Singen Tanzpädagogin Milly van Lit: "Tanzen ist mein Beruf"

Milly van Lit leitet seit 40 Jahren die Ballettschule "Die Färbe". Der Tanzpädagogin sind ihre Schüler und Professionalität wichtig.

Frau van Lit, wie haben Sie die Zeit in Erinnerung als Sie vor 40 Jahren die Ballettschule gründeten?

Sehr positiv. Ich bin ja mit 25 Jahren mit meinem Lebensgefährten, Peter Simon, nach Singen gekommen. Es war einfach toll, das Ganze aufzubauen. Wir haben 1977 in einem Nebenraum der Münchriedhalle angefangen. Damals hat nur die Volkshochschule Ballett angeboten und das Interesse war von Anfang an groß. Nach dem Umbau der Färbe konnten wir in den dortigen Ballettsaal umziehen. Ich hatte dann zeitweise bis zu 250 Schüler.

Die Ballettschule hat ja auch immer durch große Ballettabende von sich reden gemacht.

Ich habe vor allem die Aufführungen von „Momo“ und Strawinsky in der Scheffelhalle Anfang der 90er-Jahre in guter Erinnerung. Die Aufführungen waren jeweils an drei Abenden und jeden Abend kamen 1000 Besucher. Wir haben teilweise die komplette Halle umgebaut. Aber eigentlich war jede Produktion etwas Besonderes. Das Färbe-Ensemble hat immer mitgeholfen und viele meiner älteren Schüler. Die Aufführungen, die alle zwei Jahre stattfinden, sind sehr professionell und für die Schüler eine große Motivation. Legendär war auch das Färbe-Showballett, das in der ganzen Region auftrat. Die Truppe war immer zur Stelle und das Publikum auch.

Welche Bedeutung hat das Tanzen für Sie?

Es ist mein Beruf. Ich habe das erlernt und mich in meinem Beruf behauptet. Es ist eine Arbeit, wie jede andere, die mir Freude macht. Das Tanzen war für mich nie etwas Besonderes. Ich habe mit vier Jahren angefangen und meine Mutter hat gemerkt, dass es mir ernst ist. Nach dem Vortanzen mit zwölf Jahren beim Königlichen Konservatorium in Den Haag wurde ich gleich in die zweite Ballettklasse aufgenommen. Mein Ziel war aber von Anfang an, Tanz und Pädagogik zu verbinden. Deshalb bin ich vielleicht bei Vortanzterminen ganz nicht so verkrampft an die Sache herangegangen.

Was wollen Sie Ihren Schülern vermitteln?

Der Unterricht vermittelt Haltung, Disziplin und die Fähigkeit, Musik in Bewegung umzusetzen. Ich bin hart in der Sache, doch meine Schüler kommen immer vollzählig und gern zum Unterricht, auch wenn es im Sommer richtig heiß unter dem Dach der Färbe wird. Einige meiner Schüler sind an der Stuttgarter John-Cranko-Schule und der Münchener Heinz-Bosl-Stiftung aufgenommen worden, eine Schülerin hat eine große Ballettschule eröffnet. Viele Schüler sind schon seit Jahrzehnten bei mir und bringen ihre Kinder in den Unterricht.

Was macht Ihnen am Unterrichten Freude?

Wenn ich sehe, dass meine Schüler etwas gelernt haben und das Gesamtbild stimmt. 2016 musste ich drei Klassen zusammenlegen. Ich dachte: Wie mache ich das jetzt mit den unterschiedlichen Leistungsstufen? Es waren auf einmal so viele Schüler im Raum. Doch dann habe ich gemerkt: Das sieht ganz gut aus. Vor allem die Arme sind wichtig, die Beine müssen eh stimmen. Solche Momente sind für mich eine Bestätigung meiner Arbeit.

Zum 40-jährigen der Ballettschule führen Sie ab 19. Juli den „Sommernachtstraum“ frei nach William Shakespeare auf. Wie kamen Sie auf das Stück?

Zwei meiner langjährigen Schülerinnen, Ines Kuhlicke und Natalia Narmetova, hatten die Idee, den Sommernachtstraum aufzuführen und ich fand die Idee gut. Das Stück lässt viel Raum für Musik und die Musik ist für mich das Wichtigste. Wir haben das Stück dann zu dritt erarbeitet. Es ist wieder eine Koproduktion von Theater und Ballett. Die Schauspieler des Färbe-Ensembles spielen mit. Ines Kuhlicke ist für das Konzept, Natalia Narmetova für die Kostüme und ich bin für die Choreografie zuständig. Gero Hellmuth hat das Bühnenbild gemacht. Ich finde es gelungen.

Fragen: Jacqueline Weiß

Zur Person und zum Ballettabend

  • Milly van Lit wird im August 65 Jahre alt. Sie ist in Den Haag geboren und hat am Königlichen Konservatorium eine Ausbildung zur Bühnentänzerin, Choreografin und Tanzpädagogin absolviert. 1971 ging sienach Deutschland und war Solistin an den Stadttheatern Trier und Mainz. Danach arbeitete sie als Solistin und Assistentin am Revuepalast "La Cuppola d'Oro" in Mailand, bevor sie sich 1977 mit ihrem heutigen Ehemann Peter Simon in Singen niederließ. Peter Simon und Cornelia Hentschel vom Färbe-Theater lieferten bei unserem Gespräch immer wieder Hinweise zur Geschichte und Produktionen der Ballettschule und halfen auch, die Leistungen der bescheidenen Tanzpädagogin ins rechte Licht zu rücken.
  • Die Ballettschule feiert ihren 40. Geburtstag. "Ein Sommernachtstraum" frei nach William Shakespeare wird vom 19. bis 22. Juli um 19 Uhr und am 23. Juli um 17 Uhr in der Basilika aufgeführt. Reservierungen unter (0 77 31) 6 46 46, Abendkasse eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Die Karte kostet 20 Euro, ermäßigt 10 Euro. Die Vorstellung am Mittwoch ist ausverkauft.

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