Ein gutes Gespür für Themen, treffsichere Pointen, viel Musik und eine gelungene Moderation haben den bunten Abend des Stockacher Narrengerichts geprägt. Dabei setzten unter dem Motto „Willkommen auf Schloss Narrenstein“ die Nachwuchsmagier Thomas Drews und Dominik Mutzel als neue Moderatoren erfrischende Akzente, die „alten“ Stamm-Zauberer Rainer Vollmer und Michael Zehnle mussten auf der Bühne neben altersgerechten Leiden einiges aufbieten, um sich dem jugendlichen Elan zu erwehren.
Das Publikum im Bürgerhaus Adler Post vergnügte sich am Schlagabtausch der beiden Moderatoren-Teams, die den langen, über viereinhalb Stunden gehenden Abend sicher zum Schlussvorhang geleiteten.
Drei Personen der aktuellen Stockacher Stadtgeschichte bekamen mal mehr, mal weniger, ihr Fett weg. Thomas Warndorf, Ankläger im Narrengericht und im Hauptberuf Kulturamtsleiter der Stadt, muss den Spott beim Sketch Stadtführung ertragen: „Mein Name ist Warndorf, ich weiß Bescheid.“ Damit ist er im Zweifel besser durch die närrische Bleiche gekommen als der Bürgermeister der Stadt: „Mein Name ist Stolz, und wenn es darauf ankommt, weiß ich aber auch gar nichts.“ Doch einer ließ die beiden in der Nennungshäufigkeit weit hinter sich. Die Person, mit der sich die Mitwirkenden beim bunten Abend am häufigsten auseinandersetzten, war Wolfgang Reuther. Dessen Karriere vom Narrenrichter zum Landtagskandidat beflügelte die Bühnenphantasien.
Das tat auch die Kreiselplastik „Das Tor zum Bodensee“. Kuony-Darsteller Roland Drews baute vor diesem Bühnenbild eine Zollschranke auf und bemerkte trocken: „Was noch fehlt, ist so ein Edelstahlgöppel wie in der Stadt.“ Mit einem beherzten Augenaufschlag und gewagten Frisuren bezirzten Manuela Elsner, Petra Maier-Haenert und Jeannette Schindler das Publikum. Gruselig grotesk nahmen die Narren im „magischen Zauberlabor“ das Stadtgeschehen auf die Schippe. Ulf Wieczorek schnarrte die Pointen kalt und schneidend dazwischen, er wirkte als blutleerer Mönch wie eine entsprungene Figur aus Umberto Ecos historischem Roman „Der Name der Rose“.
Bestnoten verdienten sich im Bürgerhaus Adler Post die Musiker der Stadtkapelle unter der Leitung von Jochen Fischer. In der Pause spielten sie sogar schon eine aktuelle Blasmusikversion von Lenas Eurovisionshit „Satellite“. Im Schloss Narrenstein war man nicht von gestern.
Alles zur Fasnacht 2011 im Dossier
Bunter Abend Narrengericht 1
Bunter Abend Narrengericht 2