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Stockach Ein Stück Stockach in China

Weil die Welt ein Dorf ist: Gudrun Stolz begegnet in China Tendol Gyalzur, die in den fünfziger Jahren als Waisenkind im Kinderdorf Wahlwies aufgewachsen ist

Stockacher Frauentreffen in Shangri-la, das zur chinesischen Provinz Yunnan gehört (von links): die Schwiegertochter von Tendol mit ihrem drei Monate alten Baby Millasherab, Gudrun Stolz, Tendol Gyalzur und Tochter Maren Stolz.
Stockacher Frauentreffen in Shangri-la, das zur chinesischen Provinz Yunnan gehört (von links): die Schwiegertochter von Tendol mit ihrem drei Monate alten Baby Millasherab, Gudrun Stolz, Tendol Gyalzur und Tochter Maren Stolz. | Bild: Bild: privat/mo

Für Gudrun Stolz hatte die Begegnung etwas Berührendes. Da zählt das Land China über eine Milliarde Menschen und sie begegnet dort in Shangri-la einer Frau, die Wahlwies und Stockach fast immer noch wie ihren Rocksaum kennt. Tendol Gyalzur kam in den fünfziger Jahren als Waise aus Tibet nach Wahlwies ins Pestalozzi-Kinderdorf, ihre Eltern waren Opfer der chinesischen Invasion. In Wahlwies hat Tendol die Waldorfschule besucht, danach in der Schweiz eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht, ist in den neunziger Jahren nach Tibet zurückgegangen und hat dort ihre Lebensaufgabe gefunden. Sie hat in Lhasa und Shangri-la zwei Waisenhäuser unter Einsatz ihres privaten Kapitals gegründet und aufgebaut, die sie jetzt mit Hilfe einer Stiftung am Leben erhält.

Gudrun Stolz ist kurz nach der Rückkehr aus China mehr als flüchtig beeindruckt. „Das muss man gesehen haben, Tendol und ihr Mann machen dort eine sehr gute Arbeit.“ Dass sie Tendol in Shangri-la begegnet ist, mag wie Zufall anmuten, hat aber nachvollziehbare Züge. Gudrun Stolz hat zusammen mit ihrem Mann, Bürgermeister Rainer Stolz, ihre Tochter Maren in Kunming, der Provinzhauptstadt von Yunnan, nördlich der Grenze von Laos und Thailand besucht. Maren Stolz studiert Wirtschaftschinesisch an der FH Konstanz und war für ein erstes Auslandssemester in Kunming eingeschrieben. Nachdem Rainer Stolz schon etwas früher abreisen musste, entschlossen sich Tochter Maren und Mutter Gudrun zu einer Schüttelbusreise aus dem 2000 Meter hoch gelegenen Kunming ins 4000 Meter hoch gelegene Shangri-la. Das ist der Ort auf dem Weg nach Tibet, der durch das Buch„Der verlorene Horizont“ von James Hilton Lesern in der ganzen Welt bekannt geworden ist und als Reiseziel für Europäer in China gilt.

Maren Stolz hatte Tendol Gyalzur bereits über Studienkollegen kennengelernt, nun brachte sie ihre Mutter bei der tibetischen Waisenhaus-Gründerin mit Stockacher Geschichte vorbei. „Sie spricht sehr gut Deutsch“, berichtet Gudrun Stolz. Sie lobt die Ortskenntnisse von Tendol, Tendol habe ihr gesagt, sie wüsste immer noch, wo in Wahlwies die guten Apfelbäume stehen und wo die schlechten. Dieses Erleben, als Waisenkind gut im Pestalozzi-Kinderdorf aufgenommen worden zu sein, das wolle Tendol in Tibet weitergeben, beschrieb die Waisenhausgründerin Gudrun Stolz ihre Motivation.

Der Ort Shangri-la hat Gudrun Stolz fasziniert: „Da sieht es fast aus wie im Engadin.“ Aber mehr beeindruckt hat sie die Leistung von Tendol. Wie familiär und herzlich sie mit ihren Waisenkindern umgeht: „Das sind keine Bewahranstalten.“ Wie Tendols Familie den diplomatischen Spagat vollzieht: „Sie versuchen, sich aus der Politik herauszuhalten.“ Wie sie versuchen, den Kindern in Shangri-la und Lhasa nach der Schule eine Berufsausbildung zu vermitteln. Gudrun Stolz fühlt sich nach der Rückkehr aus China verpflichtet: „Das ist etwas, für das ich mich engagieren möchte.“ Ein bisschen ist es auch ein Stück Stockach in China.

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