Steißlingen Post von zehn Wandergesellen

Die spontane Hilfsbereitschaft der Steißlinger an Fasnacht würdigen Handwerksgesellen mit einem Foto von unterwegs

Sie freuen sich über Post von Handwerkern auf der Walz: v.l. Jolanda Schmal und Hedi Benzinger.
Sie freuen sich über Post von Handwerkern auf der Walz: v.l. Jolanda Schmal und Hedi Benzinger. | Bild: Bild: Karola Kuhn

Steißlingen (kun) Jolanda Schmal und Hedi Benzinger können es kaum glauben: Die zehn Handwerker auf der Walz haben das versprochene Gruppenfoto von sich geschickt. Gemacht hatte es Jolanda Schmal an Fasnacht, aufgenommen wurde es vor dem Steißlinger Pfadi-Heim, in dem die Handwerker kostenlos nächtigen konnten. Als sie weiter zogen, versprachen sie, sich von unterwegs zu melden. Jetzt kam ein Kuvert mit Foto an Hedi Benzinger, ohne Absender. Aber zur Freude aller damals Beteiligten.

Hedi Benzinger traf an Fasnachtmontag an der Ampel oberhalb der Pizzeria auf einen jungen Mann, der angezogen war wie ein Handwerksbursch auf der Walz, samt Stecken mit Bündel dran. Es war Fasnacht und die Kluft hätte ja auch Verkleidung sein können. Sie glaubte nicht so ganz an die Walz-Geschichte. In der Pizzeria traf sie dann noch mehr von der Sorte, sie suchten eine Übernachtungsmöglichkeit. Auch dort dachten die Gäste erst, es seien Fasnachter. Jolanda Schmal und ihr Mann waren auch gerade im Wirtshaus. Oswin Schmal hatte die Gruppe schon mittags auf dem EKZ-Kreisel sitzen sehen zum Vespern. Erst als zwei Zimmerer-Gesellen aufstanden und mindestens acht Verse ihrer Zimmerer-Sprüche zum Besten gaben, glaubten ihnen alle im Lokal. Und alle einschließlich Musikverein, der zur Fasnacht aufspielte, zerbrachen sich die Köpfe, wo die zehn übernachten könnten. Schmals und Hedi Benzinger boten Quartier für jeweils vier an. Aber sie wollten zusammen bleiben. Unter den Musikern war zufällig auch Lena Bechler. Sie – im Vorstand der Pfadfinder – hatte die zündende Idee mit dem Pfadfinder-Heim.

Der Schlüssel für dieses Superquartier war zu Hause schnell geholt. Alle waren glücklich, und so geschah es, dass zehn Handwerksgesellen, drei davon Frauen, in Steißlingen übernachteten und am nächsten Tag im Rathaus den notwendigen Stempel in ihr Buch abholen konnten. Und Frühstück gab es vorher auch noch. „Wenn nicht Fasnacht gewesen wäre“, lacht Jolanda Schmal, dann hätte sie die Thermoskannen mit Kaffee sicher nicht mit dem Handkarren ans Pfadiheim gezogen. Aber so… Hedi Benzinger und sie brachten alles, was ihre Küchen am Fasnachtdienstag für ein Frühstück hergab zu den jungen Leuten, einschließlich Weckle vom Beck.

Die beiden Frauen sind heute noch ganz angetan vom Zusammenhalt der Gruppe, von ihren Idealen. Jeder hat nur einen dünnen Schlafsack, sie schlafen in der Kluft und knüpfen ihre Habseligkeiten in ein großes Tuch, das zur Standardausrüstung gehört wie die Kleidung und der Stecken. Für die Wanderschaft gelten strenge Vorschriften, was Aufenthaltsort und -dauer und Arbeitszeit betrifft. Und: Kein Handy, kein Luxus. So viele wie in Steißlingen sind selten miteinander zu sehen. Über die Homburg wanderten sie davon: Bootsbauer, Tischler, Zimmerleute und Steinmetze von der Müritz, aus Kiel, Flensburg, Norderney und München.

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