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Stockach/Hegau Einbruchserie in der Region: Unterstützer zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

Zwei von drei Unterstützern einer Einbrecherbande sind vor dem Landgericht Konstanz zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die vierköpfige Bande soll für rund 100 Einbrüche in der SÜDKURIER-Region verantwortlich sein.

Wegen Beihilfe zum schweren Bandendiebstahl in 25 Fällen hat das Landgericht Konstanz einen 49-jährigen Mann aus Singen zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Über einen 24-jährigen Mitangeklagten verhängte das Gericht drei Jahre Haft. Dem ebenfalls angeklagten 26-jährigen Sohn des 49-Jährigen konnte das Gericht nur die Beihilfe zu einem Diebstahl nachweisen. Er kam mit einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 30 Euro davon. Das Urteil ist momentan noch nicht rechtskräftig.

Für das Gericht stand nach mehreren Verhandlungstagen fest, dass zumindest die beiden Hauptangeklagten Ende vorigen Jahres mehrere Wochen lang eine serbische Einbrecherbande unterstützt haben. Sie stellten ihnen ein Fahrzeug und eine Unterkunft zur Verfügung und fuhren die ortsunkundigen Täter zu den Einsatzorten. Die aus vier Männern bestehende Bande soll für eine Serie von rund 100 Einbrüchen im Hegau, im Bodenseekreis und im Raum Stockach verantwortlich sein. Nur ein Bandenmitglied konnte inzwischen festgenommen werden. Allein in den jetzt verhandelten Fällen entstand ein Gesamtschaden von rund 100¦000 Euro.

Der 24-jährige Angeklagte hatte von Anfang an eingeräumt, den Männern mit Chauffeur- und Lotsendiensten geholfen zu haben. Und er belastete insbesondere den 49-jährigen Mitangeklagten schwer. Dieser behauptete fast bis zuletzt, nichts von den kriminellen Aktivitäten der Leute mitbekommen zu haben.

Er habe sie nach einem Anruf seines Neffen aus Italien aus Gastfreundschaft in seinem Haus aufgenommen.

"Die wollten sich nach günstigen Autos umsehen", sei ihm gesagt worden. Tatsächlich bezahlten seine Gäste für Unterkunft und Mahlzeiten. Schon wenige Tage nach ihrer Ankunft brachten sie von "einem Ausflug" in den Raum Stockach einen Tresor mit, den sie im Keller des Hauses in Singen aufbrachen. Er enthielt Schmuck im Wert von rund 7000 Euro. Der 49-Jährige behauptete, er habe nichts von Herkunft und Inhalt des Tresors gewusst und die Männer aufgefordert, ihn sofort im Steißlinger See verschwinden zu lassen. Das taten sie dann auch.

Im Laufe des Prozesses entschuldigte der Mann sich bei jeder und jedem einzelnen Geschädigten, die vor Gericht aussagen mussten: "Es tut mir sehr leid für Sie, aber ich habe nichts damit zu tun." Später gab er zu, dass er irgendwann Verdacht geschöpft habe. Da die Männer ihm aber gedroht hätten, habe er aus Angst keine Polizei eingeschaltet.

Der 24-jährige Mitangeklagte demontierte schließlich in seiner Aussage seinen Kollegen. Dieser sei unter anderem dabei gewesen, als die Bandenmitglieder in seinem Haus gestohlenen Goldschmuck gewogen hätten. Und er habe ihnen gegenüber gefordert, auf keinen Fall im Stadtgebiet Singen einzubrechen. Fest stand auch, dass der Gastgeber exakt für den Tatzeitraum Ende vorigen Jahres das Einsatzfahrzeug auf seinen Namen angemeldet hatte. Der Wagen wurde auf seinem Grundstück versteckt abgestellt.
Einen Teil der Verluste und der entstandenen Sachschäden haben die Versicherungen der Einbruchsopfer inzwischen ersetzt. Aber Erinnerungs- und Erbstücke, an denen sie hingen, sind für immer verloren. Der erbeutete Goldschmuck werde meist eingeschmolzen und diene den Tätern als "Verbrecherwährung", erklärte der Vertreter der Staatsanwaltschaft während der Verhandlung.
 
 
Weiterer Tresor gefunden

Am zweiten Prozesstag tauchte ein weiterer Tresor auf, den die Polizei im Regenrückhaltebecken von Singen gefunden hatte. Er wurde vor Gericht in Augenschein genommen. Man vermutet, dass er aus einem bislang ungeklärten Einbruch im Raum Schaffhausen stammt. Ob die jetzt verurteilten Männer etwas damit zu tun haben, ist bislang völlig ungeklärt. (emv)

 

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