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Singen Umfrage unter Hegauern: Mehr Kameras für mehr Sicherheit?

Die innere Sicherheit treibt die Politik um. Und in Gottmadingen startet wegen des Vandalismus eine Videoüberwachung von Schulhöfen. Wie viel Kontrolle aber sind Bürger bereit zu ertragen? Eine Umfrage.

Es ist so einiges los in der Singener Innenstadt, die Leute erledigen Einkäufe oder genießen im Straßencafé unbeschwert das schöne Wetter. Doch auch an Tagen wie diesem bleibt die Frage, wie unbeschwert der Alltag wirklich noch sein kann. Alina Dorn aus Radolfzell und Vanessa Dreher aus Singen sind beim Bummeln. "In der heutigen Zeit macht man sich schon Gedanken darüber, wie unbesorgt man noch durch die Stadt gehen kann", meint Vanessa Dreher. "Besonders nachts geht wohl kaum jemand alleine auf die Straße. Es könnte sicherlich nicht schaden, wenn es mehr Überwachung und Polizeipräsenz gäbe."

An vielen Schulen, nicht nur in Gottmadingen, wird zudem Vandalismus zum Problem. Marc Neininger, Vorsitzender des Elternbeirates der Beethovenschule in Singen, bezweifelt im Hinblick auf die neue Videoüberwachung von Schulhöfen, dass Kameras eine gute Lösung sind: "Das Thema Kameras kam auch bei uns schon auf, sie wurden jedoch abgelehnt." Während der Pausen seien Lehrer auf dem Schulhof, der Vandalismus trete also in der Freizeit auf.
 

Beispiel Gottmadingen

In der gegenwärtigen Lage, in der sich die Menschen zunehmend vor Gewalt und Übergriffen fürchten, beschäftigt das Thema Sicherheit mehr denn je. Die Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Konstanz für 2016 bestätigt: Die Zahl der Straftaten steigt auch in der Bodenseeregion. Und an Gottmadinger Schulen soll es nun eine Videoüberwachung von Schulhöfen geben – so will man des wachsenden Vandalismus-Problems Herr werden.


"Ein weiteres Problem bei den Kameras ist der Datenschutz. Nicht alle Eltern würden zustimmen, dass ihre Kinder gefilmt werden." Und Helikopter-Eltern würden jedes Mal anrufen, wenn ihr Kind auf dem Hof geschubst wurde und die Kameraaufnahmen sehen wollen, "das ist nicht Sinn der Sache", erklärt er. "Meiner Meinung nach ist das Einzige, was wirklich helfen kann, eine Umzäunung der Schulhöfe, auch wenn es schade ist, dass sie dann außerhalb der Schulzeit nicht mehr genutzt werden könnten. Sachbeschädigung vorzubeugen geht aber vor."

Die Meinungen zum Thema Sicherheit und verstärkten Maßnahmen stellen sich als sehr geteilt heraus. Nicht zuletzt geht es darum, Sicherheit und Persönlichkeitsrechte gegeneinander abzuwägen.

 


Das meinen die Befragten:

Tobias und Martina Heizmann (Leipferdingen)
Tobias und Martina Heizmann (Leipferdingen)

Martina und Tobias Heizmann kommen aus Leipferdingen und sind ebenfalls zum Einkauf in Singen: "Wir fühlen uns im Großen und Ganzen sicher, aber wir kommen auch nicht aus Singen", erklärt Martina Heizmann.

"Und man muss dazu sagen, dass sogar in unserer Nachbarschaft schon zweimal eingebrochen wurde", fügt Tobias Heizmann hinzu. "So ganz sicher vor Verbrechen ist man also nirgendwo. Kameraüberwachung finde ich auf jeden Fall gut, wo es nötig ist."

"Vielleicht gibt es Leute, die sich nicht gerne von Kameras beobachten lassen, aber ich finde, Sicherheit geht vor", sagt Martina Heizmann.
 

Christian Schmele (Ehingen)
Christian Schmele (Ehingen)

Christian Schmele aus Ehingen sieht das Problem in der Arbeit der Polizei: "Polizisten gibt es genügend, aber wenn es drauf ankommt, sind sie selten vor Ort. Die Beamten sollten öfter Streife fahren, das würde mehr bringen als Kameras, die von den Verbrechern manipuliert oder umgangen werden können und in akuten Gefahrensituationen auch nicht helfen. Außerdem erinnert Videokontrolle sehr an einen Überwachungsstaat, wie wir ihn hier mit Sicherheit nicht wollen."
 

Alexandra Sebald (Friedingen)
Alexandra Sebald (Friedingen)

"Ich habe noch nie an der Sicherheit gezweifelt", meint dagegen Alexandra Sebald aus Friedingen, deren Mann selbst Polizist ist. "Dass man nachts nicht gerade durch die Innenstadt läuft, versteht sich ja von selbst. Die Angst der Menschen wird im Moment besonders durch die verstärkte Immigration geschürt, aber darum wird meiner Meinung nach viel zu viel Wind gemacht. Die Menschen, die gerade hierher kommen, Leben in so schlechten Verhältnissen, dass man Mitleid mit ihnen haben muss. Uns geht es gut. Wenn wir in deren Situation wären, würden wir aus der Not heraus vielleicht auch das ein oder andere Vergehen begehen. Deswegen wären wir aber noch lange keine Unmenschen, vor denen man sich fürchten muss."
 

Matthias Jäger (Hausen)
Matthias Jäger (Hausen)

Matthias Jäger aus Hausen fühlt sich sicher: "Ich mache mir keine Sorgen um meine Familie und mich. Uns ist noch nie etwas passiert. Vielleicht ist es in der Stadt schlimmer mit der Kriminalität, aber bei uns auf dem Dorf kann man getrost und unbesorgt die Straße betreten."
 

Linda Stöhr und Florian Lüddicke (Hilzingen)
Linda Stöhr und Florian Lüddicke (Hilzingen)

Florian Lüddicke und Linda Stöhr aus Hilzingen finden mehr Überwachung angemessen: "Die Menschen sind durch die Medien sensibilisiert. Durch die Nachrichten erfährt man andauernd von Anschlägen, Überfällen und Einbrüchen", meint Florian Lüddicke. "Aber ich denke auch, dass die Kriminalität in den letzten Jahren tatsächlich zugenommen hat, sowohl auf dem Land als auch auf dem Dorf. Eine stärkere Überwachung könnte wohl nicht schaden."
 

Günther Giolda (Singen)
Günther Giolda (Singen)

Günter Giolda aus Singen hat bereits Erfahrung mit Diebstahl gemacht: "Sicherheit ist nicht mehr das, was sie früher einmal war. Die Leute werden immer skrupelloser. Mir wurde sogar schon mehrmals die Zeitung aus dem Briefkasten geklaut! Für Überwachung durch Kameras bin ich trotzdem nicht. Ich mag es nicht, beobachtet zu werden, außerdem bin ich sowieso meistens daheim. Da passiert mir nichts.
 

Marc Winterhalder mit Familie (Eigeltingen)
Marc Winterhalder mit Familie (Eigeltingen)

Marc Winterhalder aus Eigeltingen fühlt sich auf dem Land noch recht sicher: "Besonders hier in Singen ist die Kriminalitätsrate ja angeblich sehr hoch. Ich mache mir wenige Sorgen wegen Verbrechen, weil in meinem Dorf selten etwas passiert. Es gibt jedoch Orte, wo stärkere Maßnahmen bestimmt sinnvoll sind, wie zum Beispiel in Gottmadingen, wo Schulhöfe kameraüberwacht werden sollen, weil so viel Vandalismus betrieben wird."

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