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Stockach Aus Bierfas wird Cello: Schülerin baut aus Schrott Musikinstrumente

Die Wahlwieser Waldorfschülerin Liv Klopstock macht aus Schrott Musikinstrumente und spielt auf ihnen jetzt Apokalyptica. Sie will auf die Not in Slums in Paraguay aufmerksam machen.

Liv Klopstock, 17-jährige Waldorfschülerin aus Wahlwies, hat im Rahmen ihrer Jahresarbeit drei Instrumente aus Schrott und wiederverwertbarem Müll gebaut. Neben zwei Violinen fertigte die Schülerin ein Violoncello aus einem ausgedienten Ölfass und selbst gebautem Cellohals mit Wirbeln aus alten Kochlöffeln. Die erste ihrer beiden Geigen fertigte Liv aus einer ausrangierten italienischen Kuchendose. Als Steg diente ihr eine selbst bearbeitete Holzleiste. Den Hals entnahm sie einem kaputten Uralt-Instrument.

Diese Schrottvioline ist genauso spielbar wie ihre zweite, komplett selbst gebaute. Deren Hals hat sie wie beim Cello aus einem alten Birnbaum herausgesägt, der einst im elterlichen Garten stand. Als Resonanzkörper diente in diesem Fall ein altes Bierfass.

„Anfangs habe ich die Kuchendosen-Geige ganz allein so zusammengebaut, wie ich dachte, dass es richtig sei“, erzählt die Siebzehnjährige, deren Affinität zu Saiteninstrumenten möglicherweise darin begründet liegt, dass sie als Sechsjährige ihren ersten Geigenunterricht erhielt und seit ihrem siebten Lebensjahr in diversen Orchestern als Geigerin spielt.

Als die Kuchendosen-Violine fertig war, klang sie blechern. Weshalb Liv sich zu einem Geigenbauer nach Konstanz begab. „Wir haben in seiner Werkstatt das ganze Instrument wieder auseinandergebaut“, berichtet die Schülerin. Die Decke und den Boden der Violine hat sie dann unter Anleitung mitsamt Stimmstock mit einer dünnen Sperrholzplatte verstärkt. Der Stimmstock, Seele der Violine, steht unter den höheren A- und E-Saiten. Mit ihm kann man ganz verschiedene Klangfarben erzeugen. Unter den beiden tiefen Saitensorgt nun ein Bassbalken für Verstärkung.

Am Abend des Samstag, 23. Januar, wird Liv mit ihren ebenfalls sehr musikalischen Schwestern Hannah (20) und Leonie (13) auf den drei selbst gebauten Schrott-Instrumenten die „Bitter-Suite-Sinfonie“ von Apocalyptica aufführen. Auf normalen Instrumenten haben die drei Schwestern schon geübt und geprobt. Nun müssen sie noch ausprobieren, wie das Werk auf den selbst gebauten Schrott-Instrumenten klingt.

„Die Welt schickt uns Müll. Wir antworten mit Musik“ lautet der Titel von Livs Jahresarbeit, die außerdem das Leben auf den Müllkippen in den Slums von Paraguay behandelt samt dem dort entstandenen „Müllorchester“. Man darf also gespannt sein auf die öffentlichen Präsentationen, in deren Rahmen vom 22. bis 24. Januar neben Vorträgen und Darbietungen auch die selbst gebundenen Projektbücher zum Schmökern einladen.

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