Stockach Ex-Außenminister vor Narrengericht
Beklagter in Stockach: SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Bild: Bild: dpa
Ein Umstand müsste Frank-Walter Steinmeier trösten: Wer als Beklagter vor das Hohe Grobgünstige Narrengericht in Stockach zitiert wird, hat seine Karriere meist noch vor sich. Das könnte den Fraktionsvorsitzenden und Spitzenkandidaten der SPD in der Bundestagswahl 2009 entspannt stimmen.
Am Mittwoch vor Dreikönig ist er 55 Jahre alt geworden. Das ist für einen Politiker selten der Lebensabschnitt, in dem er mit dem Vorruhestand rechnet. Steinmeier kann auf eine beachtliche Postenreihe zurückblicken: Chef des Bundeskanzleramts, Außenminister, Vizekanzler.
Aber gerade diese Karriere, vor allem die Nähe zu SPD-Alt-Kanzler Gerhard Schröder und seine Beteiligung an der Hartz-IV-Reform bietet den Stockacher Gerichtsnarren Stoff für die Verhandlung am Schmotzige Dunschtig am 3. März. Ankläger Thomas Warndorf formuliert schon einmal süffisant die Frage, auf die alles hinauslaufen könnte: „Gibt es die SPD überhaupt noch und wenn ja, warum?“
Dass diese Frage gerade in diesem Jahr gestellt wird, liegt an einem Narren, der seine Narrenrichterwürde gegen die Politik eingetauscht hat. Wolfgang Reuther (47) hat im vergangenen Frühjahr das CDU-Mandat für die Landtagskandidatur im Wahlkreis Singen-Stockach erobert. Die Landtagswahl in Baden-Württemberg folgt am 27. März. Eine ungeschriebene Regel in Stockach lautet, im Jahr der Landtagswahl darf kein Landespolitiker vor dem Narrengericht angeklagt werden. Eine zweite Regel gab der neue Narrenrichter Frank Bosch aus. Es solle nicht der Anschein erweckt werden, das Narrengericht wolle Wolfgang Reuther mit der Verhandlung in seiner Kandidatur unterstützen. Also blieb nur die Wahl eines Prominenten, der nicht der CDU angehört. Bei den Beratungen von Narrenrichter Bosch, Kläger Warndorf und Fürsprech Michael Nadig kam als Wunschbeklagter Ex-Außenminister Frank-Walter Steinmeier heraus.
Dass Frank-Walter Steinmeier im Sommer mit seiner Nierenspende an seine Frau Elke Büdenbender neue Popularität zugewachsen ist, nimmt das Narrengericht zur Kenntnis, habe aber keinen Einfluss auf die Entscheidung gehabt. Frank Bosch: „Herr Steinmeier hat uns schon vor Bekanntgabe der Transplantation zugesagt.“ Das Thema soll in der Verhandlung keine Rolle spielen. Das Narrengericht verfolgt nur ein Ziel, den Beklagten Steinmeier zu einer Weinstrafe zu verurteilen.
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