrigen Leidenschaften; ...der Vielbegüterte wird von seinen Sorgen überschwemmt.“ – entsprechend der Forderung des Evangelisten Lukas: „Gebt acht, hütet Euch vor jeder Art von Habgier..“ (Lukas 12, 15) bzw. in der Formulierung Martin Luthers: „Seht zu und hütet Euch vor aller Habgier, denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“.
In den sich an die Vorträge anschließenden Diskussionen und Gesprächskreisen ergab sich Folgendes: Für Manager ist der Wunsch nach mehr Geld in der Regel ein Luxusproblem. Geld wird vor allem deshalb so wichtig, weil es an die Stelle anderer Belohnungen getreten ist. Daher gilt es einerseits, die entsprechenden Strukturen anzupassen und andererseits schon in der Ausbildung angehender Manager mehr Wert auf ethische Verhaltensnormen zu legen.
