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Stockach Stockach organisiert das Lotto-Glück: Was der Jackpot mit dem Gemeinwohl zu tun hat

Am roten Tisch: Toto-Lotto Baden-Württemberg betreut von Stockach aus jetzt acht Landkreise. Direktionsleiter Frank Eisele erklärt, welche Arbeit für die Lotterie anfällt und in welchen Bauvorhaben Lottomittel stecken.

Herr Eisele, Sie leiten die Regionaldirektion Süd von Lotto Baden-Württemberg. Was war denn der größte Gewinn in Ihrem Bereich?

Ein Spieler aus dem Schwarzwald hat einmal den Jackpot von 90 Millionen Euro bei der Lotterie Eurojackpot geknackt. Das war bis dahin der größte Lottogewinn in Deutschland überhaupt. Und bei Spielen, die auf einen Jackpot ausgerichtet sind, sieht man auch, dass die Teilnehmer einen hohen möglichen Gewinn schätzen, auch wenn die Chance, ihn tatsächlich zu machen, gering ist. Denn wenn ein Jackpot im Spiel ist, steigt das Spielinteresse deutlich an.

Von Stockach aus betreuen Sie Lotto-Spieler und Verkäufer in acht Landkreisen. Wie kam es dazu?

Ich bin seit 1990 im Unternehmen und hatte ursprünglich meinen Sitz in Tuttlingen. Ein Kollege von mir war in Konstanz angesiedelt. Als die Geschäftsstellen im Jahr 2000 reformiert werden sollten, haben wir uns praktisch in der Mitte getroffen. Zunächst hatten wir unser Büro auf dem früheren Contraves-Gelände, seit Februar 2012 ist die Geschäftsstelle nun in der früheren Hotz-Villa untergebracht, in Räumen, die für uns ideal sind. Und ich fühle mich auch sehr wohl in Stockach und will hier nicht mehr weg.

Welche Arbeit wird in der Regionaldirektion denn konkret erledigt?

Von hier aus machen wir die ganze Logistik. Zum Beispiel beliefern wir die etwa 400 Annahmestellen in unserem Gebiet mit Losen und Rubbellosen. Und die Rückläufe aus den Annahmestellen werden hier gesammelt und in unsere Zentrale nach Stuttgart geschickt. Bargeld ist dabei übrigens nicht im Spiel. Wir haben aber auch Schulungsräume, in denen wir die Mitarbeiter der Annahmestellen im Umgang mit unseren Geräten schulen können, oder eine Modell-Annahmestelle, in der wir den Partnern zeigen können, wie es aussehen sollte.

Wie gehen Sie mit der Gefahr von Spielsucht um?

Dieses Problem tritt beim klassischen Lotto zum Glück nur selten auf. Lotto ist ein eher langsames Spiel mit nur zwei Ziehungen pro Woche. Und die Spielangebote, die tägliche Ziehungen haben und bei denen die Möglichkeit für eine Abhängigkeit eher da ist, wie zum Beispiel Keno oder die Sportwette Oddset, kann man bei uns nur mit Kundenkarte spielen. Diese Kunden sind also bekannt und klar definiert. Sie haben die Möglichkeit, selber ihre Kundenkarte zu sperren, wenn sie feststellen, dass sie zu viel spielen. Aber auch Ehepartner können das beispielsweise tun. Und der Inhaber einer gesperrten Kundenkarte darf dann an keinem staatlichen Glücksspiel mehr teilnehmen. Zum Thema gehört auch der Jugendschutz. In dieser Hinsicht überprüfen wir unsere Annahmestellen regelmäßig mit Testkäufen – und wenn es hart auf hart kommt, wird eine Annahmestelle auch geschlossen.

In kommunalpolitischen Gremien hört man immer wieder vom Wettmittelfonds. Was hat es damit auf sich?

