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Beuron Machtkämpfe und Gründung des Klosters Beuron

Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf hält einen Vortrag in der Erzabtei Beuron.

Wie kam es 1863 überhaupt dazu, dass die Gebrüder Maurus und Placidus Wolter das seit 1802 leer-stehende Augustiner-Kloster Beuron mit einem Benediktiner-Orden wieder zum Leben erwecken konnten? Mit dieser Frage beschäftigt sich der Münsteraner Kirchenhistoriker und Fachbuchautor Professor Hubert Wolf. Er verfasste das Sachbuch „Die Nonnen von Sant Ambrogio“. Zu seinem Referat im Kloster Beuron konnten die Mönche einen vollen Vortragssaal verbuchen.

Die Geschichte, die der Professor vortrug, hätte alle Zutaten für einen spannenden Kinofilm – einen Mordanschlag, Sex, Intrigen und innerkirchliche Machtkämpfe. Der große Rahmen für diese Geschichte ist der Kampf von Teilen der katholischen Kirche gegen die Aufklärung und das neue wissenschaftliche Denken in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Schon damals standen sich liberale Theologen und erzkonservative Gelehrte gegenüber. Außerdem ist, wie Hubert Wolf in einem SÜDKURIER-Gespräch betonte, zu berücksichtigen, dass es damals noch einen selbstständigen Kirchenstaat gab. Das bedeutet, dass die Inquisition damals nicht nur Glaubensdinge sondern auch über ganz gewöhnliche Kriminalfälle zu entscheiden hatte.

Fürstin Katharina von Hohenzollern stand zwischen beiden Fronten. Der Kirchenhistoriker bezweifelt, ob sich die Sigmaringer Fürstin dieser Rolle bewusst war. Ihr Beichtvater, ein Jesuit, gehörte zu den Erzkonservativen, die Gebrüder Wolter zu den Reformern. Auf Anraten ihres Beichtvaters kam die Fürstin in das Kloster Sant Ambrogio. Diese Abtei spielte damals eine obskure Rolle. Es wurde eine lebendige Heilige verehrt. Die Macht in diesem Kloster beruhte auf „Himmelsbriefen“. Wolf: „Unter dem Altar war eine Holzkiste. Darin wurden Briefe an die Heilige Maria eingelegt und anderntags deren Antwortbriefe aus dem Himmel entnommen.“

Doch nicht genug damit. Es gab sexuelle Kontakte zwischen der Geistlichkeit und den Nonnen und lesbische Initiationsriten. Dazu kam die Verehrung einer Lebenden als Heilige. Fürstin Katharina wollte dieses Treiben an die Inquisition melden. Den folgenden Mordanschlag überlebte sie nur mit viel Glück. In dieser Zeit kamen die Kontakte mit den Wolters zustande.

Der Papst war mit dem Inquisitationsprozess nicht einverstanden, zumal er sich ebenfalls der Vereinnahmung durch Liberale und Ultrakonservative gegenüber sah. Um den Prozess so unspektakulär wie möglich zu machen, schickte er zunächst die Fürstin und die Wolters zu einer Pilgerreise ins Heilige Land. Als die Gruppe wieder in Rom war, erinnerte sich der Papst an den Wunsch der Drei, in Süddeutschland wieder ein Männerkloster zu gründen. Damit waren die Hauptzeugin und die Reformmönche wieder außerhalb von Rom. Wolf erklärte: „Vor diesem geschichtlichen Rahmen muss die Wiedergründung Beurons gesehen werden. Zehn Jahre früher oder später hätte es die Wiedergründung nicht gegeben.“

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