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Stockach Krankenhaus Stockach: „Unser Haus hat eine Zukunft“

Am roten Tisch: Geschäftsführer Martin Stuke glaubt an eine Zukunft des Krankenhauses Stockach: „Mit einem großen Partner“

Geschäftsführer Martin Stuke bleibt am roten Tisch dabei: Mit einem großen Partner werde das Krankenhaus Stockach auch weiter eine Zukunft haben.
Geschäftsführer Martin Stuke bleibt am roten Tisch dabei: Mit einem großen Partner werde das Krankenhaus Stockach auch weiter eine Zukunft haben. | Bild: Bild: bec

Herr Stuke, wie sicher ist denn Ihr Arbeitsplatz als Geschäftsführer im Krankenhaus Stockach?

Nach der Unterstützung der Fraktionsspitzen des Gemeinderats und Bürgermeister Rainer Stolz zum Fortbestand des Krankenhauses Stockach ist der Arbeitsplatz als Geschäftsführer in Stockach auch nach der Kreistagssitzung vom 21. Juni gesichert.

Ihnen macht das Gutachten keine Angst?Ich bin seit 1983 im Gesundheitswesen auf verschiedenerlei Positionen, ich kenne die Diskussion um die Kreisstruktur hier im Landkreis Konstanz seit Anfang der neunziger Jahre.

Wenn die Gutacher ihren Auftrag, der besagt hat, dass die Krankenhausstandorte bestehen bleiben sollen und abzuklären ist, welches Leistungsspektrum an welchem Standort zu erbringen ist, nachgearbeitet haben, dann werden die Standorte Radolfzell, Stockach und Engen bestehen bleiben können.

Was können Sie den 99 anderen Mitarbeitern im Krankenhaus Stockach sagen? Sollen sie sich in anderen Häusern bewerben oder einfach gelassen der Diskussion entgegenblicken?

Ich habe die Mitarbeiter über die Kreistagsitzung informiert und ihnen mitgeteilt, dass Gemeinderat und Bürgermeister sich eindeutig für dieses Haus erklärt haben und wir mit einem großen Partner eine Zukunft haben werden. Wir haben uns gut aufgestellt, auch in Zusammenarbeit mit dem Klinikum Konstanz.

Gesetzt der Fall, so ein Haus müsste geschlossen werden: Kann man Krankenschwestern, Techniker, Chefärzte einfach so entlassen oder wie soll das denn überhaupt funktionieren, wenn man ein Haus schließt?

Ich gehe nicht davon aus, dass das Haus geschlossen wird. Wir haben 100 Beschäftigte, die haben alle Arbeitsverträge. Der Akutstatus unseres Hauses stellt die Versorgung ortsnah für die Bevölkerung in einem Einzugsbereich von 33 000 Einwohnern rund um die Uhr sicher. Seit 2004, dem Beginn der gemeinsamen Trägerschaft mit Konstanz, sind die Leistungszahlen in Stockach von 2100 auf jetzt 2450 Operationen gestiegen. Das ist auch der Tätigkeit von Dr. Renz in seinem Schulterzentrum mit 450 Operationen zu verdanken oder dem Neurochirurgen Dr. Panzer mit 50 Operationen.

Wie viele Betten hat Stockach?

Stockach hat aktuell 70 Betten. In Baden-Württemberg verzeichnen wir eine durchschnittliche Verweildauer der Patienten von acht Tagen, Stockach selbst hat eine Belegungsdauer von fünf Tagen.

Wird das Stockacher Haus im Konkurrenzkampf zwischen Singen und Konstanz aufgerieben?

Konstanz wie Singen haben ein vollkommen identisches Leistungsspektrum. In Singen ist eine neue Kinderklinik gebaut worden, es ist eine Strahlentherapie gebaut worden, obwohl in Konstanz vorhanden. Es sind Chefärzte in der Urologie in Singen und in Konstanz frisch besetzt vorhanden, es sind die Kinderklinikchefärzte neu besetzt worden, es ist eine gleichwertige Situation. Unser Part der Grundversorgung dürfte nicht tangiert sein.

Gemeinderat und Bürgermeister glauben an eine Zukunft mit einem starken Partner. Muss dies zwangsweise die Spitalstiftung in Konstanz sein?

Wir haben einen Gesellschaftsvertrag mit dem Klinikum in Konstanz, die Spitalstiftung hat eine Beteiligung von 51 Prozent. Konstanz profitiert sehr stark in der Zusammenarbeit. Das sind die Patientenzuweisungen, die alleine einen Betrag von 853 000 Euro ausmachen. Ich habe jetzt im Moment keine Anzeichen dafür, dass diese Partnerschaft in Frage gestellt wird. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Gesellschaftsvertrages ist ja, dass der Akutstatus in Stockach erhalten bleibt. Würde dieser Versorgungs-Status in Frage gestellt, müssten wir uns nach einem anderen Partner umschauen.

Gäbe es überhaupt andere Partner? Die Privaten sagen doch selber, sie wollen keine so kleinen Häuser mehr.

Da gibt es sicherlich Partner. Es gibt in der Nähe gut erreichbare und leistungsfähige kommunale Kliniken, auch im Verbund mit Krankenhäusern der Grundversorgung, die als Kooperationspartner in Frage kommen.

Geben Sie eine persönliche Einschätzung: Wie geht das Ringen um die Krankenhauslandschaft im Kreis Konstanz aus?

Man muss erst mal schauen, was ist die Ursache gewesen. Auslöser war die Krise der Hegau-Bodensee-Hochrhein-Kliniken, und diese war wiederum ausgelöst durch Einrichtungen am Hochrhein. Das von den Gutachtern vorgelegte Denkmodell gehört dem Grunde nach in den Papierkorb. Ich denke, die beiden Gesellschaften in Konstanz und Singen können, wenn die Träger es wollen, mit ihren bestehenden Häusern in Stockach, Radolfzell und Engen bestehen. Sie sollten dann aber zu abgestimmten Leistungsschwerpunkten kommen. Das wird nicht einfach.

Man könnte den Eindruck gewinnen, die Einzigen, die im Moment gutes Geld im Gesundheitswesen verdienen, sind Gutachter?

Das Gesundheitswesen unterlag schon immer permanent Reformen und Veränderungen und war immer gut für Gutachter. Aber dass sie für das im Kreistag vorgelegte Gutachten einen sechsstelligen Betrag bekommen, halte ich für überzogen.

Fragen: Georg Becker

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