Beuron Geplanter Kalkabbau am Mittelberg bewegt Anlieger

Ein Vortrag von Siegfried Roth, Geschäfts­führer des Geo-Parks Schwäbische Alb, zeigt: Die Arbeiten am Mittelberg bei Beuron-Thiergarten hätten auch Vorteile. Er spricht auch eine Kompromisslösung an.

Die Verzweiflung mancher Anlieger wegen des geplanten Abbaus von hochreinem Kalkmaterial am Mittelberg in Thiergarten, einem Ortsteil von Beuron, war an diesem Abend spürbar. Der BUND Sigmaringen und die "Initiative pro Mittelberg" hatten gemeinsam ins Bürgerhaus in Sigmaringen-Gutenstein eingeladen. Im Mittelpunkt stand ein Vortrag von Siegfried Roth, Geschäftsführer des Geo-Parks Schwäbische Alb. Natürlich ging es auch um den Mittelberg.

Rund 100 Zuhörer informierten sich im Bürgerhaus in Gutenstein über den Geopark Schwäbische Alb. Links Geschäftsführer Siegfried Roth. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller
Rund 100 Zuhörer informierten sich im Bürgerhaus in Gutenstein über den Geopark Schwäbische Alb. Links Geschäftsführer Siegfried Roth. Bilder: Hermann-Peter Steinmüller | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

 
Gespannt verfolgten die zahlreichen Besucher die Ausführungen des Referenten Siegfried Roth vom Geopark Schwäbische Alb.
Gespannt verfolgten die zahlreichen Besucher die Ausführungen des Referenten Siegfried Roth vom Geopark Schwäbische Alb. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Am deutlichsten formulierte Stefan Metzler seine Befürchtungen: "Ich habe neben dem alten Steinbruch gewohnt, als der noch in Betrieb war." Er habe mit dem damaligen Betreiber wegen der Beeinträchtigungen "im Zoff" gelebt und möchte so etwas nicht noch einmal erleben. Ihm sei damals gesagt worden, er hätte eben nicht in der Nähe des Steinbruchs bauen sollen. Der Thiergartener: "Ich wohne in einem ehemaligen Forsthaus, das es schon lange vor dem Steinbruch gegeben hat." Metzler ging sogar soweit zu mutmaßen, dass die Entscheidung, den Mittelberg nicht als "schützenswerten Geotop" anzuerkennen, gekauft sei.

Geopark-Geschäftsführer Siegfried Roth musste die Erwartungen dämpfen, dass über die Geotop-Schiene ein zusätzlicher Schutz für den Mittelberg erreicht werden könnte.
Geopark-Geschäftsführer Siegfried Roth musste die Erwartungen dämpfen, dass über die Geotop-Schiene ein zusätzlicher Schutz für den Mittelberg erreicht werden könnte. | Bild: Hermann-Peter Steinmüller

Unter den 148 im Landkreis Sigmaringen eingetragenen Geotopen gibt es nur einen Umlaufberg. Siegfried Roth: "Das ist leider nicht der Mittelberg, sondern der sehr gut erhaltene Umlaufberg mitten im Laucherttal zwischen Veringenstadt und Veringendorf." Geschützte Geotope dürften nicht verändert werden. Auf Nachfrage der Zuhörer konnte Roth nicht erklären, was den Laucherttalberg vom Mittelberg so unterscheidet, dass der eine einen Schutzstatus hat und der andere nicht. Auf diesen Umstand bezog sich Stefan Metzler mit seiner Wortmeldung.

Nicht generell gegen Abbau

Wer von den Gegnern der Abbaupläne gehofft hatte, im Geschäftsführer des Geoparks einen Verbündeten zu finden, sah sich enttäuscht. Siegfried Roth betonte ausdrücklich die Neutralität des Geoparks in Sachen Abbaupläne generell. Für die Geologen sind Steinbrüche zunächst nichts Negatives. Denn, so Roth, sie gewähren einen Einblick in das Gestein. Außerdem siedelten in vielen, selbst in noch aktiven, Steinbrüchen seltene Pflanzen und Vögel. Und noch ein Argument führte Roth in die Diskussion ein: "Wenn ich hochreine Kalke hier abbaue, muss ich sie nicht über weite Wege und mit viel Energieaufwand aus dem Ausland holen." Auf eine weitere Nachfrage bestätigte Siegfried Roth, dass der Mittelberg eine Kalkschicht mit einem sehr hohen Reinheitsgrad enthalte, der in dieser Qualität nicht oft anzutreffen sei.

Der Geschäftsführer warnte vor allzu großen Erwartungen, den Kalkabbau verhindern zu können. Allerdings räumte er ein, dass der Abtransport des gewonnenen Kalks über die engen Donautalstraßen ein Problem darstelle. Als mögliche Kompromisslinie schlug Siegfried Roth vor, den Abtransport mit einer Seilbahn zu prüfen.

Gerhard Stumpp ist Vorsitzender des BUND in Sigmaringen und einer der drei Sprecher der Interessengemeinschaft. Er stimmte den Argumenten Roths weitgehend zu und sagte: "Der BUND ist nicht generell gegen den Gesteins- und Kalkabbau an der Schwäbischen Alb, aber bitte nicht am Mittelberg, mitten im Natura-2000-Schutzgebiet!" Er appellierte an die Zuhörer: "Die hochreinen Kalke sind ein gutes Argument für den Abbau, wir brauchen und haben aber bessere Argumente gegen den Abbau."

Geopark und Geotope

Der Geopark "Schwäbische Alb" besteht seit Dezember 2001 und erstreckt sich über 7000 Quadratkilometer in zehn Landkreisen mit 190 Kommunen. Der Geopark unterhält seit April 2015 eine Partnerschaft mit dem Industrieverband "Bau, Steine, Erden" und arbeitet mit Natur- und Umweltschutzverbänden sowie dem Landesamt für Geologie. Siegfried Roth beschrieb die Aufgaben des Geoparks und seiner drei Mitarbeiter mit "Geotopschutz, Geobildung, Geotourismus und Regionalentwicklung". Als Geotope gelten Aufschlüsse von Gesteinen, Böden, Mineralen oder Fossilien sowie in Sonderfällen ganze natürliche Landschaftsteile wie der Donaudurchbruch bei Beuron. Im Landkreis Sigmaringen gibt es 148 Geotope, von denen 76 geschützt sind. (hps)

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