Stockach Umweltzentrum Stockach: Ein Vierteljahrhundert für den Umweltschutz

Das Umweltzentrum feiert am Samstag, 20. Mai, sein Jubiläum. Leiterin und Vereinsvorsitzender blicken auf eine Zeit des Bewusstseinswandels zurück.

Abgase, Landschaftsverbrauch, Müllberge – die Lebenswelt vor 25 Jahren scheint aus ökologischer Sicht heute ziemlich weit entfernt zu sein. Viele Ideen der Umweltbewegung gehören heute zum Mainstream in Politik und Gesellschaft, sind in Gesetzen verankert. Doch damals? Da gab es auch in unserer Region Umweltthemen. Die Abgase des Aluminiumwerks, die damals im Gerede gewesen, aber bald gefiltert worden seien, den Flächenverbrauch für Industriegebiete oder den "katastrophalen Zustand" des Bodensees nennt Karl-Hermann Rist als Beispiele. Er ist heute Vorsitzender des Fördervereins Umweltzentrum Stockach und seit dessen Gründung vor 25 Jahren dabei. "Es war allen klar: Wenn man sich nicht organisiert, wird man die Anliegen der Umweltbewegung, die Idee, dass die Natur schutzwürdig ist, nicht zu Gehör bringen können", so Rist. Eine Partei, die solche Themen in politische Gremien eingebracht hätte, habe es in Stockach damals nicht gegeben.

Die ursprüngliche Idee für das Umweltzentrum habe der Gründungsvorsitzende Uwe Friedrich gehabt, sagt Sabrina Molkenthin, die heutige Leiterin des Umweltzentrums. Mit Hanns Werner, der bis vor wenigen Jahren noch als Naturschutzwart im Ried zwischen Bodman und Ludwigshafen aktiv war und maßgeblich an der Einrichtung des Naturschutzgebiets an dieser Stelle beteiligt war, habe Friedrich die Vorarbeit für die Vereinsgründung geleistet.

Das politische Klima in der Stadt sei für Umweltthemen damals nicht förderlich gewesen, sagt Karl-Hermann Rist im Rückblick. Der damalige Stockacher Bürgermeister Franz Ziwey habe dem Verein keine allzu großen Überlebenschancen eingeräumt. Es gab Meinungsverschiedenheiten über die Finanzierung eines Umweltzentrums, wie aus der damaligen Berichterstattung des SÜDKURIER hervorgeht. Inzwischen habe Ziwey aber eine Patenschaft am Streuobstlehrpfad übernommen, sagt Molkenthin. Hinzu kam damals: "Das linksalternative Milieu wurde sehr misstrauisch beäugt", wie Rist es ausdrückt. Es blieb also nur der Weg in die Mitte der Gesellschaft. Bei Rist, der vor 26 Jahren nach Stockach gekommen ist und mit Mitarbeitern den Erlenhof des Pestalozzi Kinder- und Jugenddorfs betreibt, hört sich das so an: "Wenn man in der Alternativszene geblieben wäre, wäre das schwierig geworden."

Kurz nach der Gründung sei die Institutionalisierung gekommen. Schon 1993 habe es mit Thomas Esche den ersten Angestellten gegeben. Und 1993 trat auch der heutige Bürgermeister Rainer Stolz sein Amt an. Er sei dem Umweltzentrum gegenüber von Anfang an aufgeschlossen gewesen, sagt Molkenthin, und habe der jungen Einrichtung das "Vertrauen geschenkt", städtische Aufgaben zu übernehmen – zum Beispiel die Müllberatung. In den 1990er-Jahren sei der Wertstoffhof hinzugekommen, sagt Molkenthin. Die Erforschung der Aach-Quellen Ende der 1990er-Jahre mit der damaligen Leiterin Michaela Klüver-Spreng sei dann ein Türöffner in Stadt und Bevölkerung gewesen, erzählt Rist. Aus diesem Projekt gingen die heutigen Quellerlebniswege hervor.

2001 habe das Umweltzentrum zudem die Betreuung der lokalen Agenda 21 übernommen, sagt Molkenthin. Für solche Aufgaben zahlt die Stadt. Da der Verein mehrere Finanzierungsquellen habe (siehe Kasten), sehen Molkenthin und Rist keine Gefahr einer zu großen Abhängigkeit. Von einem konfrontativen Kurs hält Rist ohnehin nichts. Und als Gemeinderatsmitglied (Grüne) sehe er, was etwa aus Gewerbesteuern finanziert werden kann – Kinderbetreuung, Schulen, Krankenhaus. Dafür müsse zwar auch Fläche für Betriebe verbraucht werden. Doch das könne er vertreten, wenn es verantwortungsvoll geschehe, mit Ausgleich vor Ort.

Verein und Feier

  • Der Verein hat derzeit 118 Mitglieder. Die Finanzierung erfolgt über die Mitgliedsbeiträge, Spenden, Projektmittel sowie Beiträge, die die Stadt für die Übernahme von städtischen Aufgaben zahlt. Die meisten Gelder sind an bestimmte Aktivitäten gebunden.
  • Die Jubiläumsfeier findet am Samstag, 20. Mai, um 16 Uhr im Bürgerhaus Adler Post statt. Grußworte kommen vom Vereinsvorsitzenden Karl-Hermann Rist, Bürgermeister Rainer Stolz und der Landtagsabgeordneten Dorothea Wehinger (Grüne). Einen Rückblick und Aktionen stellt die Leiterin Sabrina Molkenthin vor. Die Ausstellung "Verbundene Landschaft – Lebendige Vielfalt" des BUND wird ebenfalls zu sehen sein. (eph/sk)

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