Nur wenn der ehemalige Außenminister und derzeitige SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende etwas zu Ende bringe, könne er sich vor den „rachsüchtigen Schergen“ des Narrengerichts Stockach retten.
Nichts als Theater, Christoph Nix hatte die Weinübergabe in Konstanz vermittelt. Das Narrengericht wollte in Konstanz nichts anderes, als die Schuldzahlung des Beklagten Frank-Walter Steinmeier nach dem Urteil vom 3. März 2011 in der Jahnhalle in Empfang nehmen. Steinmeier war an diesem denkwürdigen Tag zu herausragenden viereinhalb Eimern Wein österreichischen Maßes oder 270 Litern verdonnert worden.
Der Beklagte Steinmeier nutzte die kurze Zeit zwischen einem Impulsvortrag über Afrika, Kultur und Politik im Theater und dem Besuch der Premiere des Stücks „Die rote Antilope“ zur Begleichung seiner Schuld. Der Auftritt des Kollegiums im Theater war wohlgesittet und erinnerte nicht entfernt an das Gebaren der Vollstrecker einer finsteren Gewalt. Gemessenen Schrittes begleitete das Kollegium Frank-Walter Steinmeier aus dem Theater in die benachbarte Spitalkellerei.
In der kurzen Zeremonie der Weinübergabe erinnerte Narrenrichter Frank Bosch an die „mitreißende Verhandlung“ und den Auftritt des Beklagten, der durch seine Polemik das „Gericht zum Höchstmaß“ bei der Strafzumessung provoziert habe. Gute Unterhaltung und eine gute Strafe weiß das Narrengericht zu schätzen. Frank Bosch fasste es zusammen: „Wir freuen uns seit Wochen auf diesen Tag.“
Nach einem kurzen Geplänkel zwischen Kläger Thomas Warndorf und Fürsprech Michael Nadig, die Aussagen aus der Verteidigungsrede von Frank-Walter Steinmeier noch einmal zuspitzten, ergriff der Beklagte selbst das Wort. Im Spitalkeller zu Konstanz spielte er ein halbes Jahr nach seiner Verurteilung in der Jahnhalle das Unschuldslamm. Er wertete seinen Auftritt am 3.März als Lobgesang auf das Narrengericht: „Nichts davon war strafwürdig“, sagte Steinmeier mit treuherzigem Augenaufschlag. Eine weitere Frechheit sei für ihn: „Erst heute erfahre ich, dass es die höchste Strafe in der Geschichte des Narrengerichts ist.“
Doch Steinmeier war nicht wirklich vergrätzt, seine Wertschätzung für Stockach und das Narrengericht habe zugenommen. Es sei so wie bei allen Bergvölkern, bekannte der ehemalige Außenminister im Spitalkeller. Am Anfang sei man verwundert, „dann weiß man nicht so recht und am Ende wird aus Gewohnheit Sympathie“. Deshalb kam es in Konstanz zu keinerlei Freiheitsentzug für Steinmeier. Die Übergabe von viereinhalb Eimern Wein aus dem Angebot der Konstanzer Spitalkellerei und der gemeinsame Besuch des Stücks „Die rote Antilope“ im Stadttheater Konstanz hatten einen überaus harmonischen Charakter.
Die Verhandlung des Narrengerichts gehört zu den Höhepunkten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Seit vielen Jahren werden dort prominente Politiker wegen ihrer «Missetaten» zur Rechenschaft gezogen.
