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13.07.2012  |  von  |  0 Kommentare

Volkertshausen 85 Kreuze und Wut bei den Mitarbeitern

Volkertshausen -  Die von der angekündigten Schließung der Arlen Spinnerei in Volkertshausen betroffenen Mitarbeiter und Sympathisanten versammelten sich vor den Werkstoren zu einer Informationsveranstaltung der IG Metall.

Viele Arbeitnehmer verschafften sich bei der Demonstration vor der Spinnerei in Volkertshausen ihrem Unmut über die Schließung, auch mit Transparenten.  Bild: RaGG

Diese Kreuze vor der Arlen Spinnweberei zwischen Volkertshausen und Aach sollen auf die drohende Arbeitslosigkeit von 85 Menschen aufmerksam machen. So sieht es auch der Aacher Bürgermeister Severin Graf, der hier Solidarität mit den Betroffenen zeigt.



Der Frust und die Wut über die von Neu-Eigentümer Natural Fibers Nexis angekündigte Schließung der Arlen Spinnerei sitzt bei den 85 Beschäftigten in Volkertshausen tief. Das machte die gestrige Informationsveranstaltung der Gewerkschaft IG Metall deutlich. 85 Kreuze symbolisieren die Totengräber-Stimmung. An einer Demonstration beteiligten sich die Arbeitnehmer, ihre Familien und solidarische Bürger. Alle Redner verschafften ihrem Unmut Luft und sprachen von einem „Menschen verachtenden Spiel“ mit den Beschäftigten und ihren Familien.

Mit vielen Fahnen und Spruchbändern waren die Demonstranten vor dem Verwaltungsgebäude erschienen. Nach einem lautstarken Trillerpfeifenkonzert ergriff die Betriebsratsvorsitzende Margarete Cartes das Wort: „Wir wollen uns einfach nicht so abkanzeln lassen“, rief sie unter dem Beifall ihrer Mitstreiter. Sie hofft, dass doch noch eine Beschäftigungsgesellschaft zustande kommt. Das Mindeste wäre ein Interessenausgleich und ein akzeptabler Sozialplan.

„Dies ist eine Sauerei und Menschen verachtend“, kommentierte IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Thorsten Schlicht seine Vermutung, Nexis Natural Fibers habe schon vor seiner Übernahme der Spinnerei Anfang des Jahres die Schließung ins Kalkül gezogen. Er hofft auf eine Beschäftigungsgesellschaft. Die Gegenseite habe aber bisher noch keine Zeichen erkennen lassen. Das sei reiner Kapitalismus.

Kein Blatt vor den Mund nahm der Aacher Bürgermeister Severin Graf, der auch für seinen im Urlaub befindlichen Volkertshauser Amtskollegen Alfred Mutter sprach. „Dass nach nicht einmal sieben Monaten nach der Übernahme das Aus droht, ist Absicht und Menschen verachtend. Dies ist die hässliche Fratze des Kapitalismus, den wir längst überwunden glaubten“, so Graf. Er versicherte den Arbeitnehmern und ihren Familien die Solidarität der beiden Gemeinden. Für die beiden Kirchengemeinden drückte Pfarrer Engelbert Ruf seine Bestürzung aus und bat um Gottes Segen.

„Wir waren alle geschockt. Die Stimmung ist ganz schlecht. Manche Frauen haben geweint“, so beschreibt die Betriebsratsvorsitzende Margarete Cartes gegenüber dem SÜDKURIER die Gemütslage bei der Belegschaft. Viele Mitarbeiter seien länger als 25 Jahre bei der Spinnerei beschäftigt, sie selbst 43 Jahre. „Die Hälfte der Beschäftigten ist älter als 50 Jahre, da sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sehr schwierig“, berichtet Thorsten Schlicht. Die Situation sei umso schlimmer für die Beschäftigten, da sie teilweise auf Lohn, Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichtet hätten und unentgeltliche Überstunden leisten mussten. „Bis zum Montag waren auch die Gehälter vom Juni nicht überwiesen“, so Schlicht.

„Unser Hauptziel ist es, dass die Firma von einem neuen Gesellschafter übernommen wird“, so Schlicht. „Wir wären bereit, bestehende Rahmenbedingungen zu ändern, wie bestimmte Bereiche auszulagern.“ Gebe es keine Alternative, müsse der Weg in die Beschäftigungsgesellschaft angestrebt und ein Sozialplan ausgearbeitet werden. Ein beauftragtes Wirtschaftsprüfungsinstitut habe aber leider festgestellt, dass eine Schließung kaum zu verhindern sei. Auch zeige der jetzige Eigentümer keine Bereitschaft, die Beschäftigungsgesellschaft zu finanzieren. Gestern haben Gewerkschaft, Betriebsrat und die Geschäftsführung von Nexis verhandelt.

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