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Stockach Die Klinik am Tropf der Stadt

Was vor der Gründung der Krankenhaus Stockach GmbH gang und gäbe war, stößt nun auf Widerspruch der Gemeindeprüfungsanstalt (GPA). Die Stuttgarter Prüfer monieren, dass die Stadt die Lohnzahlungen für die Klinik übernimmt - und manchmal monatelang warten muss, dass das Geld von der Klinik zurückbezahlt wird.

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Sichere Gehälter für das Personal des Stockacher Krankenhauses garantiert die Stadt. Dass dies so bleiben soll, beschloss der Gemeinderat. | Bild: SK-Archiv

Stockach - Denn Liquiditätsprobleme in der Krankenhauskasse führen dazu, dass die von der Stadt beim Krankenhaus in Rechnung gestellten Lohnzahlungen zeitweise erst Monate später gezahlt werden können. Neben den Gehältern schießt die Stadt auch die Sozialabgaben für das Krankenhaus vor.

"Ein Grund dafür ist die schlechte Zahlungsmoral vieler Krankenkassen", erklärt Klinikchef Roland Maier auf SÜDKURIER-Nachfrage. Das bewährte Verfahren garantiere aber, dass das Krankenhaus den Forderungen anderer Lieferanten immer pünktlich nachkommen könne. Die Zahlungen an die Stadt könnten aber nicht immer fristgerecht beglichen werden. "Sobald die Zahlungen der Krankenkassen vorliegen, können wir unsere Verpflichtungen gegenüber der Stadt begleichen", betont Maier. Zudem werde der Stadt über Betriebsmittelkreditzinsen der Ausfall durch die Lohnvorauszahlungen ausgeglichen. Das Krankenhaus könne dadurch aber auf Fremdkredite verzichten.

Ein Risiko, dass die Stadt auf den Kosten ganz sitzen bleiben könnte, sieht Kämmerer Bernhard Keßler nicht. "Dieses Risiko ist nur theoretischer Natur", betonte er in der jüngsten Ratssitzung und machte sich stark für die Fortführung des gewohnten Weges.

Doch seit das Krankenhaus eine eigene Rechtspersönlichkeit ist, die nicht mehr nur der Stadt Stockach alleine gehöre, sorgt das gewohnte Verfahren für Stirnrunzeln bei der Prüfungsbehörde. Nun musste mit einem Ratsbeschluss das Verfahren verfestigt werden - und die Ratsmitglieder haben der Klinik den Rücken gestärkt: "Das ist nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein politisches Signal", betonte Wolf-Dieter Karle als Fraktionssprecher der Freien Wähler - bevor der Rat dem Antrag einstimmig zustimmte -, dass es sich lohnen solle, als Arzt in Stockach tätig zu sein. Er sieht darin einen wichtigen Anreiz, qualifiziertes Personal zu finden.

Jetzt hofft Maier, dass im Zuge der aktuellen Budgetverhandlungen mit den Kassen die Finanzsituation im Krankenhaus verbessert werden könne. "Was wir tun können, haben wir getan", ist er überzeugt. Denn dank einer großen Nachfrage an Schulteroperationen sei die Auslastung der Klinik derzeit mehr als zufriedenstellend, so Maier.

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