Mein

Stockach Anna-Joya Zalitatsch lernt viel über Frauen im Islam

Die Waldorfschülerin Anna-Joya Zalitatsch hat sich für ihre Jahresarbeit mit der Rolle der Frau im Islam beschäftigt und unternahm einen Selbstversuch mit Kopftuch auf dem Konstanzer Weihnachtsmarkt.

Wenn muslimische Frauen unterdrückt werden, habe das nichts mit Religion, sondern vielmehr mit Tradition zu tun, weiß Anna-Joya Zalitatsch. Zu dieser Überzeugung gelangte die 17-jährige Waldorfschülerin durch ihre intensive Auseinandersetzung mit dem selbst gewählten Thema ihrer Jahresarbeit. „Die Frau im Islam“ hat Anna-Joya in den Fokus ihrer umfangreichen Recherchen gestellt. Dass sie sich für dieses Thema entschied, war eher zufällig. Mit ein paar Freundinnen hatte sie darüber gesprochen, wie sehr muslimische Frauen unterdrückt werden. „Im Verlauf meiner Recherchen für die Jahresarbeit hat sich allerdings meine Haltung dazu verändert“, betont die Schülerin. Es sei schwierig, eine fremde Kultur zu verstehen, weil sie so komplett unterschiedlich zur eigenen sei. „Wir können nicht behaupten, dass diese Frauen unterdrückt werden, wenn wir gar nichts oder nur ganz wenig über deren Religion, Tradition und Kultur wissen.“

Für den praktischen Teil ihrer Jahresarbeit führte Anna-Joya Zalitatsch neben Gesprächen mit muslimischen Frauen im Alter von 20 und 40 Jahren auch ein Gespräch mit einer Vertreterin von Terre des femmes aus Konstanz. Von letzterer erfuhr sie, wie sich diese Organisation für Frauen in muslimischen Ländern einsetzt. Frauen vor Gewalt im Namen der Ehre zu schützen und ihnen neben einer angemessenen Bildung ein selbstverantwortliches Leben zu ermöglichen, sind die Hauptanliegen von Terre des femmes. Derzeit gebe es entsprechende, über Spenden finanzierte Projekte in Afghanistan und in der Türkei.

Anna-Joya Zalitatschs erste muslimische Gesprächspartnerin war eine ledige Studentin aus Tunesien. „Durch ihr Kopftuch wirkte sie im ersten Augenblick auf mich zwar konventionell, war aber offen und hatte total die Freude daran, mir ihre Religion zu erklären.“ Die ältere Muslima, eine in zweiter Ehe mit einem Deutschen verheiratete Türkin, habe als gläubige Muslima kein Kopftuch getragen. „Es gibt keinen festen Beleg im Koran, der besagt, dass die Frauen Kopftuch tragen müssen“, betont die 17-Jährige, die in ihrem Projektbuch ein ganzes Kapitel der Verschleierung widmete. Für den praktischen Teil ihrer Jahresarbeit ging die Schülerin im Selbstversuch mit Kopftuch von einer Freundin begleitet auf den Konstanzer Weihnachtsmarkt. „Das Überraschende für mich war, dass ich mich schnell an das Kopftuch gewöhnte“, erinnert sie sich. Von anderen Leuten seien weder komische Blicke gekommen noch irgendwelche Reaktionen.

„Gerade, weil jetzt so viele Flüchtlinge aus muslimischen Ländern bei uns sind, finde ich es wichtig, sich über den Islam zu informieren“, betont die Schülerin, die etliche Bücher über ihr Thema gelesen und viel darüber im Internet recherchiert hat. „Zum Teil war es richtig nervenaufreibend und man kommt an seine Grenzen“, erklärt Anna-Joya. Die anstehende Präsentation ihrer Jahresarbeit und vor allem ihren Vortrag vor rund 300 Zuhörern sieht sie als Herausforderung, auf die sie sich freut.

Stimmungsvolle Adventsdeko, Geschenkideen für Weihnachten und vieles mehr bei SÜDKURIER Inspirationen. Jetzt Newsletter abonnieren und 10 € Gutschein sichern!
Auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken ?
Korrekturhinweis
Neu aus diesem Ressort
Stockach
Stockach
Stockach-Winterspüren
Stockach
Stockach
Bodman-Ludwigshafen
Die besten Themen
Kommentare (0)
    Jetzt kommentieren