Stockach (jun) Weiße Hemden, bedruckt mit bunten Stickereien: In traditioneller Kleidung versammeln sich die 15 ukrainischen Schüler in der Cafeteria des Nellenburggymnasiums. "Eigentlich gehören noch weite rote oder blaue Hosen dazu", erzählt der 16-jährige Boris-Dariy Hontscharov. Der Schüler aus der Einheitsschule mit dem Namen "Schule 28" in der ukrainischen Stadt L'viv, zu deutsch Lemberg, besucht zusammen mit 14 Klassenkameraden zehn Tage lang 15 Elftklässler des Nellenburg-Gymnasiums.
"Am Wochenende waren sie bereits auf dem Affenberg in Salem, in Birnau, bei den Pfahlbauten in Unteruhldingen und im Meersburger Schloss", erzählt Schulleiter Michael Vollmer. Ein volles Programm erwartet die Schüler auch in den kommenden Tagen bis zu ihrem Rückflug am 28. September. Geplant sind Ausflüge nach Friedrichshafen ins Zeppelin-Museum, nach Konstanz, zur Insel Reichenau und sogar nach Stuttgart und in den Europa-Park Rust. Hinter der Organisation steckt hauptsächlich Hanneli Schott, Lehrerin am Nellenburg-Gymnasium.
Die gesammelten Erfahrung sollen in Arbeitsgruppen aufgearbeitet und inhaltlich vertieft werden. "Hierzu entwerfen die Schüler Landplakate, die am Freitag präsentiert werden", so Vollmer. Schon jetzt sammeln die ukrainischen Schüler viele Eindrücke und Erfahrungen: "Hier ist es toll, aber alles ist anders", erzählt Roman Lemko. "Vor allem das Essen." In der Ukraine falle das Frühstück üppiger aus, sagt er. "In Deutschland gibt es nur Brot mit Tee, Kaffee, Saft oder Milch."
Hintergrund des Schüleraustausches, der im Mai mit einem Besuch der damaligen Zehntklässler des Nellenburg-Gymnasiums in Lemberg begann, sind enge Kontakte, die der Stockacher Bürgermeister zu Land und Leuten in der Ukraine pflegt. "Ich lernte Rainer Stolz schon vor vielen Jahren kennen", erzählt Juri Kryworutschko, Schulrat der Schule 28. Gemeinsam beschlossen sie schließlich, den Schüleraustausch ins Leben zu rufen. Ziel sei es, die jeweils andere Kultur besser kennenzulernen, so die ukrainische Deutsch-Lehrerin Natalia Ananyeva. Untergebracht sind die Schüler bei den Familien der deutschen Elftklässler, die am Austauschprogramm teilnehmen.