Thomas Warndorf, Archivar des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts, hat sich Gedanken über schwere Stunden gemacht und diese dem Hohen Kollegium unlängst auch mitgeteilt. Eine besonders schwere Stunde habe er im September vergangenen Jahres erlebt, als gerade Mal vier Gestalten versuchten, ernsthaft närrisch zu sein. Eine schwierige Aufgabe, weil jeder wisse dass es mindestens 21 gestandene Männer dazu braucht. Diese Vorstellung der vier Bürgermeister-Gegenkandidaten hat der Archivar als einen schweren Anschlag auf die Tradition des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts verstanden. Doch sei dieser Anschlag bei weitem nicht der schrecklichste gewesen. Denn der hat aus Sicht des Archivars mit Konstanz zu tun. „Er ereignete sich im Jahre 1884. Da wollten die Konstanzer uns Stockachern die Fasnacht rauben. Sie wollten uns mit Schreiben vom 28. Februar 1884 das Stockacher Narrenprivileg abkaufen“, empört sich Warndorf. Ein paar Konstanzer Mücken hätten da aus sich Elefanten machen wollen, mit Rüsseln, die wohl länger waren als ihre Tradition. Mit der Begründung, dass in Stockach rein gar nichts los sei und die richtigen Narren nur in Konstanz zu finden seien. „Natürlich lehnte das Stockacher Kollegium mit ausreichender Empörung die feindliche Übernahme durch die Elefanten Aktiengesellschaft ab“, so der Archivar. Die Stockacher hätten sich eine Strafe ausgedacht, die sie in zwei zeitlich aufeinanderliegende Abschnitte teilten. Im ersten Teil sei am 24. Januar 1885 eine auserlesene Zahl von „Stockacher Gurgelhelden“ nach Konstanz geschickt worden, um „das Saufkonto“ der Elefanten AG mit einem Defizit zu belasten. Mit dem zweiten Teil der Strafe habe sich das Hohe Kollegium etwas Zeit gelassen. „Es dauerte 125 Jahre, bis die Stockacher den Konstanzern den zweiten Teil der Strafe mit Rang und Namen auferlegten. Er heißt Rainer Vollmer“, sagt Warndorf mit Blick auf den anwesenden Gerichtsnarr, der am 2. Februar die Fernseh-Fasnacht im Konstanzer Konzil moderieren wird. Mit auf den Weg gibt er ihm: „Rainer denk an 1884 und gib's ihnen!“
Simone Ise