Wer so gegen das Narrengericht und Stockach stänkert wie Frank-Walter Steinmeier, darf sich als Beklagter nicht wundern, wenn er am Ende zahlen muss. Und zwar ordentlich.
Empfang von Frank-Walter Steinmeier durch das NarrengerichtFrank-Walter Steinmeier vor dem Stockacher Narrengericht
Der neue Narrenrichter Frank Bosch verhängte viereinhalb Eimer Wein österreichischen Maßes oder 270 Liter Wein als Strafe. Vier Eimer gab es für schuldig am Verrat und Betrug an der linken Sache. Einen halben Eimer wegen „frevelhafter Ausführungen“ packte Frank Bosch noch obendrauf.
Es war wenig schmeichelhaft, aber höchst unterhaltsam, was der SPD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Steinmeier dem Narrengericht an Boshaftigkeiten gut gelaunt entgegenschleuderte. Er verglich den Hermelinmantel der Gerichtsnarren mit einer Narren-Burka, bezeichnete das Kollegium als alemannischen Taliban-Stamm und brandmarkte es als das „reaktionärste närrische Zentralkomitee der Republik“. Wegen der Ortsnamen Zoznegg, Krauchenwies, Hoppetenzell wähnte sich der Ex-Außenminister im Mittleren Osten. Stockach sei „so abgelegen, gänzlich unberührt, von allem was da draußen in der Welt geschieht“. Er fühlte sich wie im Dschungelcamp und rief: „Holt mich hier raus!“ Der Sozi in Steinmeier beanspruchte ungerührt Freispruch: „Auch bei Schwarzen haben die Roten Anspruch auf Gerechtigkeit.“
Mit diesen beredten Spitzen hatte Steinmeier die Lacher in der ausverkauften Jahnhalle vor geschätzten 1400 Besuchern auf seiner Seite. Doch nur bedingt das Wohlwollen des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken bei der Strafbemessung. Kläger Thomas Warndorf hatte mit seinem Plädoyer den Weg geebnet und fünf Eimer Wein als Strafe verlangt: Weil er die Linke verraten habe, weil er sich als Verantwortlicher in der Regierung auf die Seiten der Banker geschlagen habe: „Ehrliche Sozis nennen das Betrug!“ Weil er ein Meister der Täuschung geworden sei: „Er sagt nicht Deutschland am Abgrund, er sagt Agenda 2010.“ Als Beweis für seine Thesen bot der Kläger den ehemaligen WG-Kollegen von Steinmeier und heutigen Theater-Intendanten „Professor Dr.“ Christoph Nix auf. Bei Steinmeiers Verfehlungen seien fünf Eimer Wein noch ein Triumph der Barmherzigkeit.
Barmherzig? Die Anklage stieß auf wenig Gegenliebe bei Fürsprech Michael Nadig: „Mein Mandant ist natürlich unschuldig.“ Die Begründung lieferte der neue Fürsprech des Narrengerichts gleich mit. Weil er bezweifelte, dass Sozialismus eine gute Sache sei, könne der Beklagte gar keinen Verrat an einer guten Sache begangen haben. Zudem untergrub er die Glaubwürdigkeit eines Zeugen „Professor Dr. Nix“.
Das Publikum in der Jahnhalle genoss die kurzweilige Verhandlung mit engagierten Buhrufen, Lachern und bisweilen tosendem Beifall. Aber der zuweilen boshafte Charme des Beklagten Steinmeiers verfing nicht an entscheidender Stelle, Narrenrichter Frank Bosch sprach, was Recht vor dem Narrengericht ist.
Südkurier wird wohl bekannt sein, dass es ...