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Singen Tag des offenen Handwerks: Der Nachwuchs bleibt aus

37 Singener Betriebe haben sich am Tag des offenen Handwerks beteiligt. Dabei warben Handwerksmeister um neue Auszubildende.

Volle Auftragsbücher und Jobsicherheit mit vielseitigen Karrieremöglichkeiten: Dem Handwerk geht es gut. Doch was nach traumhaften Arbeitsbedingungen klingt, will in der Realität kaum jemand mehr machen. Seit Jahren ringen die Betriebe auch in Singen um Auszubildende, der Nachwuchs wird knapp. "Dabei hat es so viele Vorteile, nach der Schule erst einmal eine Ausbildung zu beginnen", sagt Bäckermeister Eric Stadelhofer zu den 21 Schülerinnen und Schülern, die ihn am Tag des offenen Handwerks am Freitag in seiner Backstube in der Rielasinger Straße besuchen. Eifrig wirbt er für die Vorteile der Branche. "Mit einer deutschen Handwerksausbildung seid ihre weltweit gefragte Arbeitskräfte", so Stadelhofer. In seinem Betrieb bildet er Konditoren, Bäcker und Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk aus.

Die Leidenschaft für seinen Beruf merkt man ihm deutlich an. "Ich hatte als 17-Jähriger eine tolle Zeit als Auszubildender, diese Erfahrung möchte ich an die Kinder weitergeben", erzählt er. Gemeinsam mit seiner Frau betreibt er seit 15 Jahren die Filialen in Singen. Gerade erst wurde er von der Handwerkskammer Konstanz als vorbildlicher Ausbildungsbetrieb ausgezeichnet. Nachwuchsprobleme hat er trotzdem. "Alle Handwerksbranchen haben zur Zeit die selben Probleme. Das liegt einerseits am schlechten Image der Berufe und andererseits daran, dass die Jugendlichen lieber weiter zur Schule gehen wollen, als eine Ausbildung zu machen", so Stadelhofers Einschätzung. Ans Aufgeben denkt er trotzdem nicht. "Tage wie diese sind wichtig, um den Schülern zu zeigen, dass hinter einem einfachen Brötchen jede Menge Arbeit steckt", sagt er.

Bereits zum zehnten Mal veranstaltete Singen aktiv Standortmarketing gemeinsam mit der Singener Handwerkerrunde und der Agentur für Arbeit den Tag des offenen Handwerks. "Einfach machen" lautete das diesjährige Motto. Die Botschaft dahinter: Eine Ausbildung ist keine Entscheidung für das ganze Leben, Ausprobieren ist besser, als nichts zu tun. Und zum Ausprobieren gab es reichlich Gelegenheit. Über 1000 Veranstaltungen haben die Unternehmen auf die Beine gestellt. 37 Handwerksbetriebe öffneten dafür am Freitag ihre Türen. Die Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Jahrgangsstufe konnten sich drei Firmen aussuchen und für je 45 Minuten in die Berufe hineinschnuppern, Kontakte zu Meistern knüpfen, sich über Praktika und Ausbildungsmöglichkeiten informieren.

Andreas Gschlecht von der Singener Firma "Natursteine Gschlecht" möchte den Jugendlichen Einblicke in die Berufe Natursteinmechaniker und Büromanagement bieten. "Es geht mir darum, den Schülern Orientierung zu geben. Damit sie sich in ein oder zwei Jahren, wenn sie in ihren Abschluss gemacht haben, an uns erinnern", sagt er. Sein Unternehmen führt er gemeinsam mit seinem Sohn Fabian bereits in der fünften Generation. Doch auch Familienbetriebe brauchen Nachwuchs. "Mit den letzten drei Auszubildenden hatten wir leider kein Glück. Sie haben nach einem Jahr abgebrochen", berichtet Andreas Gschlecht. Beim Tag des offenen Handwerks ist er mit seiner Firma von Anfang an dabei. Warum sich so wenige junge Leute für Handwerksberufe entscheiden, liegt seiner Meinung nach am falschen Bild der Branche, das in vielen Köpfen nach wie vor präsent sei.

"Die Jugendlichen bringen unseren Beruf mit harter körperlicher Arbeit in Verbindung, dabei übernehmen diesen Teil der Arbeit heutzutage zum Großteil Maschinen", erklärt der gelernte Steinmetzmeister. Beim Beruf des Natursteinmechanikers komme es vor allem auf gute Computer-Kenntnisse an. Maschinen und Menschen, sie könnten sich ergänzen. "Weil wir aber keine jungen Leute finden, die den Beruf erlernen wollen, investieren wir eben in Geräte, die die Arbeit so gut es geht übernehmen können", erklärt Andreas Gschlecht. Ein Teufelskreis, der kaum aufhaltbar scheint. Wie viel Wahrheit in seinen Worten steckt, zeigt sich beim dritten Termin des Tages. Neun Schülerinnen und Schüler haben sich für die Betriebsbesichtung um 12.15 Uhr angemeldet. Gekommen ist ein Mädchen.

Tag des Handwerks

  • 37 Betriebe haben anlässlich des zehnten Tags des offenen Handwerks in Singen über 1000 Veranstaltungen angeboten.
  • Organisiert wird das Projekt gemeinschaftlich von Singen aktiv Standortmarketing, der Singener Handwerkerrunde und der Agentur für Arbeit.
  • Das diesjährige Motto lautete "Einfach Machen. Keine Panik, du bestimmst heute nicht den Rest deines Lebens".
  • Das Angebot richtet sich an 14- und 15-jährige Schülerinnen und Schüler der achten und neunten Jahrgangsstufe.
  • Ziel der Aktion ist es, Handwerksberufe für Jugendliche attraktiv zu machen und Vorurteile abzubauen.

 

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