Stockach Was von der Nellenburg übrig blieb: Eine Exkursion mit Heimatforscher Fredy Meyer

Fredy Meyer berichtet ausführlich über Geschichte und Aussehen der einstigen Nellenburg, die heute nur noch eine Burgruine ist.

Eine "Tour d' Horizon" durch die Stockacher Geschichte im allgemeinen und die der oberhalb des Städtchens gelegenen Nellenburg im besonderen unternahm am Samstag der aus Wahlwies stammende Historiker und intime Kenner der Nellenburger Historie, Fredy Meyer. Seine Zuhörer waren etwa zwei Dutzend Bürger und Touristen, die sich dem Stockacher Sommerferienprogramm anschlossen. Man traf sich auf der Nellenburg, um die Reste der Burg zu besichtigen und deren Geschichte zu hören.

Verschiedene Teilnehmer waren, wie man während des knapp einein halbstündigen Rundgangs erfahren konnte, mit der Nellenburg im besonderen Maße verbunden, wie jener Gastwirt, der hier in der florierenden und bei der Bevölkerung der ganzen Umgebung äußerst beliebten Gastwirtschaft gewirtet hatte. Inzwischen ist das ganze Anwesen von der Besitzerfamilie der Grafen von Langenstein selbst übernommen und das Gasthaus daher geschlossen worden.

Mit Kind und Hund zur Nellenburgführung: Heimatforscher Fredy Meyer begrüßt die Teilnehmer an dem Rundgang über das ehemalige Burggelände. Bild: Exner
Mit Kind und Hund zur Nellenburgführung: Heimatforscher Fredy Meyer begrüßt die Teilnehmer an dem Rundgang über das ehemalige Burggelände. Bild: Exner

Dass der Ausflug auf die Nellenburg etwas überraschend bei bestem Wetter stattfinden konnte, nachdem es noch Stunden zuvor geregnet hatte, begründete ein weiterer in Stockach wohlbekannter Teilnehmer, Jörg Pompeuse, dem SÜDKURIER augenzwinkernd damit, dass Fredy Mayer, obwohl evangelischer Konfession, in diesem Jahr an einer Wallfahrt der katholischen Pfarrei St. Oswald nach Padua und Venedig teilgenommen habe. "Das ist jetzt der Dank des Himmels!"

So war die Stimmung unter den Teilnehmern, die teilweise mit Kind und Hund erschienen waren, von Anfang an recht aufgeräumt, und dies blieb dank Fredy Meyers bekannt-trockenem Humor auch so während des ganzen Rundgangs. Dieser führte die Gruppe nach kurzer Einführung ins Thema zunächst zur Zufahrt des Hofguts, das sich, wie erwähnt, im Besitz der Grafen von Langenstein befindet. Nachdem man von der Hausherrin dezent darauf hingewiesen wurde, dass der Weg zum Burgplateau nicht durch das Hofgut führe, sondern über einen unterhalb befindlichen Weg um das Gut herum, beschritt man diesen teilweise recht verschlammten Weg, um sich dann oberhalb des Hofguts wiederzufinden.

Hier erläuterte Fredy Meyer dann anhand diverser Unterlagen aus seinen Archivschätzen ausführlich die frühere Burganlage, die man sich heute, so der Vortragende, "nur noch mit viel Phantasie" vorstellen könne, weil inzwischen alles durch Menschenhand beseitigt oder durch die Natur eingeebnet wurde. Deswegen empfahl Meyer auch eindringlich geomagnetische Untersuchungen des Bodens, deren Ergebnis dann eventuell eine verlässliche Rekonstruktion der Burganlage zulassen werde.

Engagiert, wie es seine Art ist, erläutert Heimatforscher Fredy Meyer das frühere Aussehen der Nellenburg (rechts Jörg Pompeuse). Bild: Exner
Engagiert, wie es seine Art ist, erläutert Heimatforscher Fredy Meyer das frühere Aussehen der Nellenburg (rechts Jörg Pompeuse). Bild: Exner

Nach diesen Erläuterungen führte Historiker Meyer seine Schäflein weiter zum überraschend hoch gelegenen Burgplateau, auf dem neben einer halbhohen offensichtlich rekonstruierten Mauer nur noch der zentral befindliche, allerdings total zugeschüttete ehemalige Burgbrunnen zu sehen ist. Dafür wird der Besucher dieses romantischen Plätzchens durch einen wunderschönen Blick in die Umgebung entschädigt.

Von den Brunnenresten herab ("ich fühle mich wie auf der Kanzel beim Wort zum Sonntag") erläuterte Fredy Meyer die Geschichte der Nellenburg, die 1782/1783 auf Geheiß eines "bornierten österreichischen Amtmanns" abgebrochen wurde. Nicht einmal die Burgkapelle zum heiligen Sebastian und Sankt Gangolf, eine beliebte Wallfahrtsstätte der Region, durfte anderswo wieder aufgebaut werden. Die Reste der Burg verschwanden im Straßenbau und das Inventar in Bürgerhäusern und Kirchen der Umgebung.

Über weitere Details des Vortrags Fredy Meyers wird der SÜDKURIER noch im Detail berichten

Sagen zur Burg

Der Stockacher Historiker Fredy Meyer ist bei seinem Publikum nicht nur wegen seines enormen Fachwissens, sondern auch wegen der unterhaltsamen Art, in der er dieses den Zuhörern unterbreitet, beliebt. So lockerte er am Samstag seine Nellenburgführung durch die Wiedergabe einiger Sagen auf, die mit der Burgruine verbunden sind. An erster Stelle steht die Sage von der schönen Nella, die dieser Höhenburg ihren Namen gab. Graf Mangold, so berichtete Meyer, unternahm zur Zeit des frühen Christentums einen Ritt durch die dichten Wälder rund um das heutige Stockach. Dabei stieß er auf eine Gruppe Männer, die rund um ein Lagerfeuer saßen und dem Gesang der schönen Jungfrau Nella lauschten. Mangold, bereits ein Christ, erkannte eine heidnische Opferstätte, sprang vom Ross und griff zum Schwert. Er hatte allerdings nicht mit der Gegenwehr der Männer gerechnet, die ihn überwältigten und in einen Kerker warfen. Zum Tode verurteilt sah er einem üblen Schicksal entgegen.

Doch die schöne Nella verliebte sich in den jungen Ritter und bewahrte ihn dadurch vor dem Tod. Zum Dank heiratete Mangold die Nella und bekehrte sie zum Christentum. Als sie getauft wurde, entsprang am Ort der Taufe ein Brünnlein und Mangold baute seiner Liebsten dort eine Burg, die er nach ihr benannte – die "Nellaburg". (ex)

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