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Stockach-Mahlspüren im Tal Das ganze Jahr Weihnachten

Es ist heiß. Die Sonne brennt über Stockach. Wer denkt da an Weihnachten? Hans Braun schon. Bei dem Landwirt in Mahlspüren im Tal beherrscht das Fest fast das ganze Jahr: Er betreibt eine große Christbaumzucht. Die Tannen müssen regelmäßig gepflegt werden, auch bei Temperaturen von über 30 Grad.

Hans Braun zeigt, wie die Spitzen einer schönen Tanne aussehen sollten. Der Landwirt betreibt in Mahlspüren im Tal eine große Christbaumzucht, die auch in der Sommerzeit eine intensive Pflege verlangt.
Hans Braun zeigt, wie die Spitzen einer schönen Tanne aussehen sollten. Der Landwirt betreibt in Mahlspüren im Tal eine große Christbaumzucht, die auch in der Sommerzeit eine intensive Pflege verlangt. | Bild: Pflüger

Stockach-Mahlspüren im Tal – Hans Braun ist ein geduldiger Mensch. Wenn er mit seinem 17 Jahre alten Nissan Patrol zu seinen Christbaumpflanzungen fährt, hat er keine Eile. Fast in Schrittgeschwindigkeit klettert sein Geländewagen dann die Mahlspürer Hügel hinauf und hinab. Wichtiger als die Schnelligkeit ist für den 58-Jährigen: Die Arbeit muss gründlich gemacht werden. Auch im Hochsommer. Eine Jahreszeit, zu der die Weihnachtsstimmung noch weit weg ist.

Rund 200 000 Tannen wachsen derzeit auf seinen sechs Anbauflächen von insgesamt rund acht Hektar Größe. Und diese müssen das ganze Jahr über gepflegt werden. Unkraut ausmähen, die Bäume in Form schneiden oder die verkaufbaren Bäume mit einem Zettel markieren: Das sind die Aufgaben von Hans Braun während der Sommermonate.

Der gelernte Landwirt verbringt genug Zeit in seinem Forst, um eine enge Beziehung zu seinen Bäumen zu entwickeln. Immerhin vergehen vom Pflanzen bis zum Schlag einer Tanne zwischen acht und zehn Jahre. Als besonders schön empfindet er es, dem Baum beim Wachsen zuzusehen und ihn im Gegensatz zum normalen Forst selbst auch „ernten“ zu können. „Das ist fast so wie bei Kindern, wenn die groß werden“, sagt er.

Den größten Teil der Christbaumzucht machen die Nordmann-Tannen aus. Hans Braun will sich aber nicht auf eine einzige Sorte verlassen und probiert immer wieder neue Tannen aus. Die frostresistente Fraser-Tanne etwa oder die Kolorado-Tanne, die sich besonders gut schneiden lässt. Noch bis vor 20 Jahren hätte er sich wohl noch gar nicht vorstellen können, einmal eine so große Christbaumzucht zu betreiben. Auf seinem Hof in Mahlspüren betrieb er Viehzucht, lebte von der Bullenmast und der Fleischerzeugung. Als kurz nach der Wiedervereinigung die Aufgabe eines Viehzuchtbetriebs staatlich gefördert wurde, stieg er allmählich auf die Tannenzucht um. Jedes Jahr habe er rund zehn Prozent Zuwachs gehabt, erzählt Braun. Einfach sei es aber nicht gewesen, in dem Nischengeschäft Fuß zu fassen: „Man muss langsam rein und viel Lehrgeld zahlen.“

Inzwischen verbringt er die Hälfte seiner Arbeitszeit im Christbaumforst. Der Mann ist ein richtiger Tausendsassa: Neben der Forstwirtschaft hat er noch einen eigenen Schulbusbetrieb, ein paar Streuobstwiesen, eine Schnapsbrennerei und auf seinem Hof eine Autowerkstatt.

Ganz viel Wert legt Hans Braun auf die Qualität seiner Bäume. „Wir wollen 80 bis 85 Prozent verkaufen, aber auch der Rest ist okay“, sagt er. Nur anfangs benutze er Chemikalien, dann helfe nur Ausmähen und Mulchen. Von billiger Massenproduktion hält er nicht viel. „Wenn ich die Bäume nur wachsen lasse und das im großen Stil und mit Chemie mache, dann kann ich auch billig verkaufen“, ist er überzeugt. Manchmal muss aber auch er Bäume von anderen Händlern zukaufen. Denn der Markt sei schnell: „Entweder du kannst liefern oder nicht.“

Die Hochsaison in der Christbaumzucht beginnt erst am Ende des Jahres: Mitte November beginnt Hans Braun mit dem Schlagen der Tannen. Während dieser Zeit lässt sich die Arbeit nur mit der Hilfe von vier Mitarbeitern bewältigen. Etwa 90 Prozent der Bäume geht an Wiederverkäufer aus dem weiteren Bodenseeraum. Darunter sind Landschaftsgärtner, Rentner oder Marktverkäufer, „überwiegend ältere Leute“, wie Hans Braun sagt. Die übrigen 10 Prozent der Bäume verkauft er direkt, vor allem an Firmen.

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