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Stockach Milan muss nicht unter Windrad leiden

Nabu und BUND unterstützen die Windkraft als Teil der Energiewende. Die Kreis-Chefs der beiden Organisationen erklären, wie Windkraft und Artenschutz vereinbar sein können.

Der Bau von Windkraftanlagen ruft immer wieder Gegner auf den Plan. Ein häufig angeführtes Argument: Die Population an Rotmilanen werde durch die großformatigen Windräder gefährdet. Schützenhilfe für die Unterstützer der Windkraft kommt jetzt aus unerwarteter Richtung. Thomas Körner ist Geschäftsführer des Bezirks Donau-Bodensee des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). Eberhard Koch ist Kreisvorsitzender des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für den Kreis Konstanz. Körner und Koch legen im Gespräch mit dem SÜDKURIER dar, dass es sehr wohl Lösungen für Artenschutz und Windkraft gibt.

Der Tenor ihrer Ausführungen: Man muss die Windkraft so gestalten, dass der Artenschutz dabei nicht gefährdet wird (siehe nebenstehender Erklärtext). „Keiner will Atomkraft, Kohleverstromung geht auch nicht“, sagt etwa Thomas Körner. Und: „Ohne Windkraft wird die Energiewende nicht gehen“, sagt Eberhard Koch. Denn Windkraft sei derzeit die preiswerteste alternative Energie, so Koch – und unkompliziert umzusetzen, sagt Körner, man brauche nur Beton, Stahl und einen Motor. Auch wenn Solarenergie mittelfristig das größere Potential habe (Koch), brauche man für Windenergie kein Silizium (Körner). Biogas hat in den Augen der beiden Verbands-Chefs nur den Status einer Übergangstechnologie, weil für nennenswerte Erträge die Fläche für den Rohstoffanbau fehlen würde. Und dezentrale Wasserkraftwerke würden im Gegensatz zu ihrem Ertrag große Eingriffe in die Natur notwendig machen, so Eberhard Koch.

Ohne Windkraft geht es also nicht. Deswegen ärgern sich beide über Abstimmungsergebnisse, wie sie etwa vor einigen Wochen im Ortschaftsrat des Stockacher Ortsteils Wahlwies ergangen sind – auf Antrag des FDP-Ortschaftsrats- und Kreistagsmitglieds Oliver Kuppel. Das Gremium hatte eine ablehnende Stellungnahme zum Teilflächennutzungsplan für Windenergie der Verwaltungsgemeinschaft Singen, Rielasingen-Worblingen, Steißlingen und Volkertshausen abgegeben. Diesem Plan zufolge sollte das Gebiet Kirnberg / Roßberg, das zwischen Wahlwies und Steißlingen liegt, als Standort für Windkraftanlagen weiter verfolgt werden.

Das sei eines der Gebiete im Landkreis, in denen die Windkraft am wenigsten in Konflikt mit dem Artenschutz komme, sagt Körner dazu. Und Koch stellt einen Masterplan für die Installation von Windrädern im Landkreis vor. Man sollte diese an drei sehr guten Standorten im Kreis konzentrieren. Neben Kirnberg/Roßberg wären das die Stettener Höhe an der westlichen Kreisgrenze und Verenafohren bei Wiechs am Randen. An jedem dieser drei Standorte jeweils drei Windräder zu installieren, hätte aus Sicht der Naturschutzfachleute mehrere Vorteile: Nur 0,5 Prozent der Kreisfläche wären betroffen, den Rest könnte man für den Artenschutz freihalten, sagt Koch. Und die Windenergie würde dezentral bleiben, ohne flächendeckend vertreten zu sein: „Kohlekraftwerke stehen ja auch nicht in jeder Gemeinde“, merkt Thomas Körner dazu an. Den beiden Naturschützern ist es wichtig, dass die Energiewende dezentral erfolgt: „Die Bürger sollen es in der Hand halten und nicht die Großkonzerne, die bisher die Bremser waren“, so Koch.

Und er erklärt weiter, dass Windkraft hierzulande zu installieren auch die Leitungen aus dem Norden Deutschlands entlasten würde.

Es gibt übrigens noch ein weiteres Argument von Windkraftgegnern, das die beiden Naturschutz-Profis mit ihrer Idee für drei Windparks im Landkreis zu entkräften hoffen, nämlich das des übergroßen Eingriffs in die Landschaft. Koch: „Es gibt keine Infrastruktur ohne Preis.“ Körner: „Im Vergleich zu einem Gewerbegebiet ist ein Windrad eine recht kleine Anlage.“

Körner und Koch müssen allerdings auch zugeben, dass nicht alle Mitglieder ihrer jeweiligen Verbände ihre Haltung zur Windkraft teilen: „Wenn jemand jahrzehntelang Artenschutz betrieben hat, ist es nicht leicht, das Ganze zu sehen“, formuliert es Eberhard Koch. Allerdings hätten beide Landesverbände sich mit Mehrheitsentscheidungen der Basis für die Windkraft ausgesprochen – auch wenn es ein recht mühsamer Prozess gewesen sei, sich dazu durchzuringen, wie Koch sagt.

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