Stockach Musikalischer Widerstand gegen Fracking

Bei einer Protestaktion auf dem Bauernhof von Karl Keller in Selgetsweiler informierte der BUND über die Risiken der Erdgasfördermethode Fracking.

Wenn an einem Samstag Vormittag im Oktober, einer der arbeitsreichsten Tage auf dem Land, um 11 Uhr rund 50 Hohenfelser Bürger an einer Protestaktion gegen Fracking teilnehmen, zeigt dies, wie besorgt die Menschen über die umstrittene Bohrmethode zur Erdgasförderung sind. Daniela Jage vom Vermessungsbüro Hohenfels hat die Aktion des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) mit organisiert, Bio-Landwirt und Gemeinderat Karl Keller hat seinen Hof als Treffpunkt zur Verfügung gestellt. Plakate mit der Aufschrift „Bohrt in Euren Nasen, aber nicht auf unserem Rasen“ oder „Stoppt Fracking“ zeigten den Unmut über diese umstrittene Gasfördertechnik. Nicht nur in Hohenfels fürchten die Menschen um Gesundheit, Grund- und Trinkwasser.

Weltweit gab es am Samstag Protestaktionen gegen diese Form der Erdgasförderung, die wegen des dafür verwendeten Chemiecocktails als gefährlich gilt. Bereits vor fünf Jahren gab es auch für den Bereich Bodensee-Oberschwaben vom Bergamt in Freiburg drei Aufsuchungserlaubnisse. Das Bergamt gehört zum Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) im Regierungspräsidium. Die Firma Parkyn Energy Germany/Rose Petroleum plant für dieses und nächstes Jahr seismische Untersuchen auf verschiedenen Linien zwischen Bodensee, Biberach und Iller. Wie und wo diese Linien verlaufen, zeigte die BUND-Gruppe Pfullendorf anschaulich auf einer Landkarte.

Auch der Hohenfelser Bürgermeister Andreas Funk beteiligte sich an dieser Aktion, denn bereits 2012 sprach sich der Gemeinderat einstimmig gegen das Fracking-Verfahren der unkonventionellen Erdgasgewinnung aus, sowohl auf Hohenfelser Gemarkung wie auch generell. Eine klare Absage erteilte damals die Gemeinde in der Resolution den Proben und Explorationsbohrungen, da Trink- und Grundwasser wie auch die Gesundheit der Menschen gefährdet seien. Anna-Maria Waibel vom BUND Pfullendorf engagiert sich im Vorstand und kam mit der Musikgruppe Sonderbare Einsatzkapelle (SEK) unter Leitung von Christoph Betz. Auf der Melodie „Auf der schwäb'sche Eisebahn“ wies die Gruppe mit 21 Liedstrophen und zehn Schaubildern auf die Gefahren für Mensch und Umwelt durch Fracking hin. Alle Gäste erhielten die Liedtexte, und klang auch die Melodie fröhlich, der Inhalt war es keinesfalls. Denn wer möchte schon Chemikalien im Grundwasser, im Tee und Kaffee? Oder dass bei den Bohrungen die Erde bebt und so manches Haus wackelt? Wer will eine Flamme aus dem Wasserhahn schießen sehen, wenn man ein brennendes Streichholz an das dort ausströmende Gas hält? Die Aktion kam bei den Menschen an.

Die Aktionsgruppe informierte die Gäste zum geplanten Gesetzesentwurf zum Thema Fracking, bei dem es kein absolutes Verbot geben solle. Laut Entwurf soll ab einer Tiefe von 3000 Meter Fracking überall durchgeführt werden können. Je tiefer gebohrt würde, desto gefährlicher sei es, da die Probleme wie die des Lagerstättenwassers blieben, warnten die Organisatoren der Protestveranstaltung. Sie forderten die Besucher darüber hinaus auf, die Regionalgeschäftsstelle des BUND anzurufen, sollte man die riesigen seismischen Untersuchungsfahrzeuge der Firma Parkyn Energy Germany/Rose Petroleum sichten. Mit schnellen Protesten solle dann die weit verbreitete Meinung der Menschen in der Region zum Ausdruck gebracht werden. Die Telefonnummer der Regionalgeschäftsstelle Bodensee-Oberschwaben lautet (07581) 84 07.

Die Fördermethode

Fracking ist eine umstrittene Bohrtechnik, bei der teils hochgradig giftige chemische Substanzen, Wasser und Sand in Gesteinsschichten in einer Tiefe von über 3000 Meter gepresst werden. Dadurch werden diese Gesteinsschichten aufgebrochen (gefrackt), um an den Rohstoff Gas zu gelangen. Bisher kommt diese Art der Erdgasförderung vor allem in den USA zum Einsatz.

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