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Stockach Narrengericht Stockach: Beklagter Dobrindt will sich nicht auf eine Obergrenze für Spatenstiche festlegen lassen

Im Interview vor der Verhandlung des Narrengerichts erwägt der Bundesverkehrsminister, bei besonderer Schwere der Schuld, den Bau einer Straße nach Wahl.

In die Verhandlung des Narrengerichts Stockach in der Jahnhalle will der Beklagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Kampfanzug kommen

Herr Dobrindt, bringen Sie einen Spaten zur Verhandlung nach Stockach mit? Immerhin ist der Spaten doch das ausgewiesene Werkzeug eines Bundesverkehrsministers!

Ich habe bereits im Vorfeld versucht, mit Millionenzuwendungen für die Region einer Vorladung vorzubeugen. Da diese Strategie nicht aufgegangen ist, bleibt der Spaten wohl auf absehbare Zeit in Berlin.

Wäre es nicht an der Zeit, dass die Bundesregierung eine gesetzliche Obergrenze für Spatenstiche einführt?

Wie Sie sicher wissen, sind Obergrenzen in Berlin aktuell schwer durchzusetzen.

Unser Vorschlag würde lauten: Für Bürgermeister maximal 5 Spatenstiche pro Jahr, Landesverkehrsminister 15 Spatenstiche pro Jahr und sagen wir für Bundesverkehrsminister 250 Spatenstiche pro Jahr.

Ich sehe hier keinen Bedarf, da der grüne Landes-Verkehrsminister schon mit drei Spatenstichen vollkommen überfordert ist. Da bräuchte es eher ein gesetzliches Minimum.

Apropos Ausrüstung, haben Sie sich schon Ihren Anzug für die Verhandlung in den Koffer gelegt? Bitte verraten Sie uns doch die Größe der Karos.

Auf jeden Fall Kampfanzug – mit Karos oder ohne. Aber ich lege mir vorsorglich ein Büßergewand raus.

Das soll unter Umständen einer der Anklagepunkte sein, Ihr modisches Auftreten. Sind Sie sich einer Nachlässigkeit bewusst? Haben Sie einmal vergessen, Ihre Brille zu putzen? Saß beim Spatenstich für den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße 33 vor Konstanz der Scheitel nicht exakt? Tragen Sie Gummistiefel?

Ich kleide mich seit Jahren – und das täglich. Sollte es dabei zu Nachlässigkeiten gekommen sein, übernehme ich selbstverständlich die volle Verantwortung. Wenn es allerdings um meinen Trachtenjanker geht, berufe ich mich in Stockach auf die Schutzbedürftigkeit ausländischer Kulturgüter.

Sind Sie sich einer anderen Schuld bewusst, etwa des zu sanften Umgangs mit dem politischen Gegner?

Ich teile Ihre Einschätzung, dass angesichts der Versäumnisse der Landesregierung ein weitaus rauerer Ton angemessen wäre. Aber die Grünen fahren ja schon ohne Gegenwind im Rückwärtsgang.

A nders herum gefragt: Warum haben Sie die Vorladung des Narrengerichts überhaupt angenommen?

Ich plane, nach dem Regierungswechsel im März in Baden-Württemberg wieder ungestraft einreisen zu können. Daher hatte ich keine Wahl.

Reden wir über Strafe. Mit dem Erscheinen vor dem Narrengericht haben Sie im Umkehrschluss quasi schon in das Begleichen einer Weinschuld eingewilligt. Das Alpenvorland, aus dem Sie kommen, ist für vieles bekannt – nur nicht für Wein. Können Sie überhaupt liefern?

Franz Josef Strauß durfte seine Schuld ja seinerzeit in Bier begleichen. Ich hoffe daher auf die Gnade des hohen Gerichtes, ebenfalls in bayrischer Währung bezahlen zu dürfen – Bier aus meiner Heimat und bei besonderer Schwere der Schuld der Bau einer Straße nach Wahl.

Nach Franz Josef Strauß sind Sie der zweite Bayer und das zweite CSU-Mitglied, der als Beklagter auserwählt worden ist. Sie gehen ohne Zweifel in die Narrengeschichte ein. Ehre oder Last?

Ganz klar: Eine große Ehre. Es ist von jeher so, dass einem das, was in Bayern als Auszeichnung gilt, im Ausland zum Vorwurf gemacht wird.

Mit Ihrem Dasein als Beklagter und als Bundesverkehrsminister dürften Sie – siehe Franz Josef Strauß 1979 – so ziemlich alles erreicht haben, was man sich als Politiker unter einer erstrebenswerten Karriere vorstellen kann. Oder gibt es noch einen Posten auf den Sie spekulieren?

Großartig wäre der erste Freispruch eines Bayern vor dem Stockacher Narrengericht.

 

Von Peißenberg nach Stockach und hier vors Gericht

Der Beklagte, die Verhandlung und die Öffentlichkeit

Zur Person: Alexander Dobrindt ist am 7. Juni 1970 in Peißenberg in Oberbayern geboren. Dobrindt ist verheiratet, hat seit 2012 einen Sohn, ist Mitglied im Schützenverein und Knappenverein Peißenberg. Seine Heimatgemeinde hat Dobrindt nur zum Studium Richtung München verlassen. Nach Abschluss als Diplomsoziologe (1995) war er bis 2001 Geschäftsführer eines Gerätebauunternehmens in Peißenberg. Seine politische Laufbahn begann 1986 mit dem Eintritt in die Junge Union, seit 1990 ist er Mitglied in der CSU. 2002 ist er erstmals in den Deutschen Bundestag gewählt worden. Von 2009 bis 2013 war Dobrindt Generalsekretär seiner Partei. Seit dem 17. Dezember 2013 ist er Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. (Quelle: Personenarchiv Munzinger).

Zur Verhandlung: Die Verhandlung beginnt am Schmotzige Dunschtig, 4. Februar, in Stockach in der Jahnhalle um 17 Uhr. Das Narrengericht verhängt seine Strafen üblicherweise in Eimern Wein österreichischen Maßes, ein Eimer Wein entspricht 60 Litern. In Ausnahmefällen werden Beklagte mit der Entrichtung anderer Getränke belastet. Das SWR Fernsehen zeichnet die Verhandlung auf und sendet sie gekürzt und zeitversetzt ab 20.15 Uhr am gleichen Tag. Der SWR will in diesem Jahr seine Sendung über das Narrengericht um 45 Minuten erweitern. Schwerpunktthema sollen dabei die besten Ausreden der vergangenen Jahre sein. Karten gibt es noch im Kulturzentrum Stockach und per E-Mail unter karten@narrengericht.de. Auch soll es noch einen Restposten an der Abendkasse geben.

Dobrindt in der Öffentlichkeit: Ab 13 Uhr wird der Beklagte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt der breiten Öffentlichkeit im Brauchtumsblock ab 13 Uhr vor dem Bürgerhaus Adler Post in der Hauptstraße präsentiert. Der Beklagte läuft beim Umzug mit und wird zum Narrenbaumstellen gerufen.

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