Private Lotterien sind oft auf Gewinnmaximierung ausgerichtet und haben ihren Sitz teilweise in Steueroasen. Im Gegensatz dazu geht bei uns ein großer Teil der Einnahmen an die Allgemeinheit. Denn nur etwa die Hälfte der Einsätze werden auch in Form von Gewinnen an die Teilnehmer ausgeschüttet. Lotto Baden-Württemberg führt umgerechnet jeden Tag etwa eine Million Euro an die Landeskasse ab. Und 135 Millionen Euro fließen in den sogenannten Wettmittelfonds. Daraus werden Sport, Kunst, Kultur, Denkmalpflege und Soziales gefördert. Praktisch kann man sagen, dass es in der Region keinen Fußballplatz und kein Hallenbad gibt, in dem nicht Lottomittel stecken. Hinzu kommen noch die Erträge aus der Glücksspirale, zum Beispiel für den Denkmalschutz. In der Region wurden damit zum Beispiel das Hesse-Haus und das Dix-Haus auf der Höri gefördert, die Fähre Meersburg ex Konstanz, die inzwischen im Konstanzer Hafen liegt, oder das Teehäuschen in Meersburg.

Wie knackt man eigentlich am besten einen Jackpot?

Man muss einfach nur die richtigen Zahlen angeben. Ein todsicheres System dafür gibt es nicht. Allein der Zufall entscheidet.

Spielen Sie denn selber Lotto?

Ja, allerdings nur gelegentlich, in Jackpot-Zeiten. Ich lasse mir dann die Zahlen per Quicktipp vom Computer auswählen. Meine Frau spielt regelmäßig und setzt schon seit vielen Jahren auf dieselben Zahlen. Den Königsweg zum Millionenglück gibt es nicht. Wir sehen das bei unseren Großgewinnern: Manche haben seit 30 Jahren dieselben Zahlen gespielt und wurden belohnt. Anderen lachte das Glück schon bei einer der ersten Teilnahmen an.

Und haben Sie schon einmal einen Jackpot geknackt?

Nein, ich habe bislang immer nur kleine Gewinne gemacht. Und meine Frau hatte zweimal einen Fünfer, musste sich den Gewinn aber mit vielen anderen teilen.

Toto-Lotto veröffentlicht die Gewinnwahrscheinlichkeiten. Die liegt für den Jackpot im Spiel 6 aus 49 bei etwa eins zu 140 Millionen – grob gesagt, kann man sich das dann so vorstellen, dass man nach 140 Millionen Spielen gewinnt. Warum spielen die Menschen da noch Lotto?

Dazu muss man sehen, dass die Wahrscheinlichkeit, den Jackpot zu knacken, zwar sehr gering ist. Aber die Chance ist dennoch da – und es trifft mehr, als man denkt. Wir in Baden-Württemberg haben im vergangenen Jahr 35 Sechser gehabt und 21 neue Millionäre gemacht. Hinzu kommt: In kaum einem anderen Spiel hat man mit so wenig Einsatz die Chance auf einen so großen Gewinn. Und dieser Chance steht eben auch das Risiko gegenüber, dass es nichts wird.

Fragen: Stephan Freißmann

Zu Person und Serie

  • Die Person: Frank Eisele, 59, leitet die Anfang Januar geschaffene Regionaldirektion Süd von Toto-Lotto Baden-Württemberg. Der Betriebswirt betreut von Stockach aus die Kreise Konstanz, Sigmaringen, Tuttlingen, Freudenstadt, Rottweil, den Bodenseekreis, den Schwarzwald-Baar-Kreis und den Zollernalbkreis.
  • Die Serie: Der rote Tisch steht im Besprechungsraum in der Stockacher SÜDKURIER-Redaktion. Mithilfe eines roten Tischtuchs kann er allerdings auch außer Haus gebracht werden. Kontakt: stockach.redaktion@suedkurier.de oder Telefon (0 77 71) 930 268 42. (eph)

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