Die Klageschrift des Hohen Grobgünstigen Narrengerichts zu Stocken ist längst verfasst und versandt. Finanzminister Willi Stächele wirkt gefasst, angesichts der drohenden Verurteilung.
Im Stress um die nicht minder heiklen aber umso aktuelleren Verhandlungen um Schloss Salem nimmt er sich Zeit für ein Interview mit der Stockacher Redaktion des SÜDKURIER.
Herr Stächele, das Hohe Grobgünstige Narrengericht hat sie zur Verhandlung am Schmotzigen Dunschtig in Stockach vorgeladen. Wissen Sie schon welcher Vergehen Sie bezichtigt werden?
Ich kenne die Anklageschrift, weiß aber trotzdem nicht, was mir vorgeworfen wird. Der Kläger scheint sich in seinen Wortspiralen verheddert zu haben. Im Grunde genommen wird mein bisher ehrbarer Lebenswandel bestätigt!
Die Vorladung erhielten sie bereits als Europaminister. Inzwischen sind sie Finanzminister und als solcher mit viel Geld und wenig Freunden gesegnet. Hoffen sie auf einen Deal mit dem Narrenrichter, um sich frei zu kaufen?
Natürlich hat der Finanzminister immer einen Finanzköder in der Hinterhand. Lassen Sie sich überraschen!
Selten hat ein Beklagter vor der Verhandlung mehr Gelegenheit gehabt, Fluchtmöglichkeiten auszukundschaften. Haben Sie schon einen Rückzugsplan?
Ich setze nicht auf Rückzug, sondern auf Angriff. Wenn es eng wird, genügt der laute Schrei: „Auf der Nellenburg gibt's Freibier“, und das ganze „hohe Gericht“ ist auf dem Berg – daher kommt wohl der Name.
Fürchten Sie dabei, in die bereits mit Hilfe der Breitband-Sondermittel gezogenen Gräben um Stockach zu stolpern?
Ich habe das Geld dafür geschickt. Deshalb bin ich sicher, man wird mich in Stockach mit einem Triumphzug durch die Breitbandgräben empfangen. Am Rand werden Mädchen stehen und Blumen werfen. Am Ende werde ich dann zum Ehrenbürger gemacht: Mit einem Orden am breiten Band!
Etliche bereits Verurteilte kennen Sie ja persönlich. Von wem holen Sie sich Tipps zur Verteidigung?
Nicht von meinem Chef, denn ich will einen Freispruch!
Ministerpräsident Oettingers Intonation des Badner-Liedes hat strafmildernd gewirkt. Was dürfen wir von Ihnen als Mitglied der Pop-Akademie des Landes musikalisch erwarten?
Mitglied der Pop-Akademie bin ich ja jetzt nicht mehr. Als Finanzminister werde ich möglicherweise Tresore knacken lassen! Für das Badner-Lied brauch ich keinen extra Auftritt – das habe ich ständig auf den Lippen!
Ihr Chef hat ebenfalls in närrischem Überschwang einst verraten, dass sie einmal ihre Frau auf der Raststätte vergessen haben. Von wem holen Sie sich Tipps zu den attraktivsten Raststätten der Region, falls ihre Frau in diesem Jahr nicht der Verhandlung beiwohnen möchte?
Den Verhandlungsort Jahnhalle kenne ich noch von meinem Besuch im letzten Sommer. Gegen deren Charme hat jede Ratstätte die Aura eines Luxushotels. Davon abgesehen: Es kommt immer mal wieder ein Kamel, das das Gras, das über diese Geschichte gewachsen ist, wegfrisst! Meine Frau wird der Verhandlung beiwohnen und auf einen Schuldspruch hoffen!
Sie sind für deutliche Worte bekannt und haben als närrischer Islamkritiker bereits bundesweite Schelte geerntet. Dürfen auch die Stockacher Zeugen der grobgünstigen Verhandlung auf deutliche Worte gespannt sein?
Mein alemannischer Dialekt wird mit seiner Präzision und Klarheit für viele zur intellektuellen Herausforderung.
Deal – oder kein Deal: Bislang konnte kein Beklagter – nicht einmal Saarlands Ministerpräsident Peter Müller – ohne Zahlung etlicher Liter Wein die Narrenstadt wieder verlassen. Welche Tropfen werden sie dem Stockacher Narrengericht in diesem Jahr empfehlen?
Das kommt auf das Narrengericht an – zwischen Spätburgunder und Trollinger!
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