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Stockach Windenergie: Bodensee-Stiftung kritisiert FDP

Die eindeutige Positionierung der FDP vor der Landtagswahl gegen Windenergie in der Region Hegau-Bodensee hat die Vertreter der Naturschutzorganisation Bodensee-Stiftung mit Sitz in Radolfzell auf den Plan gerufen.

Nach dem Wahlkampfauftakt der FDP in Eigeltingen zum Thema Windenergie und den geplanten Anlagen auf dem Kirnberg greift Stiftungspräsident Jörg Dürr-Pucher die Position der Liberalen an: „Die FDP gehört zu den letzten Parteien weltweit, die seit über zehn Jahren gegen Wind- und Bioenergie kämpfen.“ Als die FDP noch Regierungsverantwortung getragen habe, hätte es innerhalb dieser Partei noch eine Mehrheit für das Erneuerbare-Energien-Gesetz gegeben, stichelt der Umwelt-Funktionär.

Der Stiftungspräsident kämpft seit Jahren für die Energiewende

Jörg Dürr-Pucher (48) bekennt in Sachen Windenergie: „Ich bin eindeutig Partei.“ Er habe keine Probleme damit, dass in diesem Zusammenhang seine Tätigkeiten als Projektentwickler für Windenergieanlagen der Unternehmen Solarcomplex und WPD sowie als Geschäftsführer der Firma Clean Energy genannt werden: „Natürlich bin ich befangen, ich habe schon in meiner Zeit als Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe für erneuerbare Energien gekämpft, das habe ich ständig gemacht.“

Dies sei auch der Punkt, warum er sich als Präsident der Bodensee-Stiftung zu Wort meldet: „Ich erlaube mir, in meiner ehrenamtlichen Funktion zu diesem Thema Stellung zu beziehen.“ Das tut Dürr-Pucher so eindeutig für die Windkraft, wie die FDP sie ablehnt. Die Bodensee-Stiftung setze sich seit Jahren für die Energiewende in der Region ein: „Dazu gehört in unserer schönen und ökologisch wertvollen Landschaft an den wenigen windhöffigen Standorten auch die Windkraft.“

Drei Standorte zählt Dürr-Pucher dazu: Verenafohren in Tengen (dort ist der Bauantrag für drei Windräder eingereicht), den Kirnberg auf der Gemarkung Steißlingen mit unmittelbarer Nachbarschaft zu Orsingen und Wahlwies (dort sind zwei Windräder geplant) und die Stettener Höhe (dort hat sich rund um die bestehenden Windanlagen der Milan eingenistet). Windräder in Verenafohren und auf dem Kirnberg hält der Stiftungspräsident für das Landschaftsbild für verkraftbar. Diese fünf und später vielleicht noch einmal fünf neue Windräder auf der Stettener Höhe seien ein angemessener Beitrag der Region Hegau-Bodensee an der Energiewende: „Wir können nicht auf der Schwäbischen Alb 100 Windräder bauen und hier machen wir gar nichts.“

Auf dem Kirnberg bläst genug Wind

Die Messungen von Solarcomplex hätten ergeben, dass der Windertrag auf dem Kirnberg mit knapp sechs Metern pro Sekunde ausreichend sei: „Wir brauchen für die Wirtschaftlichkeit mindestens sechs Millionen Kilowattstunden Ertrag pro Jahr, mit den Ergebnissen nach unseren Berechnungen liegen wir da auf dem Kirnberg drüber.“ Das hätten zwei unterschiedliche Gutachter bestätigt.

Dürr-Pucher räumt ein, dass der Windatlas für Baden-Württemberg zu optimistisch ausgefallen sei. Deshalb glaubt der hauptberufliche Projektentwickler und ehrenamtliche Präsident der Bodensee-Stiftung nicht, dass sich je Windräder auf der Gemarkung Eigeltingen drehen werden: „Dort bläst auf den ausgewiesenen Standorten zu wenig Wind.“ Weder Solarcomplex noch die IG Hegauwind hätten seines Wissens an diesen Standorten Interesse.

 

Umlage zahlt der Stromkunde

 
Wir haben Jörg Dürr-Pucher mit zwei Vorwürfen konfrontiert, die von Windkraftgegnern erhoben werden:

1. Windräder werden subventioniert: „Stimmt nicht“, sagt Jörg Dürr-Pucher. Die Umlage nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz sei keine Förderung aus Steuermitteln, also keine einseitige Zahlung des Staates: „Die Umlage zahlt der Stromkunde, das ist der richtige Adressat.“ Im Gegensatz dazu führt Dürr-Pucher versteckte Subventionen für Atom- und Kohlekraftwerke an, „die wir mit Steuern bezahlen“.

2. 37 Prozent der Bürgerwindparks schreiben rote Zahlen: Jörg Dürr-Pucher bestätigt: „Das ist dem Umstand geschuldet, dass es bis vor zwei Jahren noch keine Schwachwindanlagen gab.“ Mit größerer Nabenhöhe und größeren Rotoren könnte man auch im Süden rentable Anlagen betreiben. Statt mit 101 Meter Durchmesser wie hinterm Deich seien die Windräder hier mit einem Durchmesser von 131 Metern geplant. (bec)

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