Tengen Volksfeststimmung beim Windparkfest

Zur offiziellen Eröffnung des Windparks Verenafohren in Wiechs kommen rund 1500 Besucher. Die Gäste dürfen an diesem Tag eine der Anlagen von innen besichtigen.

Trotz des wechselhaften Wetters oben auf den Verenafohren ist das riesige Festzelt voll, wobei der ortsansässige Musikverein aus Wiechs am Randen mit Gassenhauern für Volksfeststimmung sorgt. Gleichzeitig harrt eine riesige Menschentraube vor dem Eingang zur beinah 200 Meter hohen Windkraftanlage aus, denn an diesem Tag besteht die Möglichkeit, das Innere des technischen Wunderwerks zu besichtigen. Da aber nur jeweils ein Dutzend Personen in den Innenraum passen, müssen die Wartenden beim Windparkfest am Samstag viel Geduld mitbringen.

Fast bis zu den Wolken: Im Tengener Ortsteil Wiechs dreht sich nun dieses beinahe 200 Meter hohe Windrad. Zum gesamten Projekt gehören drei Schwachwind-Anlagen. Es sind die ersten im Landkreis Konstanz. Bild: Elmar Veeser
Fast bis zu den Wolken: Im Tengener Ortsteil Wiechs dreht sich nun dieses beinahe 200 Meter hohe Windrad. Zum gesamten Projekt gehören drei Schwachwind-Anlagen. Es sind die ersten im Landkreis Konstanz. Bild: Elmar Veeser

In einer musikalischen Pause ergreift Bene Müller, Vorstandsmitglied für Finanzen und Öffentlichkeitsarbeit der Singener Firma Solarkomplex, das Mikrofon, um, wie er sagt, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Nein, dass sich in den letzten Wochen immer nur ein Windrad gedreht habe, sei nicht auf zu geringen Wind zurückzuführen, sondern hänge mit der Probelaufphase, in der man sich immer noch befinde, zusammen. Derzeit würden die Windkraftanlagen Marke Nordex N-131 noch einzeln getestet. Und dann, wie er weiter ausführte, sei es zwar richtig, dass sich ein elektrischer Motor oben in der Gondel hinter der Rotornabe befinde, doch sei dieser nicht dazu da, um die Rotoren anzuwerfen. Stattdessen diene er dazu, die Gondel und damit die Rotorblätter in Windrichtung zu drehen. Bene Müller wird im Laufe des Tages von vielen angesprochen und mit Fragen gelöchert. Ja es stimme, wie Müller sagt, ein unterirdischer Löschwassertank mit 48 Kubikmeter Volumen müsse noch installiert werden. Er stehe dieser Maßnahme zwar skeptisch gegenüber, doch sei es nun mal eine Vorgabe des Landratsamtes. Im Falle eines Waldbrandes solle der Tankinhalt der Feuerwehr als Löschwasservorrat dienen.

Die Menschenschlange vor dem Eingang zum Inneren der Windkraftanlage ist noch nicht kürzer geworden und so bleibt genügend Zeit, mit einigen Vertretern der insgesamt elf Kommandidisten der "Hegauwind GmbH und Co. KG – Verenafohren" zu sprechen, die alle zu gleichen Teilen an den Kosten und am Ertrag beteiligt sind. Günter Hoffmann, der Aufsichtsratsvorsitzende der Bürger-Energie-Bodensee-Genossenschaft mit Sitz in Stockach-Wahlwies, erzählt, dass bei ihnen insgesamt 135 Genossenschaftler mit Einlagen zwischen 1000 Euro, dem Mindestbetrag, und 50 000 Euro, dem zulässigen Höchstbetrag, beteiligt seien. Man investiere ausschließlich in Projekte mit erneuerbarer Energie, also Sonnen- und Windkraftanlagen. Im Moment aber könne man keine neuen Genossenschaftler aufnehmen, weil es derzeit nicht genügend Investitionsprojekte gebe. Leider sei der geplante Windpark Kirnberg bei Steißlingen ja derzeit auf Eis.

Gaby Leichenauer, die Ortsvorsteherin von Wiechs am Randen, ist glücklich wegen des großen Besucherandrangs. Bei den Vereinen, die an diesem Tag auf eigene Rechnung bewirteten, klingle die Kasse ordentlich, wie Gaby Leichenauer sagt. Das sei nur recht und billig bei dem großen Einsatz aller Beteiligten. Auf die Frage, ob es sich denn lohne, sich in die große Schlange zur Besichtigung des Innenlebens der Windkraftanlage anzustellen, antwortet sie: "S isch viel Eletronik. En Haufe Lämple blinket halt. Mich hot's jetzt it so interessiert." Da inzwischen allerdings längst der Hunger die Neugier auf die Technik übertrifft, ist nicht die lange Schlange vor der Windkraftanlage sondern der Bratwurststand das nächste Anlaufziel.

 

Die Anlage

Das Windpark-Projekt wurde zwischen Herbst 2012 und Frühjahr 2016 geplant und von Mai 2016 bis vergangenen Monat gebaut. Das Investitionsvolumen beträgt rund 16,3 Millionen Euro netto. Der Anlagentyp Nordex N-131 hat eine Nabenhöhe von 34 Metern, einen Rotordurchmesser von 31 Metern und eine Blatt-Spitzengeschwindigkeit 74,8 Metern pro Sekunde. Der Prognostizierte Stromertrag der Windkraft-Anlage liegt bei 20 Millionen Kilowattstunden pro Jahr. (ev)

 

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