Stockach Handymast-Gegner: Blutwerte als letzte Hoffnung
So könnte der Mobilfunksendemast am Heideweg aussehen. Die Fotomontage zeigt das Landschaftsbild mit dem Gittermast aus Blickrichtung Haldenösch. Montage: Protestgemeinschaft
Stockach – Erst vor wenigen Wochen hatte der Mobilfunk-Betreiber O2 von der Stadtverwaltung Stockach die Baugenehmigung für den umstrittenen Sendemast beim Wasmer-Hof am Heideweg erhalten. Somit steht nach monatelangen Protesten fest: Der Mast wird auf jeden Fall gebaut. In der vergangenen Woche trafen sich deshalb Vertreter der Protestgemeinschaft „Kein Handymast am Heideweg“ mit Anwohnern und der Bürgerinitiative Strahlungsarmes Stockach (BISS). In erster Linie sollten die Anwohner über den Stand der Dinge unterrichtet werden.
Bei dem Treffen sei die schlechte Informationslage der Anwohner deutlich geworden, meint Uwe Hartmann von der Protestgemeinschaft „Kein Handymast am Heideweg“: „Viele Anwohner waren schockiert, wie hoch der Mast wird“. Ein Großteil hätte nicht gewusst, dass der 20 Meter hohe Turm als Gittermast gebaut werden soll. Auch die Sorgen der Gegner wurden nochmals zum Ausdruck gebracht. Laut einer Pressemitteilung der Protestgruppe „Kein Handymast am Heideweg“ befürchten die Anwohner eine weitere Nutzung des Mastes durch andere Mobilfunkbetreiber. Dessen geplante Bauart biete genügend Platz für weitere Sendeanlagen. Viele könnten auch nicht verstehen, warum der Mast in unmittelbarer Nähe zu Wohn- und Landschaftsschutzgebiet gebaut werden dürfe. Besonders die Anwohner mit direkter Sicht auf den Mast befürchteten erhebliche Wertminderungen ihrer Immobilien und schädigende Einflüsse auf ihre Gesundheit.
Über 4000 Unterschriften gegen die Mobilfunkstation seien mittlerweile in Stockach gesammelt worden, informiert die Protestgemeinschaft. Nach wie vor appellierten BISS und die Anwohner an die Familie Wasmer und O2, das Projekt doch noch zu stoppen. Nachdem allerdings die Baugenehmigung erteilt ist, haben sich auch die Gegner offenbar mit dem Bau des Sendemastes abgefunden. „Es gibt keine Möglichkeit mehr, den Bau zu verhindern“, meint Uwe Hartmann. Die Protestgemeinschaft rechnet damit, dass der Bau des Mastes in den nächsten Monaten beginnt.
Die letzte und einzige Hoffnung, den Betrieb der Mobilfunkstation zu stoppen, sind die Blutuntersuchungen der Anwohner. 49 Personen, vom Kind bis zum Rentner, haben in den vergangenen Wochen Blut- und Urinproben abgegeben sowie umfangreiche Fragebögen ausgefüllt. Die Proben wurden in einem Speziallabor in München analysiert. Mit Hilfe einer zweiten Untersuchung sollen die schädlichen Auswirkungen von elektromagnetischer Strahlung auf die Gesundheit nachgewiesen werden. Nach Angaben von Thomas Klötzer, Sprecher der Protestgemeinschaft „Kein Handymast am Heideweg“ soll nach dem Bau des Mastes noch zwei Monate gewartet werden. Dann sollen die Teilnehmer an der Langzeitstudie, deren Ergebnisse auch in eine unabhängige, deutschlandweite Studie einfließen, ein zweites Mal ihr Blut untersuchen lassen. Für den Fall, dass sich dann im Blutbild der Probanden gesundheitsschädliche Auswirkungen durch den Mobilfunkmast am Heideweg nachweisen lassen, wolle man weitere rechtliche Schritte einleiten. Parallel zu den Blutuntersuchungen hat ein fachkundiger Baubiologe die Elektrosmogbelastung in den Häusern der Probanden gemessen.
Auch diese Messungen sollen nach Inbetriebnahme des Mobilfunkmastes wiederholt werden. Die Ergebnisse der Blutuntersuchung und der Strahlenmessung könnten dann nachträglich als Begründung für den Widerspruch gegen die Baugenehmigung vorgelegt werden.
Der Widerspruch als solcher ist auch ohne Begründung möglich, hat allerdings keine aufschiebende Wirkung, das heißt er kann den Bau der Mobilfunkstation nicht verzögern. Bis zum 11. August hat das Protestbündnis Zeit, von ihrem Widerspruchsrecht Gebrauch zu machen. Dazu ist allerdings noch die Zustimmung weiterer Betroffener notwendig. „Die am Abend da waren, haben das Okay gegeben“, sagt Thomas Klötzer. Allerdings sei man auf eine breite Unterstützung angewiesen. „Denn in dem Moment, wo wir Widerspruch einlegen, wird es teuer.“
