Waren die drei Eimer jetzt viel oder wenig, die der Finanzminister Willi Stächele nach dem Urteil an das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stokken zahlen muss? Die Frage stellen sich nach diesem Schmotzige Dunschtig 2009 nicht nur Juristen, vor allem in Frauen und Fernsehzuschauerkreisen wird sein Auftreten diskutiert. Nicht selten macht sich die Überzeugung breit, Macho Stächele hätte einen Eimer Strafe mehr verdient. Drei Eimer Wein, so viel ist sogar Andrea Nahles 2008 aufgebrummt worden. Drei Eimer sind aber auch nur ein Eimer weniger als Ministerpräsident Günther Oettingers Strafe 2007.
Der Zotenreißer: Der Finanzminister bewies vor dem Narrengericht, dass er sich für keine Zote zu schade ist. Selbst wenn seine Frau Sabine Stächele im Publikum – und zugegeben als Zeugin der Anklage – sitzt. Es spricht der Herr Minister auf der Bühne: „Ohne Frau bist du wie ein Zirkus, der zu hat. Ohne meine Frau wäre ich nur ein Mann, der seine Ruh' hat.“ Diese Aussage könnte man grobungünstig falsch verstehen.
Der Ehefrauenbeschreiber: Nicht immer greift Willi Stächele zur Kurzversion. Um die Charakterfestigkeit seiner Frau zu beschreiben, braucht der Finanzminister drei Persönlichkeiten der Zeitgeschichte. Drei Männer. Seine Frau sei eine Mischung aus „Merz, Münte und Heinrich Lübke“.
Da muss Stächele aber wissen, was er seiner Frau in der Öffentlichkeit und vor einem Narrengericht zumuten kann, wenn er sie als Mixtur des CDU-Finanzexperten Erich Merz, des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering und des früheren Bundespräsidenten Heinrich Lübke (1959 bis 1969) taxiert. Selbst wenn Sabine Stächele mit den drei Herren die Heimat Sauerland gemein hat, nehmen wir hier unten in Südbaden doch an, ihr Englisch sei weitaus besser, als das von Heinrich Lübke je gewesen sein soll.
Der Weghörer: Mit der Eigenschaft des unverzagten Weghörens müssen Politiker gesegnet sein. Bei Willi Stächele ist diese Eigenschaft besonders ausgeprägt. Das beweist der Finanzminister bei Frauen und bei Männern. Die Nellenburgerin Sophie Schubert ließ sich das Nichthörenwollen von Willi Stächele beim Empfang im Bürgerhaus nicht länger gefallen. Sie wies bei ihrem Vortrag den Angeklagten zurecht: „Hallo, I schwätz mit Ihnen.“ Zu einem ähnlichen Vokabular griff Narrenrichter Wolfgang Reuther beim Urteilsspruch auf der Bühne der Jahnhalle. Er rüffelte den Finanzminister: „Hören Sie mir überhaupt noch zu?“
Der Spesenritter: Stächeles Neigung zum Geld ausgeben für den Eigennutz könnte den Bund der Steuerzahler noch beschäftigen. Wie will der Finanzminister die Reisekosten von rund 30 Finanzamtsvorstehern rechtfertigen, die eigens nur zu seiner gesanglichen Verteidigung vor dem Narrengericht aus ganz Baden-Württemberg eingeflogen sind? Da kommt was zusammen – Tagesgeld, Kilometergeld, Verzehrgeld. Da hätte Stächele besser freiwillig einen Eimer Wein mehr bezahlt, als nun der Finanzkasse das Auszahlen der Spesen an seine leitenden Beamten anzuweisen.