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Stockach Wie ein Stockacher das Konzil nach Konstanz brachte

Das Konstanzer Konzil hättes es ohne einen Stockacher nicht gegeben: Graf Eberhauf IV. von Nellenburg gab vor 600 Jahren den Ausschlag bei der Ortswahl.

Konstanz erinnert in diesen Tagen und vier Jahre lang an das 600. Jubiläum des Konzils. Was vielen dabei nicht bekannt sein dürfte: Dieses kirchliche Großereignis vor 600 Jahren hätte es ohne das Zutun Stockachs nicht gegeben. Offenkundig wurde diese etwas überraschende Erkenntnis beim Vortrag, den der Stockacher Historiker Fredy Meyer im Bürgerzentrum Adler-Post in Stockach über die Entstehung der Stadt Stockach im Spätmittelalter hielt.

Der Redner erwähnte dabei gegen Schluss seines eineinhalbstündigen Vortrags auch, dass sich 1413 der damalige deutsche König Sigismund von Luxemburg und einer der drei Päpste, über die die katholische Kirche seinerzeit verfügte, Papst Johannes XXIII., im oberitalienischen Lodi trafen – in einer Stadt übrigens, die bezeichnenderweise heute Partnerstadt von Konstanz ist. Bei dem Konzil ging es im Kern um die Frage, wer von den drei Päpsten nun der richtige sei und um das zu klären, hatten sich König und Papst schon zuvor geeinigt, ein Konzil einzuberufen. In Lodi ging es nun um die Frage, an welchem Ort.

Man sprach seinerzeit von Straßburg oder Basel. Der württembergische Herzog Ulrich von Teck warb für die Reichsstadt Kempten. Da meldete sich Graf Eberhard IV. von Nellenburg zu Wort. Der Graf residierte oberhalb von Stockach, das zu seinem Herrschaftsbereich gehörte, auf der Burg seines Namens und war, wie Fredy Meyer verdeutlichte, kein unbedeutender Mann. Er war Ratgeber der deutschen Könige, die auf sein Wort auch hörten, und hatte wenige Jahre zuvor einen Friedensvertrag mit den immer streitbaren Appenzellern ermöglicht.

Der Nellenburger empfahl in Lodi die Stadt Konstanz als Austragungsort des Konzils. Dabei hob er, wie Fredy Meyer berichtete, deren Bedeutung als Bischofssitz, die Größe der Stadt und ihre günstige Verkehrslage am Bodensee sowie die guten Versorgungsmöglichkeiten hervor. Daraufhin entschieden sich König und Papst unisono für Konstanz, wo sich ein Jahr später die katholische Welt traf.

Graf Eberhard, führte Fredy Meyer weiter aus, sei an den eigentlichen Konzilsberatungen zwar nicht beteiligt gewesen, doch fielen ihm im Verein mit Frischhans von Bodman und anderen Adligen im Auftrag des Königs wichtige logistische Aufgaben zu, wie die Unterbringung der Konzilsteilnehmer und deren Versorgung. Außerdem durfte der Graf als königlicher Amtsträger bei der Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten mithelfen. Von 1415 bis 1417 hielt sich König Sigismund zu politischen Verhandlungen in Frankreich und England auf. Graf Eberhard von Nellenburg sowie Hans von Lupfen setzte er für diese Zeit als seine Statthalter in Konstanz ein.

In diese Zeit fiel auch eine tödliche Entscheidung. Als Hieronymus von Prag 1415 zur Verteidigung seines Lehrers und Freundes Johannes Hus angereist war, ließen ihn der Nellenburger und Hans von Lupfen kurzerhand verhaften und verurteilten ihn im Namen des Königs als Ketzer zum Tode. Am 30. April 1416 wurde Hieronymus von Prag auf dem Scheiterhaufen bei lebendigem Leibe verbrannt und erlitt damit dasselbe schreckliche Schicksal wie sein Freund Johannes Hus.

Zur Belohnung für all dieser königstreuen Tätigkeiten wurde Graf Eberhard IV. von Nellenburg am 22. Mai 1417 in der großen Stube des Augustiner-Eremitenklosters in Konstanz von König Sigismund mit der Landgrafschaft im Hegau und in Madach belehnt. Aus den Grafen von Nellenburg waren damit Landgrafen geworden, was jedoch nicht verhindern konnte, dass man den Titel Landgraf wenig später auf eine sehr schnöde Weise wieder verlor.

1422, so Fredy Meyer, starb Eberhard IV. und die Landgrafschaft wurde an seinen Neffen, Hans IV. von Tengen, verliehen. Dessen Sohn wiederum, Hans V. von Tengen, musste die Landgrafschaft dann wegen totaler Überschuldung 1465 für gerade einmal 37 905 Goldgulden an Erzherzog Sigismund von Österreich verkaufen. Damit war Stockach habsburgisch geworden und blieb dies bis 1805, als es von Napoleon zuerst Württemberg und 1810 dann Baden zugeschlagen wurde.


Auch Mozart war in Lodi

Die oberitalienische Stadt Lodi liegt etwa 30 Kilometer von der Metropole Mailand entfernt und gehört zur Lombardei. Lodi zählt heute rund 45 000 Einwohner. Seit dem 4. Jahrhundert ist die norditalienische Stadt in der Lombardei Bischoffsitz. Ein berühmter Besucher der Stadt war auch das Musikgenie Wolfgang Amadeus Mozart, der am 15. März in Lodi in einem Wirtshaus Quartier gesucht haben und dort sein 1. Streichquartett KV 80 komponiert haben soll. Das Stück trägt aufgrund dieser Überlieferung noch heute den Beinamen „Lodi“.

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