Orsingen/Mannheim -
Seit Mitte April beschäftigt sich die Große Wirtschaftskammer am Landgericht Mannheim mit der Wahrheitsfindung in einem Kriminalfall, der die Protec Tierkörperverwertung in Orsingen betrifft. Durch die Zahlung verdeckter Provisionen soll dem Unternehmen, das von einem Zweckverband der Öffentlichen Hand getragen wird, laut Anklage beim Bau einer Nahwärmeanlage ein Schaden von rund einer Million Euro entstanden sein.
Geschäftsadresse im Grünen: Bei Protec in Orsingen werden Schlachtabfälle und tote Fundtiere aus Südbaden verarbeitet. Der Namen Protec steht für Protein-Technologie.
Bild: Peschges
Weitere 350 000 Euro Schaden sollen aus überhöhten Wartungsverträgen resultieren. Hauptangeklagter ist der Inhaber eines freien Ingenieurbüros, das mit der Auftragvergabe bei dem Projekt betraut war.
Nach dem Prozessauftakt im April und elf Verhandlungstagen im Mai und im Juni wurden inzwischen weitere 16 Termine angesetzt. Es lasse sich derzeit nicht absehen, wann mit dem Ende des Verfahrens gerechnet werden könne, informierte Christian Hirsch, Pressesprecher des Mannheimer Landgerichts, auf Anfrage dieser Zeitung. „In den kommenden Hauptverhandlungsterminen ist grundsätzlich die Vernehmung von Zeugen vorgesehen“, so Hirsch. Den Zeugen kommt eine besonders wichtige Bedeutung in der Gerichtssache Protec zu. Denn sämtliche Angeklagten haben sich seit Eröffnung der Hauptverhandlung weder zur Person noch zur Sache geäußert. Das sei das gute Recht der Beschuldigten, macht Peter Lintz, der Sprecher der Staatsanwaltschaft Mannheim deutlich. Er sagt aber auch: „Wenn man einen solchen Fall aufklären will und die Angeklagten wollen nichts dazu beitragen, dann wird das eine zähe Angelegenheit.“ Inzwischen hat sich die Zahl der Angeklagten bereits um zwei dezimiert. Saßen zu Beginn des Verhandlungsmarathons noch sieben Personen auf der Anklagebank, sind es jetzt nur noch fünf. Das Verfahren gegen einen Beschuldigten wurde wegen einer Erkrankung des Mannes abgetrennt. Das Verfahren gegen einen weiteren Angeklagten wurde nach Angaben des Gerichtssprechers eingestellt.
Gespannt beobachtet man auf Seiten von Protec Orsingen die Dinge. Der Zweckverband, dem elf südbadische Landkreise und der Stadtkreis Freiburg angehören und dessen Vorsitzender der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle ist, könnte die fraglichen 1,35 Millionen Euro gut gebrauchen. Immerhin sind gewisse Investitionen über Kredite finanziert. Nach Einschätzung des Verbandschefs sind die Chancen nicht besonders gut, dass „Schadensersatz realisiert werden kann“. Regressforderung könnten erst in einem Zivilverfahren im Anschluss an den Strafprozess gestellt werden.