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23.01.2013  |  von  |  0 Kommentare

Stockach „Auch Dialekt braucht einen Platz“

Stockach -  Als Narrenrichter war Karl Bosch viele Jahre Oberhaupt der Stockacher Narrenschar. Als Aufklärer macht er sich auch heute für die Mundart stark.

Karl Bosch (Bild) wird am Montag, 11. März, um 19 Uhr im Alten Forstamt in Stockach gemeinsam mit dem Singener Dialektiker Hans Flügel einen Mundartabend gestalten.  Bild: SK-Archiv



Herr Bosch, als Lehrer wissen Sie um die Bedeutung der Schriftsprache. Dennoch widmen Sie viel Engagement dem Dialekt. Warum?

 

Es gab und gibt eigentlich nie einen Widerspruch in der Bedeutung beider Sprachen: Dialekt und Schriftsprache. Jede hat ihren Platz und ihre Bedeutung. Das Problem nur war und ist es noch, dass man beide nicht sorgfältig trennt und inzwischen eine Mischsprache von beidem entstanden ist, die man als „Honoratioren-Alemannisch oder weiter nordöstlich als Honoratioren-Schwäbisch bezeichnen kann. Damit ist aber weder der Schriftsprache noch dem Dialekt gedient. In meinem Berufsleben habe ich immer wieder mit meinen Klassen an Mundartwettbewerben teilgenommen und Mundartlesungen von Walter Fröhlich und Hans Flügel in der Realschule Stockach veranstaltet. Dieses Engagement hat mich nie losgelassen, weil ich spüre, wie wichtig es ist, die alemannische Mundart zu retten.

 

Hilft Humor, Mundart vor dem Aussterben zu retten?

 

Humor ist sicher kein Allheilmittel. Er kann aber sicher, wohl dosiert, auch und gerade in der Fasnacht, wo der Dialekt ja vermehrt zum Einsatz kommt und auch in den Medien vermehrt seinen Platz findet, dazu helfen, dass der Dialekt wieder mehr Freunde und „Anwender“ animiert, ihn zu gebrauchen.

 

Ein wichtiger Baustein der Brauchtumspflege ist die Fasnet, doch nicht immer ist es ganz einfach, die unterschiedlichen Interessen regionaler Narrenbünde unter einen Hut zu bringen.

 

Die Interessen der regionalen Narrenvereinigungen sind eigentlich von der Sache her dieselben. Man hat sich ja organisiert, um sich gegenüber Versicherungen, Wirtschaftsverbänden – wie zum Beispiel die Gema – und Verwaltungen besser aufzustellen. Wenn es Unterschiede gibt, dann sind die nur historisch begründet. Beispielsweise haben sich die Stadtzünfte in den 20-er Jahren zuerst organisiert, danach folgten die Dorfzünfte Ende der 50-er Jahre.

 

Mit der Terminwahl zeigen Sie, dass auch nach Aschermittwoch die richtige Zeit für Mundartpflege ist…

 

Die Mundartpflege ist eine Aufgabe, die ganzjährig ansteht und auch früh beginnen sollte. Im Kindergarten, dann in der Grundschule, in den Vereinen und überall, wo es sich anbietet, Dialekt zu sprechen.

 

Was dürfen die Besucher des Mundartabends erwarten?

 

Im vorletzten Jahr haben wir eine Mundartwortsammlung von Professor Ernst Fuchs in Stockach präsentieren können, die genau 100 Jahre alt ist. Diese zeigt auf, wie man in Stockach damals gesprochen hatte. Die Besucher des Mundartabends 2013 erwartet nun eine Darstellung des alten alemannischen Dialekts in Versen und Kurzgeschichten aus drei Werken des Altmeisters der Mundart Hans Flügel aus Singen.

 

Tausende Narren in der Region Kreis Konstanz machen jedes Jahr während der fünften Jahreszeit die Straßen unsicher. Sie feiern und strählen sechs Tage lang ausgelassen. Alle Berichte und Bilder zur Fasnacht in der Region finden Sie im närrischen SÜDKURIER-Onlinedossier.

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