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Stockach Vom Eier drehen und Hinternwackeln: Die Störche Hans und Nelli brüten jetzt eifrig

Vermutlich Mitte Mai gibt es Nachwuchs im Stockacher Storchennest mitten in der Oberstadt. Die Störche Hans und Nelli brüten auf dem Gefallenendenkmal. Ein Gespräch mit Storchenexperte Wolfgang Schäfle bestätigt die Vermutungen und Hoffnungen, die viele Fans der beiden Störche haben.

In alten Sagen bringen Störche die Babys, in Stockach bekommen sie selbst welche. Der erfolgreiche Nestbau-Beginn ist kaum zwei Wochen her (4. bis 6. April) und nun richten Hans und Nelli das Kinderzimmer ein. Wann das erste Ei kam und wann genau das Brüten losging, lässt sich nicht genau sagen, aber etwa seit den Ostertagen wechseln sich die beiden beim Brüten ab.

Ihr Verhalten ist ganz klassisch, wie Storchenexperte Wolfgang Schäfle auch Böhringen bestätigt. Einer sitzt immer im Nest auf dem Gelege, der (oder die) andere ist unterwegs und bringt bei der Rückkehr weiteres Nistmaterial mit. Der brütende Partner steht auf – was er manchmal auch so zwischendurch macht – dreht mit dem Schnabel die Eier, nestelt um sie herum und wenn er sich wieder hinsetzt, tut er dies ganz vorsichtig, wackelt dabei mehrere Sekunden mit dem Hintern und Körper, um alle Eier abzudecken, aber nicht zu zerdrücken. Das Männchen unterstützt das Weibchen und brütet, wenn sie unterwegs ist. “Störche machen viel gemeinsam”, erklärt Schäfle den Schichtwechsel im Nest.

Die Anzahl der Eier im Nest von Hans und Nelli lässt sich derzeit nicht genau sagen, denn alle Fenster, von denen aus eine Beobachtung aus möglich ist, liegen unter oder auf gleicher Höhe wie das Nest. Ein Blick über den Rand hinein ist so nicht möglich. “Störche haben zwischen zwei und fünf Eiern”, erklärt Schäfle. Die Störchin lege diese im Abstand von zwei Tagen. Sobald das zweite Ei da sei, beginne das Brüten und es könnten noch weitere Eier dazu kommen.

Somit wäre es möglich, dass im Nest von Hans und Nelli mindestens zwei Eier liegen. Die beiden sind aufgrund ihres Alters aber Erstbrüter und es könnte somit Abweichungen geben. Ein Storchen-Ei ist kaum größer als ein Hühner-Ei und ein frisch geschlüpftes Küken wiegt 70 bis 75 Gramm, erklärt Schäfle. Die Brutdauer von Störchen liegt übrigens bei 32 Tagen. Sofern die Annahme korrekt ist, dass Hans und Nelli seit Ostern dabei sind, könnte der Nachwuchs gegen Mitte Mai schlüpfen. Die ersten beiden Küken kämen meist zeitgleich, so Schäfle, die weiteren im Abstand von zwei Tagen so wie die Eier gelegt wurden. So seien sie später auch unterschiedlich groß und schwer.

“Störche wachsen extrem schnell und verzehnfachen in den ersten beiden Lebenswochen ihr Geburtsgewicht. Ich nennen sie immer kleine Naturwunder”, sagt Schäfle, der seit 34 Jahren Störche beobachtet, betreut, aufzieht und beringt.

Die Kälte der vergangenen Tage ist für das Brüten übrigens kein Problem. Der Storch, der auf den Eiern sitzt, sorgt für ausreichend Wärme. “Kritisch wäre Dauerregen”, erklärt Schäfle. Andauernde Nässe bringe auch Kälte mit sich. So lange Küken unter ihre Eltern passen und von ihnen gewärmt werden können, sind sie kaum in Gefahr. Nach der zweiten Lebenswoche sind sie jedoch zu groß dafür, haben aber nur Flaum und noch keine Federn, die Kälte abhalten können. Diese haben sie erst mit etwa sechs Wochen. Der Flaum könne sich bei Regen vollsaugen und die Tiere so auskühlen, dass sie sterben. Aus Erfahrung weiß Schäfle, dass es jedes Jahr eine Phase mit viel Regen gebe. 2013 und 2016 sei es besonders schlimm gewesen und viele Bruten hätten es nicht geschafft. Ist das Nest von Hans und Nelli inzwischen eigentlich fertig? Nein. “Störche bauen immer weiter”, erzählt Schäfle. So gibt es Horste, die ein oder zwei Meter hoch und dementsprechend schwer werden.

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