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Beuron Junger Erzabt in alter Tradition

Auf ein Wort mit … Benediktiner-Mönch Tutilo Burger vom Kloster Beuron

SÜDKURIER-Mitarbeiter Hermann-Peter Steinmüller (links) im Gespräch mit dem neuen Erzabt vom Kloster Beuron, Tutilo Burger.
SÜDKURIER-Mitarbeiter Hermann-Peter Steinmüller (links) im Gespräch mit dem neuen Erzabt vom Kloster Beuron, Tutilo Burger. | Bild: Steinmüller

Auf ein Wort mit…

Benediktiner-Mönch Tutilo Burger. Er ist seit dem 7. September der elfte Erzabt der Mönchsgemeinschaft im Kloster Beuron.

Herr Erzabt, angesichts des hohen Durchschnittsalters ihrer Mitbrüder sind Sie mit 46 Jahren noch relativ jung. Macht Ihnen das in Ihrem Alltag als Leiter dieses Klosters Probleme?

Sie haben Recht. Der Altersdurchschnitt in unserer Abtei liegt bei 61 Jahren. Ich gehöre seit 1986 zum Kloster Beuron. An der Berufsakademie in Ravensburg habe ich als Mönch Betriebswirtschaft studiert, bevor ich 1997 als Cellerar die Verantwortung für die Finanzen unseres Gemeinwesens übernommen habe. Seit 2001 war ich zusätzlich als Prior Stellvertreter des Abtes. In beiden Funktionen ist es mir wohl gelungen, den Respekt und das Vertrauen meiner Mitbrüder zu erhalten.

Der Benediktiner-Orden ist rund 1500 Jahre alt und mit einer Fülle von geistlicher Tradition versehen. Was bedeutet diese Tradition für Sie und Ihre Arbeit?

Für mich ist die Gegenwart die eigentliche Herausforderung. Die Tradition im geistlichen Sinn empfinde ich nicht als Belastung, sondern als echte Orientierungshilfe bei der Bewältigung der Aufgaben am Beginn des 21. Jahrhunderts.

Was sind die Alltagsaufgaben eines Abtes?

Als Abt, oder, wie der Beuroner Ehrentitel heißt, als Erzabt ist es meine wichtigste Aufgabe Seelsorger, Ansprechpartner und damit geistlicher Vater meiner Mitbrüder zu sein. Von gewissen organisatorischen Alltagsaufgaben, um die ich mich als Cellerar und Prior noch kümmern musste, bin ich jetzt befreit.

Kann man sich Erzabt Tutilo als völlig los gelöst vom organisatorischen Alltag vorstellen?

Nein, so ist es nicht. Mein PC in den Amtsräumen des Abtes hat natürlich eine Vernetzung zum Buchhaltungsprogramm. Außerdem sorgen die wöchentlichen und monatlichen Lagebesprechungen mit dem Prior, Subprior und dem Ältestenrat dafür, dass sich der Erzabt nicht vom Boden der Realität löst.

Können Sie sich jetzt mehr mit theologischen Fragen beschäftigen?

Das hoffe ich sehr. Es kann aber nur einer, wenngleich wichtiger Aspekt meiner Arbeit sein.

Mit was für praktischen Alltagsfragen muss sich der Beuroner Erzabt beschäftigen?

Nehmen wir unseren Spüldienst. Wir haben eine große Spülmaschine, die allerdings von drei Mitbrüdern bedient werden muss. Wir haben uns jetzt ganz aktuell darauf geeinigt, dass wir alle zwei Tage ein neues Team aus jeweils drei Mitbrüdern bilden.

Welchen Anteil kann das Kloster Beuron zum Fremdenverkehr im Donautal beitragen?

Ganz zweifellos gehören wir ins Donautal und können und wollen uns nicht von den Bemühungen abkoppeln, als Ferien- und Ausflugsziel attraktiver zu werden. Ganz konkret werden wir vom Kloster aus in Zukunft Kirchenführungen anbieten, die professioneller organisiert sein werden als bisher. Was wir in Beuron bräuchten wäre ein Informationszentrum über das Kloster und das Donautal. Deswegen finde ich es persönlich schade, dass das Projekt mit dem alten Schulhaus derzeit nicht weiter verfolgt wird.

Hat das Kloster Beuron angesichts der Nachwuchssituation Aussicht in 50 oder 100 Jahren noch zu bestehen?

In 50 Jahren sicherlich noch, in 100 Jahren kann ich nicht sagen, weil ich kein Hellseher bin. Um das Kloster Beuron im heutigen Umfang dauerhaft weiterführen zu können, bräuchten wir jedes Jahr ein oder zwei Neueintritte. Der bislang letzte Neueintritt war vor drei Jahren.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Mitbrüdern ein frohes Weihnachtsfest.

Für Sie und die Leser des SÜDKURIER ebenfalls eine besinnliche Advents- und gesegnete Weihnachtszeit!

Hermann-Peter Seinmüller

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